Tradition

Schawuot bei Schwartzman

Mit Fortschritt und Technik hat er überhaupt nichts im Sinn. Obwohl Ziv Schwartzman den Zeitgeist bedient. Der Mann aus dem Moschaw Bat Schlomo im Norden Israels bietet in der ältesten Käserei des Landes hervorragende Milchprodukte an, die reißenden Absatz finden. Er produziert heute noch auf die gleiche Weise wie seine Vorfahren vor mehr als 100 Jahren.

In den Tagen vor Schawuot stehen die Kunden in der Käserei Schwartzman Schlange. Ob der Ziegenkäse Tomme de Chèvre, Manchego, der typisch israelische Zfatit oder die Joghurtspeise Labane – die Israelis wissen, dass sie hier herausragende Qualität bekommen. »Weil wir besondere Zutaten verwenden«, erklärt der Eigentümer. »Ausschließlich beste Milch von unseren Ziegen und Kühen, die per Hand gemolken werden, sowie jede Menge Liebe.« Mehr als 50 Sorten sind im Angebot, ein Mix aus klassischen und ausgefallenen Sorten wie Brie mit schwarzen Senfkörnern, Käse in weißer Bierkruste oder mit Merlot-Wein.

Trend Käse ist die perfekte Zutat für ein Festmahl zu Schawuot. Denn am Wochenfest feiern die Juden den Erhalt der Tora auf dem Berg Sinai und gleichzeitig die neue Ernte. Traditionell liest man bis in die Nacht aus dem Heiligen Buch und lässt sich dazu Milchprodukte aller Art schmecken.

Guter Käse kommt in Israel aber nicht nur feiertags auf den Tisch. Wie die Boutique-Weinkellereien liegen jetzt auch hochwertige Käsesorten im Trend. Am liebsten handgemacht und in Bio-Qualität. Immer mehr kleine private Käsereien eröffnen in abgelegenen Gegenden, wo die Ziegen und Kühe in unberührter Natur weiden können. Viele davon in den jüdäischen Bergen vor Jerusalem, der Negevwüste und Galiläa. An den Wochenenden kommen die Feinschmecker in Scharen.

Schwartzman wundert das nicht. »Gut gemachter Käse ist einfach das Beste, was es gibt«, meint er und schiebt sich ein Stück in den Mund. Doch es gibt hier nicht nur Genuss für den Gaumen. Wer vorbeischaut, erhält gleichzeitig eine Einführung in die Familiengeschichte, bildlich dargestellt in einem kleinen Museum, das gleichzeitig als Verkaufsraum dient. Die Aussteuer der Urgroßmutter, alte Küchenutensilien, Fotos und Karten aus der Zeit des Osmanischen Reichs und des britischen Mandats bilden zusammen mit den duftenden Käsesorten, Regalen voller Oliven, Limonaden und Saucen den passenden Rahmen für die älteste Käserei des Landes.

Liebe Der Besitzer liebt es, seine Gäste mit Anekdoten zu unterhalten. Gern gibt er die »Familienlegende« zum Besten: Sitzt man an einem bestimmten Tisch im Museum direkt unter dem Hochzeitsfoto seiner Vorfahren und lässt sich den Hauskäse schmecken, werde man in Kürze heiraten – »sogar die Unwilligsten«. Belegt sei das zwar nicht, doch Schwarzman ist überzeugt, dass seine Ahnen über die Macht der Liebe verfügen. Erzählt es und lacht schallend.

Der Moschaw Bat Schlomo liegt auf einem Hügel, der ein malerisches grünes Tal überblickt. Pioniere aus Osteuropa gründeten die Siedlung 1889 mithilfe des Philanthropen Baron de Rothschild. Schwartzmans Urgroßeltern Schimon und Fruma erreichten das Gelobte Land mit der ersten Alija aus Rumänien. 14 Steinhäuser, sieben auf jeder Seite, bilden die einzige Straße. Einst spazierte hier der legendäre Baron persönlich entlang, um die Farmer zu besuchen, die unter seinem Schutz standen. Dank der Initiative der Schwartzman-Familie ist Bat Schlomo heute nationales Kulturerbe.

Dass er auch im 21. Jahrhundert noch produziert wie seine Ahnen, ist für Schwartzman selbstverständlich. »Diese Qualität kann keine maschinelle Produktion hervorbringen. Bei den importierten Käsesorten sind oft bis zu 30 Prozent Pflanzenfett beigemischt. Das ist nicht nur wenig schmackhaft, Transfette sind zudem sehr ungesund.« Für ihn kommt daher ausschließlich die Milch seiner Tiere in die Produkte. »Die immer wiederkehrenden Stammkunden sind für uns der beste Beweis für die Qualität.«

Geheimnis Mohammed Assaf bestätigt das. Seit 13 Jahren arbeitet er für die Schwartzmans, macht den Käse, bedient, verkauft und pflegt das Anwesen. »Es ist ein besonderer Job«, sagt der Mann aus der nahegelegenen arabischen Gemeinde Faradis und gibt ein Geheimnis preis: »Bevor ich hier angefangen habe, habe ich weder Milch noch Käse angerührt. Jetzt bin ich Fan.«

Die Atmosphäre bei Schwartzmans ist noch heute genau wie vor 120 Jahren. Im Innenhof scheint die Zeit stillzustehen. Hühner laufen frei herum und legen ihre Eier, wohin es ihnen gerade gefällt, alte Farmgeräte lehnen an den Bäumen, in der Ferne hört man die Ziegen meckern. Aufgetischt wird an rustikalen Tischen unter schattigem Grün. Zur Käseplatte gibt es große Pitafladen mit dem nahöstlichen Gewürz Satar, Oliven und selbst gemachte Saucen. Als Dessert wird ein Malabi aus Ziegenmilch mit Dattelsirup gereicht. Schwartzman ist stolz auf seine Produkte: »Keine Frage: So muss das perfekte Mahl zu Schawuot aussehen.«

Israelische Zeitungen

Wahlergebnisse

»Sieg der Extreme«

Nach dem AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern wächst in Israel die Aufmerksamkeit für Deutschlands politische Verschiebung

von Sabine Brandes  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Reaktionen

Besorgnis in Israel nach Berlin-Wahl

Der Wahlsieg der Linken sorgt vor allem mit Blick auf Antisemitismus und das jüdische Leben in der deutschen Hauptstadt für Aufmerksamkeit in israelischen Medien

von Sabine Brandes  22.09.2026

Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

Eine friedliche Koexistenz ist für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar

 22.09.2026

Alei Zahav

Terroranschlag im Westjordanland: Vater rettet seinem Sohn das Leben und stirbt

»Papa, ich möchte dir für 16 gemeinsame Jahre danken. Danke, dass du mir zugerufen hast, als der Terrorist kam«, sagte der 16-Jährige Yoav bei der Beerdigung seines Vaters

 22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Jerusalem

Ein toter Israeli bei Terroranschlag im Westjordanland

Kurz vor Beginn von Jom Kippur kommt es zu zwei Terroranschlägen im von Israel besetzten Westjordanland. Ein israelischer Zivilist und einer der angreifenden Palästinenser werden getötet

 20.09.2026

Jerusalem

Präsident Herzog begnadigt verurteilten Ex-Soldaten Elor Asaria

Israels Präsident lässt einen Strafregistereintrag des ehemaligen Soldaten löschen, der 2016 einen am Boden liegenden, palästinensischen Attentäter tötete. Die israelische Armee war laut Berichten dagegen

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026