Literatur

Sprache als Brücke

Übersetzerin Ruth Achlama Foto: Sabine Brandes

Literatur

Sprache als Brücke

Die Übersetzerin Ruth Achlama erhielt das Bundesverdienstkreuz

von Sabine Brandes  24.01.2019 12:48 Uhr

Dieser Ort ist eigentlich viel zu klein für die Bedeutung der Veranstaltung. Das meinte die deutsche Botschafterin Susanne Wasum-Rainer zum Auftakt. »Denn was Sie geleistet haben, ist ganz außergewöhnlich.« Am vergangenen Donnerstag wurde der Übersetzerin Ruth Achlama, die in Tel Aviv lebt, in der Residenz der Botschafterin das Bundesverdienstkreuz verliehen. Diese höchste staatliche Anerkennung erhalte Achlama für ihr umfassendes Übersetzungswerk, »mit dem sie die hebräische Sprache nach Deutschland gebracht und eine Brücke gebaut hat«, so Wasum-Rainer.

Ihr Werk verbinde nicht irgendwelche Länder, sondern Israel und Deutschland. »Und obwohl Ihre Arbeit sicher nicht immer leicht gewesen sein kann, ist Ihnen ein Wunderwerk gelungen. Die Brücke der Verbindung zwischen unseren Völkern ist auch durch Sie absolut einsturzsicher geworden.«

IWRIT Achlama wurde in Quedlinburg geboren und wuchs in Mannheim auf. Schon in früher Jugend träumte sie vom Übersetzerhandwerk und davon, »dass Israel und Deutschland Freunde werden«, doch ihr Lebensweg machte einige Umwege. 1974 schließlich zog sie nach Israel, um hier zu leben, gemeinsam mit »meinem Traumpartner«, dem Chemiker Abraham Achlama. Hebräisch lernte sie erst hier.

»Als mich meine Lehrerin im Ulpan fragte, was ich anschließend machen möchte, antwortete ich, dass ich gerne Bücher aus dem Iwrit ins Deutsche übersetzen würde. Sie lachte nicht, sondern bestätigte mich.« Es sollte nur zehn Jahre dauern, bis die erste Weltliteratur aus Israel auf ihrem Schreibtisch lag: Amos Oz. »Dafür werde ich immer dankbar sein.« Es folgten bis heute rund 70 Bücher, darunter von Yoram Kaniuk, A. B. Jehoschua, David Grossman, Eyal Meged, Meir Shalev und jungen Autoren wie Ela Moskovitz-Weiss.

ANREGUNG Bei ihrer Großmutter wurde bei Festen gesagt, man müsse jetzt »die Orden und Ehrenzeichen anlegen«, erzählte Achlama im Anschluss an die Verleihung mit dem Verdienstkreuz an der Jacke. »Da bei uns niemand Orden hatte, dachte ich, das müssen wohl die hübschesten Kleider sein.« So sehe sie die Auszeichnung, auf die sie sehr stolz sei. »Ein Orden ist schon etwas ganz Besonderes.« Doch sie betrachte das Bundesverdienstkreuz nicht etwa als Schlusspunkt ihres Lebens, »sondern als Bestätigung und Anregung, weiterzumachen«.

Gadi Eisenkot spricht an einem Rednerpult vor einer israelischen Flagge

Israel

Eisenkot will Israel aus der Krise führen

Nach dem Auftrag zur Regierungsbildung ruft der frühere Generalstabschef zu einer Notstandsregierung auf und streckt allen Parteien die Hand aus

 08.11.2026

Kuscheltiere und Puppen auf dem Rabin-Platz, eine Puppe ist mit einem Seil gefesselt

Ariel

Kinderkrippe des Grauens

Drei Betreuerinnen wird systematische Gewalt an Babys und Kleinkindern vorgeworfen. Die Polizei spricht von einem der schwerwiegendsten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre

von Sabine Brandes  08.11.2026

Krieg gegen den Iran

Die Mullahs schossen Raketen – Bat Yam schickt die Rechnung

Die israelische Stadt will Schadensersatz in Millionenhöhe von Teheran. Für die Zustellung der Klage musste der Bürgermeister einen iranischen Vertreter durch die Straßen von Manhattan verfolgen

von Sabine Brandes  08.11.2026

Israels Präsident Izchak Herzog

Nach der Parlamentswahl

Israels Präsident beauftragt Eisenkot mit Regierungsbildung

Dem Oppositionspolitiker Eisenkot fehlen 13 Mandate für eine eigene Regierungsmehrheit. Arabische oder ultraorthodoxe Parteien könnten ihm helfen. Doch beide Optionen bergen großes Konfliktpotenzial

 08.11.2026 Aktualisiert

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Nach den Wahlen

Streit um Regierungsbildung in Israel eskaliert

Israels amtierender Ministerpräsident Netanjahu fordert eine breite Koalition unter Einschluss der Rechtsextremisten. Oppositionspolitiker Eisenkot weist das Angebot umgehend als PR-Manöver zurück

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Jerusalem

Israels Präsident vergibt Auftrag zur Regierungsbildung

In Israel beginnt der Countdown zur Regierungsbildung. Präsident Herzog vergibt den Auftrag wahrscheinlich an den Oppositionspolitiker Eisenkot

 07.11.2026