Urteil

Sieben Jahre Haft für Mosche Katsav

Der ehemalige israelische Präsident Moshe Katsav muss eine siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung antreten. Foto: Flash 90

Sieben Jahre Haft für Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Behinderung der Justiz. Heute ist in Tel Aviv das Urteil gegen den ehemaligen Präsidenten des Staates Israel, Mosche Katsav, verkündet worden. »Der Angeklagte hat die Verbrechen verübt und muss, wie jeder andere auch, die Konsequenzen tragen. Kein Mensch steht über dem Gesetz«, erklärten die Richter am Bezirksgericht. Die Haftstrafe verlängert sich um zwei Jahre Bewährung, zudem muss Katsav 125.000 Schekel (etwa 25.000 Euro) als Entschädigung an die beiden Opfer zahlen. »Es ist eine Lüge«, schrie der Verurteilte während der Verlesung, »sie liegen falsch. Die Frauen wissen, dass sie lügen«.

Im Dezember 2010 wurde der heute 65-Jährige offiziell wegen schwerwiegender sexueller Übergriffe gegen ihm unterstellte Frauen schuldig gesprochen. Dem einstigen Präsidenten und Tourismusminister war vorgeworfen worden, die im Ministerium beschäftigte A. während seiner Zeit als Minister vergewaltigt und sexuell belästigt zu haben. Zudem wurde er schuldig gesprochen, H., die Angestellte in der Präsidentenresidenz, sexuell misshandelt und genötigt zu haben.

AUSGENUTZT Die Richter George Karra und Miriam Sokolov stimmten dem relativ hohen Strafmaß zu, die dritte Vorsitzende, Judith Schevach, hingegen befand, vier Jahre und ein höherer Geldbetrag für die Opfer wären angemessener gewesen. Karra begründete das Urteil zudem damit, dass Katsav seine Position als Präsident ausgenutzt habe und unterstrich die Schwere der Taten, die in einem öffentlichen Amt begangen wurden. Er sagte außerdem: »Vergewaltigung schmerzt und ruiniert die Seele eines Menschen. Sexuelle Belästigung trampelt auf der Würde des Opfers herum.«

Bis zur Urteilsverkündung hatte es mehr als ein Jahr gedauert. Vor zwei Jahren war dem Ex-Präsidenten von Generalstaatsanwalt Menachem Mazuz eine Vereinbarung im Strafprozess vorgeschlagen worden, bei der er wahrscheinlich mit einer Bewährungsstrafe davongekommen wäre. Katsav schlug den Deal jedoch aus und betonte, er wolle vor Gericht seine Unschuld beweisen. Von Anfang an meinte er, er sei Opfer einer Kampagne vor allem der Medien geworden. Die Beweise gegen ihn wogen jedoch so schwer, dass er in allen Fällen schuldig gesprochen wurde. Der ehemalige Präsident muss seine Haftstrafe am 8. Mai antreten.

Gadi Eisenkot spricht an einem Rednerpult vor einer israelischen Flagge

Israel

Eisenkot will Israel aus der Krise führen

Nach dem Auftrag zur Regierungsbildung ruft der frühere Generalstabschef zu einer Notstandsregierung auf und streckt allen Parteien die Hand aus

 08.11.2026

Kuscheltiere und Puppen auf dem Rabin-Platz, eine Puppe ist mit einem Seil gefesselt

Ariel

Kinderkrippe des Grauens

Drei Betreuerinnen wird systematische Gewalt an Babys und Kleinkindern vorgeworfen. Die Polizei spricht von einem der schwerwiegendsten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre

von Sabine Brandes  08.11.2026

Krieg gegen den Iran

Die Mullahs schossen Raketen – Bat Yam schickt die Rechnung

Die israelische Stadt will Schadensersatz in Millionenhöhe von Teheran. Für die Zustellung der Klage musste der Bürgermeister einen iranischen Vertreter durch die Straßen von Manhattan verfolgen

von Sabine Brandes  08.11.2026

Israels Präsident Izchak Herzog

Nach der Parlamentswahl

Israels Präsident beauftragt Eisenkot mit Regierungsbildung

Dem Oppositionspolitiker Eisenkot fehlen 13 Mandate für eine eigene Regierungsmehrheit. Arabische oder ultraorthodoxe Parteien könnten ihm helfen. Doch beide Optionen bergen großes Konfliktpotenzial

 08.11.2026 Aktualisiert

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Nach den Wahlen

Streit um Regierungsbildung in Israel eskaliert

Israels amtierender Ministerpräsident Netanjahu fordert eine breite Koalition unter Einschluss der Rechtsextremisten. Oppositionspolitiker Eisenkot weist das Angebot umgehend als PR-Manöver zurück

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Jerusalem

Israels Präsident vergibt Auftrag zur Regierungsbildung

In Israel beginnt der Countdown zur Regierungsbildung. Präsident Herzog vergibt den Auftrag wahrscheinlich an den Oppositionspolitiker Eisenkot

 07.11.2026