Smit Machchhar ist in Israel zu einem Helden geworden – obwohl man ihn gar nicht kennt. Er war der Pilot auf dem verhängnisvollen Flug der Flydubai-Maschine auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv. Die israelische Nachrichtenseite Ynet identifizierte ihn als erste.
Machchhar stammt aus Indien und ist ein erfahrener Pilot. Nachdem der omanische Co-Pilot mehrfach auf ihn eingestochen und schwer verletzt hatte, wahrscheinlich um das Flugzeug zum Absturz zu bringen, gelang es dem Kapitän offenbar trotzdem noch, die Cockpittür zu entriegeln. So ermöglichte er es israelischen Passagieren und zwei Piloten, die an Bord waren, ins Cockpit einzudringen, den Co-Piloten zu überwältigen und die Kontrolle über die Maschine zurückzugewinnen.
Im Internet kursieren Videos von den hochdramatischen Momenten, in denen die Israelis ins Cockpit gelangen und später, wie sich ein Mediziner um den verletzten Mann kümmert. Die Umstehenden versuchen währenddessen, ihn bei Bewusstsein zu halten. Immer wieder sagen sie: auf Englisch: »Bleib wach, bleib wach! Schlaf nicht ein«!
Unter den Passagieren waren 27 Kinder
An Bord waren 174 Passagiere, fast alle Israelis, darunter 27 Kinder, sowie sechs Besatzungsmitglieder. Das Flugzeug wurde schließlich nach Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens umgeleitet und landete dort sicher.
Machchhar wurde unmittelbar nach der Landung in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der indischen Botschaft in Saudi-Arabien wird er dort behandelt und befindet sich in stabilem Zustand. Indische Medien berichten auch, dass er operiert wurde und mittlerweile außer Lebensgefahr sei. Die indischen Behörden stünden auch mit seiner Familie in Kontakt, heißt es in den Berichten.
Der Mann aus Mumbai, der Ende 30 bis Anfang 40 sein soll, ist ein erfahrener Pilot. Laut seinem beruflichen Profil verfüge er über rund 9750 Flugstunden. Elf Jahre arbeitete er für die indische Fluggesellschaft SpiceJet, wo er auch als Fluglehrer tätig war und Piloten ausbildete und betreute. Im Juni 2022 wechselte er zu Flydubai.
Dabei war das Fliegen zunächst gar nicht Teil seines Lebensplans. Machchhar studierte zunächst Betriebswirtschaft und arbeitete dann in der Textilbranche. Später habe er bei einem Luftfahrtseminar seine Begeisterung für das Fliegen entdeckt. Seine Pilotenausbildung absolvierte er in Neuseeland. Dort habe er nach Angaben seines früheren Ausbildungsbetriebs rund 18 Monate verbracht.
»Es ist bedauerlich, dass die Leute manchmal eine bestimmte Einstellung gegenüber Flugbesatzungen haben, aber wenn etwas schiefgeht, sind sie zur Stelle.« Smit Machchhar
Besonders bemerkenswert ist ein Podcast-Interview, das Machchhar vor etwa einem Jahr gegeben hat. Darin spricht er darüber, was passiert, wenn in einem Flugzeug plötzlich ein Notfall eintritt und wer dann Leben retten kann. »Wenn wir da oben sind und etwas passiert, wer rettet uns dann?«, fragte er. Man habe Glück, wenn ein Arzt an Bord sei. Aber das sei natürlich nicht immer der Fall. Aber auch die Besatzung könne Leben retten. »Es ist bedauerlich, dass die Leute manchmal eine bestimmte Einstellung gegenüber Flugbesatzungen haben, aber wenn etwas schiefgeht, sind sie zur Stelle.«
Heute hören sich seine Worte auf dramatische Weise fast hellseherisch an. Als Machchhar selbst Hilfe brauchte, waren es Passagiere und Besatzungsmitglieder, die zur Stelle waren. Unter ihnen war der Israeli Yaniv Hayoun, der gemeinsam mit anderen in das Cockpit gelangte. Ein Zahnarzt an Bord half bei der Versorgung des schwer verletzten Piloten.
Indischer Premier bezeichnet den Piloten als »Helden«
Noch am Mittwoch, dem Tag des Geschehens, sprach der indische Premierminister Narendra Modi mit der Familie des Piloten. »Kapitän Machchhar ist ein Held«, schrieb Modi auf X. Trotz schwerer Verletzungen habe er außergewöhnlichen Mut und Entschlossenheit bewiesen.
Machchhar ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Frau und seine Kinder leben mit ihm in Dubai. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte den Piloten für seine Aktionen.
Der genaue Ablauf des Vorfalls und das Motiv des omanischen Co-Piloten werden noch untersucht. Die Ermittler müssen auch klären, wie es dem schwer verletzten Machchhar gelang, die Cockpittür zu öffnen. Fest steht: In einem Moment extremer Gefahr handelte er entschlossen – und half damit, das Leben der Menschen an Bord zu retten.