Geiseln

Sein Zuhause ist verbrannt

Das Poster des Familienforums zeigt, wie Eli Sharabi vor dem 7. Oktober aussah Foto: Sabine Brandes

Geiseln

Sein Zuhause ist verbrannt

Eli Sharabi wurde am 7. Oktober von palästinensischen Terroristen aus dem Kibbuz entführt. Eine Erinnerung

von Sabine Brandes  20.12.2024 09:13 Uhr

Niemand geht hier mehr spazieren, keine Kinder spielen in den Gärten. Der Kibbuz Beʼeri ist eine der am härtesten vom Massaker der Hamas getroffenen Gemeinden. Die schlimmste Katastrophe in der Geschichte Israels hat hier überall ihre Spuren hinterlassen. Vor dem Haus der Sharabis zittern Plakate mit schwarzem Hintergrund im Wind: »In diesem Haus lebten Lianne, Noiya und Yahel …«

Die Mutter wurde mit ihren zwei Töchtern, 16 und 13 Jahre alt, von Terroristen ermordet, Vater und Ehemann Eli zusammen mit seinem Bruder Yossi entführt. Yossi wurde mittlerweile von der israelischen Armee für tot erklärt, er war bei einem Angriff der israelischen Armee gegen Terroristen ums Leben gekommen.

Am Morgen des 7. Oktober drangen Mitglieder der Hamas in das Familienhaus ein. »Sie schrien auf Arabisch und lachten laut«, berichteten Angehörige. Die Terroristen erschossen den Familienhund, nahmen die Familie dann in ihrem Sicherheitsraum als Geiseln gefangen und zündeten das Haus an.

Eli Sharabis gesamte Familie galt zunächst als vermisst, bis die Leichen von Lianne, Noiya und Yahel mehr als eine Woche später in den Überresten ihres Hauses identifiziert wurden. Später tauchten Videos auf, die zeigen, wie Eli gemeinsam mit anderen Einwohnern von Be’eri auf einem Pick-up-Truck nach Gaza verschleppt wurde.

Sharon Sharabi, der Bruder von Yossi und Eli, erinnert bei den Kundgebungen auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv ständig an seine Brüder. »Meine Aufgabe ist es, sie nach Hause zu bringen«, ruft er immer wieder. Er wendet sich dabei auch an die führenden Politiker der Welt: »Ihre Heuchelei wird nicht vergessen, und die Geschichte wird über Sie alle richten. Wir werden nicht schweigen. Das Vertrauen wird nur wiederhergestellt, wenn die Geiseln nach Hause zurückkehren.«
Die gesamte Gemeinde von Be’eri hofft, dass Eli noch lebt und aus Gaza zurückkehrt. Doch in welches Zuhause?

Mullahs

Iran droht, Israel werde nur noch »verbrannte Erde« sein

Revolutionsgarden sprechen offen über Vernichtung Israels, sollte dessen Energieinfrastruktur angegriffen werden.

von Sabine Brandes  19.10.2026

Susanne Stephan

Kommentar

Eines demokratischen Staates unwürdig

Israelische Behörden gehen immer rigoroser gegen Medienschaffende vor, die Kritik an der Regierung äußern. Diese Verbote schwächen am Ende die Demokratie und damit den jüdischen Staat als Ganzes

von Susanne Stephan  19.10.2026

Westjordanland

Zehn extremistische Siedler nach Gewaltexzess festgenommen

Präsident Isaac Herzog entschuldigt sich bei Opfern. Zugleich fordert eine Menschenrechtsorganisation eine Hotline für Notfälle im Westjordanland

von Sabine Brandes  19.10.2026

Westjordanland

Israels Armee räumt illegale Außenposten im Westjordanland

Als lasch kritisierte Gerichtsurteile gegen radikale Siedler helfen eher Wiederholungstätern als den Sicherheitskräften

 19.10.2026

Belfast

Barack Obama wirft Israel Landraub vor

Der jüdische Staat sei »zu weit gegangen«, sagt der frühere US-Präsident. Die Reaktion der Palästinenser auf die »jüdische Kontrolle über das Gebiet« sei deshalb aus ihrer Sicht nachvollziehbar gewesen

 19.10.2026

Israel

Trump stellt sich vor der Wahl hinter Netanjahu

Neun Tage vor der Parlamentswahl spricht der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten seine »volle und uneingeschränkte Unterstützung« aus. Netanjahu bedankt sich prompt

 18.10.2026

Israel

Führung und Verantwortung

Benjamin Netanjahus ehemaliger Militärsekretär erhebt Vorwürfe gegen den Premier

von Sabine Brandes  18.10.2026

Nahost

Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Maskierte Männer umstellen ein Diplomatenfahrzeug bei der Olivenernte im Westjordanland. Auch eine US-Fotografin wird verletzt

 18.10.2026

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026