Wissenschaft

Schluckimpfung gegen das Coronavirus?

Womöglich reicht künftig eine einzige Tablette, um sich gegen das Coronavirus zu schützen. Foto: imago images/Panthermedia

Das israelische Pharmaunternehmen Oramed ist bislang für seine Forschungen zu einer Insulinpille gegen Diabetes bekannt gewesen. Jetzt hat Oramed Fortschritte in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs zur oralen Einnahme angekündigt, den es in dieser Form noch nicht gibt und mit dem die Immunisierung der Weltbevölkerung deutlich beschleunigt werden könnte.

VORTEILE Noch stünden Praxisstudien aus, an Schweinen sei das neue Vakzin aber bereits erfolgreich getestet, sagte die wissenschaftliche Leiterin und Gründerin der Firma, Miriam Kidron, der »Times of Israel«. Die Tiere hätten nach Verabreichung des Mittels die gewünschten Antikörper produziert, darunter die Immunglobuline G und A.

»Dieser Schluckimpfstoff würde es uns ermöglichen, viel schneller und einfacher zu impfen. Stellen Sie sich vor, dass Sie nicht in eine Klinik gehen müssen. Die Pille könnte in Ihrem Briefkasten ankommen, und Sie können sie dann zu Hause einnehmen«, sagte sie dem Nachrichtenmagazin.

Ein weiterer Vorteil sei die einfache Lagerung des Mittels, das nicht gekühlt werden müsse. Zudem würden viele Menschen aus Angst vor der Spritze sich nicht impfen lassen. Sie hoffe, so Kidron, dass man schon bald mit den klinischen Studien des Präparats beginnen könne.

Der Dreifach-Antigen-Impfstoff soll auch gegen neu auftretende Mutationen des Coronavirus Schutz bieten.

Dabei handele es sich um eine oral zu verabreichende Version des neuen Covid-19-Impfstoffs, der vom indischen Unternehmen Premas Biotech entwickelt wurde und in Kürze ebenfalls zugelassen werden soll. Der Dreifach-Antigen-Impfstoff soll auch gegen neu auftretende Mutationen des Coronavirus Schutz bieten.

KOOPERATION Oramed und Premas hoffen, das Produkt gemeinsam unter dem Markennamen Oravax auf den Markt zu bringen und haben zu diesem Zweck ein gemeinsames neues Unternehmen, Oravax Medical, gegründet. Klinische Studien an Menschen will Oravax noch im Frühjahr durchführen.

Falls die Tests erfolgreich verlaufen und das Vakzin die Zulassung erhalte, könne es noch in diesem Jahr auf den Markt gebracht werden, zeigte sich Miriam Kidron optimistisch. Die Firmengründerin ist eine Großnichte des ersten aschkenasischen Oberrabbiners von Palästina, Abraham Isaak Kook (1865-1935).

Ihr Sohn Nadav, der das 2006 gemeinsam mit seiner Mutter gegründete und in Jerusalem ansässige Unternehmen leitet, betonte, Oravax könnte sich als »Game-Changer« in der Eindämmung der Corona-Pandemie erweisen – besonders dann, wenn wegen neuer Virusmutanten die regelmäßige Auffrischung der Impfung notwendig werden sollte.

Miriam Kidron hat die patentierte PAD-Technologie (»Protein Oral Delivery«), die hinter dem oralen Verabreichungsmechanismus des Impfstoffs steht, am Hadassah Medical Center in Jerusalem entwickelt. Seit einigen Jahren arbeitet Oramed an verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Das Unternehmen der Kidrons ist an der New Yorker Börse NASDAQ gelistet. mth

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