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Robuste Start-up-Nation

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Robuste Start-up-Nation

2023 war für Israels Hightech-Szene kein einfaches Jahr. Dennoch blickt die Branche optimistisch in die Zukunft. Dafür gibt es gute Gründe

von Ralf Balke  07.02.2024 15:45 Uhr

Zwölf Monate Ausnahmezustand – auf diese Formel ließe sich das Jahr 2023 für Israels Start-up-Szene bringen. Erst ging man auf die Straße, um gegen den geplanten Umbau des Justizwesens zu demonstrieren. Viele Gründer machten sich Sorgen um die politische Zukunft und damit auch um den Standort Israel, was sich in den Zahlen widerspiegelte: Laut »Israel Innovation Authority« hatten bis Anfang 2023 noch 80 Prozent aller neu gegründeten Start-ups ihren Geschäftssitz im Land selbst angemeldet – doch wenige Monate später hatten 50 bis 80 Prozent einen ihrer Meinung nach sichereren Ort außerhalb Israels dafür auserkoren.

Manche der etablierten Unternehmen wie das Fintech »Papaya Global« gaben bekannt, aus Protest gegen die Pläne der Regierung Israel sogar den Rücken zuzukehren. All das geschah in einem ohnehin schwierigen Umfeld. Denn bereits Ende 2022 hatten israelische Start-ups zunehmend Probleme mit der Kapitalbeschaffung. »Dunkle Wolken über Israels Hightech-Branche«, vermeldete deshalb im Sommer »Germany Trade and Invest«, die deutsche Außenwirtschaftsagentur.

Durchs Krisenjahr 2023 half die typisch israelische Flexibilität.

Dann kam der Krieg im Gazastreifen, und viele Fachkräfte mussten die Uniform anziehen. Dennoch lässt sich eine bemerkenswerte Resilienz beobachten, heißt es im dieser Tage veröffentlichten Jahresbericht des Branchendienstes »Start­up Nation Central«. »Trotz allem haben israelische Technologieunternehmen ihr Geschäft kontinuierlich aufrechterhalten und bei der Bewältigung von Problemen die für sie typische Flexibilität und Kreativität an den Tag gelegt«, bringt es Avi Chasson, Geschäftsführer von Startup Nation Central, im Vorwort zu dem Bericht auf den Punkt. »Schon immer hat Israels mutige und entschlossene Haltung gegenüber technologischen Innovationen das Ökosystem nicht nur in die Lage versetzt, Herausforderungen zu meistern, sondern auch daran zu wachsen.«

Diese im internationalen Vergleich einzigartige Mentalität sichert Chasson zufolge die Zukunftsfähigkeit der Branche – das hätten ebenfalls die Monate nach dem 7. Oktober gezeigt. »Zusätzlich zum Tagesgeschäft haben viele Unternehmen Kompetenzen entwickelt, um auf die aktuellen Bedürfnisse zu reagieren – beispielsweise das Erfassen von Informationen über die Geiseln im Gazastreifen, die Abwehr von Cyberangriffen oder die Entwicklung von Softwarelösungen zur besseren Verwaltung des Gesundheitssystems.«

Rund 50 Prozent weniger Investitionen als im Vorjahr

Der Bericht nennt zahlreiche Zahlen, die Grund für Sorge sein könnten – zumindest auf den ersten Blick. Denn im gesamten Jahr 2023 flossen lediglich knapp zehn Milliarden Dollar an Investitionen in israelische Start-ups. Das sind rund 50 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Und im Rekordjahr 2021 waren es sogar noch 30,7 Milliarden Dollar. Auch im Bereich Unternehmensübernahmen gab es einen deutlichen Abschwung, und zwar um 25 Prozent.

Doch über einen längeren Zeitraum betrachtet, sind die Zahlen für 2023 eher normal als wirklich problematisch. Sie entsprechen ziemlich genau dem Volumen der Investitionen von 2019, und das war für die Start-up-Szene alles andere als ein schlechtes Jahr. »Angesichts der generellen wirtschaftlichen Unsicherheiten hat sich das Niveau der Investitionen in das Ökosystem als bemerkenswert stabil erwiesen, vor allem, wenn man diese Daten im Vergleich mit denen aus den Vereinigten Staaten aus den Jahren 2018 bis 2023 betrachtet«, ergänzt Yariv Lotan, bei Startup Nation Central zuständig für digitale Produkte und Entwicklung.

Der Branchendienst blickt nicht nur deshalb verhalten optimistisch in die Zukunft. Denn seinen Umfragen zufolge planen für 2024 immerhin 88 Prozent der in Israel aktiven internationalen Unternehmen, ihre Präsenz entweder aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Vor allem in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Verteidigungstechnologie wird es verstärkt Aktivitäten geben, so die Prognose, nicht zuletzt durch die jetzt im Krieg gemachten Erfahrungen.

Viele Innovationszentren im Norden sind derzeit verwaist.

»Viele Soldaten kehren nicht nur mit neuen Ideen zurück, wie man die Leistungsfähigkeit einer Software, Verteidigungs- oder Cybersicherheitslösung steigern kann, sondern auch mit Konzepten, wie ein Unternehmen in Zeiten von Unsicherheiten oder wirtschaftlichen Turbulenzen besser funktionieren kann«, so das Fazit von Mor Assia, Mitgeschäftsführerin der Investmentfirma »iAngels«. »Im Hinblick auf das Jahr 2024 bin ich zuversichtlich, dass wir einen neuen Innovationszyklus erleben werden, der für Investoren attraktiv ist.«

Nur mit der Politik hapert es. »Die Regierung ist immer noch nicht an Bord«, beklagte Chasson in einem Kommentar in der Wirtschaftszeitung »Globes«. »Sie muss nicht nur reden, sondern auch die nötigen Mittel bereitstellen, um dem Sektor zu helfen, vor allem in der Peripherie.«

Denn wer in einem Gründungs- und Innovationszentren in Kiryat Shmona, Tel Chai oder sonst wo im Norden an einer Geschäfts­idee oder neuen Technologie feilt, hat massive Probleme. Nicht wenige davon sind derzeit aufgrund der Sicherheitslage und Evakuierungen weitestgehend verwaist.

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