Israel

Schin Bet warnt vor »unmittelbarer Gefahr«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Verteidigungsminister Yoav Galant an einem Armeestützpunkt Foto: copyright (c) Flash90 2023

Sie warnen vor einer »unmittelbaren Gefahr für die Sicherheit Israels«: 800 einstige Agenten des israelischen Inlandgeheimdienstes Schin Bet fordern die Regierung in Jerusalem auf, die Justizreform endlich zu stoppen.

Das offene Schreiben mit dem Titel »Schin-Bet-Veteranen für die Verteidigung der Demokratie« ist an Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant, beide Likud, gerichtet.  

TERRORISMUS Die Agenten verwiesen auf die Pläne der Regierungskoalition, die Befugnisse für die Überprüfung der Gerichte einzuschränken, und betonten die Bedeutung einer unabhängigen Justiz – auch bei der Terrorismusbekämpfung.

»Dies wird der internationalen Anerkennung der Unabhängigkeit des Justizsystems in Israel erheblichen Schaden zufügen«, steht in dem Brief. »Es wird eine große und unmittelbare Gefahr für die Mitarbeiter und Manager der Agentur sowie für IDF-Soldaten und Kommandeure darstellen.« Die Gruppe warnt, dass die Mitglieder der israelischen Streitkräfte »Ermittlungen ausgesetzt sein und vor internationalen Tribunalen vor Gericht gestellt werden könnten«.

»Wir fordern Sie auf, etwas zu tun, um die Spaltung der Nation sofort zu schließen und den Justizputsch zu stoppen.«

Ex Vize-Chef Eliteeinheit 8200

Die Gruppe bezieht sich auf das Gesetz im Rahmen der sogenannten »Justizreform«, das jetzt im Eiltempo verabschiedet werden soll. Dabei soll dem Obersten Gerichtshof die Befugnis genommen werden, Entscheidungen der Regierung als »unangemessen« zu bewerten.

Der »Schutz des Obersten Gerichtshofes wird sofort aufgehoben, wenn das Gesetz verabschiedet wird«, heißt es in dem Schreiben der Schin-Bet-Agenten weiter. An Netanjahu und Gallant gerichtet schreiben sie: »Wir fordern Sie auf, etwas zu tun, um die Spaltung der Nation sofort zu schließen und den Justizputsch zu stoppen«.

GESETZENTWURF Am selben Tag kündigte der ehemalige Vize-Chef der bedeutenden Eliteeinheit 8200 des Militärgeheimdienstes mit, dass er sich nicht länger freiwillig für den Reservedienst melden werde. Der Offizier, der nicht namentlich genannt werden darf, erklärte, er spreche sich gegen den Gesetzentwurf aus.

»Dies ist der erste Schritt zu einem Justizputsch, der Israel in eine Diktatur führen wird«, wird er in israelischen Medien zitiert. »Ich liebe den Staat Israel und bin überzeugt, dass jetzt die Zeit ist, für ihn und seinen demokratischen und liberalen Charakter zu kämpfen. Deshalb bin ich gezwungen, diesen Schritt zu gehen - von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn tun müsste.«

Verhandlungen

Eltern der letzten Geisel fordern Ultimatum an Hamas

Die Angehörigen fürchten, dass Ran Gvili, der getötete israelische Polizist, in Phase zwei »in Gaza zurückgelassen« wird

von Sabine Brandes  18.01.2026

Trauer

»Verzeih, dass ich dich in eine grausame Welt brachte«

Kfir Bibas, das rothaarige Baby, das von palästinensischen Terroristen entführt und in Gaza ermordet wurde, wäre am Sonntag drei Jahre alt geworden

von Sabine Brandes  18.01.2026

Geiseln

»Die Liebe hat gesiegt«

Die Israelis wählen »Habaita« zum Wort des Jahres. Es enthält ein Versprechen: zurück »nach Hause«. Dort geht für die Entführten das Leben weiter. Zwei Paare, die der Terror trennte, haben sich nun verlobt

von Sabine Brandes  18.01.2026

Nahost

Israel verärgert wegen personeller Besetzung von Gaza-Gremium

Ranghoher US-Beamter reagiert auf Kritik Netanjahus: »Das ist unsere Show, nicht seine Show.«

 18.01.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Rachel Goldberg-Polin veröffentlicht Memoiren

Die Mutter der getöteten Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin: »Ich setzte mich hin, um meinen Schmerz aufzuschreiben, und heraus strömten Verlust, Leid, Liebe, Trauer, Hingabe, Kummer, Verehrung und Zerrissenheit«

 16.01.2026

Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommen

Netanjahu bezeichnet Phase 2 als »symbolisch«

Die USA starten den nächsten Schritt in Gaza, obwohl die Hamas die Waffen nicht niedergelegt und die letzte Geisel noch nicht überführt hat

von Sabine Brandes  15.01.2026

Iran

Israelische Experten rechnen mit Fortsetzung der Proteste

Das Mullah-Regime kann die Demonstrationen mit brutaler Gewalt bekämpfen, sei aber außerstande, die tiefergehenden Ursachen der Proteste zu beheben

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Naturgewalt

Erdbeben der Stärke 4,2 in Israel

Erstmals wurde das Warnsystem großflächig ausgelöst. Die Erschütterungen waren bis ins Zentrum spürbar

von Sabine Brandes  15.01.2026