27. Januar

Rivlin ruft zu weltweitem Kampf gegen Antisemitismus auf

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin hat am Holocaust-Gedenktag zum weltweiten Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. »Genau wie im Kampf gegen das Coronavirus müssen alle Länder gemeinsam das Virus des Antisemitismus und des radikalen Hasses bekämpfen«, sagte Rivlin am Mittwoch bei einer Online-Veranstaltung der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

HOLOCAUST-LEUGNUNG Man müsse dabei »alle Instrumente einsetzen, die uns zur Verfügung stehen – wie Forschung, Bildung und Strafverfolgung«, sagte Rivlin. Antisemitismus und Holocaust-Leugung verbreiteten sich leider immer weiter. Die Corona-Krise wecke neue antisemitische Verschwörungstheorien, es gebe Attacken auf Synagogen und jüdische Einrichtungen.

Auch der israelische Außenminister Gabi Ashkenazi nahm am virtuellen Gedenken teil. Als Sohn von Schoa-Überlebenden sei er mit den oft nur schwer zu ertragenden Schilderungen seines Vaters aufgewachsen. »Das war seine Realität und die vieler Millionen anderer Menschen«, sagte Ashkenazi. Man müsse sicherstellen, dass diese Aussagen gehört werden und sie der jüngeren Generation vermittelt werden. »Antisemitismus, Rassismus und Vorurteile erstarken wieder«, betonte der Politiker. Mancherorts hätten beispielsweise Studenten Angst, sich auf dem Campus als Juden zu erkennen zu geben. Die Botschaft müsse daher sein, effektive Schritte zu unternehmen, um dem entgegenzutreten. Ashkenazi erinnerte an seinen Besuch am Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin, von dem eine Botschaft der Einheit ausging.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen sprach der neue amerikanische Außenminister, Antony Blinken, beim Gedenken zum 27. Januar. »Denn der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts sei sehr bedeutend.« Besonders auch für ihn persönlich, da sein Stiefvater, der Jurist Samuel Pisar, Schoa-Überlebender war. »Er war noch ein kleiner Junge, als mein Stiefvater seine gesamte Familie durch die Nazis verlor«, sagte Blinken. Das Leben seines Stiefvaters habe ihn nachhaltig sehr geprägt. Böses in einem unermesslichen Ausmaß könne überall auf der Welt passieren, man habe aber eine Verantwortung, es zu unterbinden. Als Außenminister trage er die Erinnerung an seinen Stiefvater, dessen Familie, der sechs Millionen Juden und Millionen anderer Menschen mit sich.

Ausstellung Zum internationalen Gedenktag hat auch Yad Vashem eine spezielle Internetseite eingerichtet, mit Online-Ausstellungen, Bildungsquellen und einer virtuellen »Gedenkmauer«. Außerdem bietet die Gedenkstätte erstmals eine virtuelle Tour durch die Dauerausstellung »Schoah« im früheren deutschen Konzentrationslager Auschwitz an.

Die deutschen Nationalsozialisten und ihre Helfer hatten während des Zweiten Weltkrieges rund sechs Millionen Juden ermordet. Seit 1951 erinnert Israel am Holocaust-Gedenktag an die Opfer. Die Vereinten Nationen legten erst 2005 den Internationalen Holocaust-Gedenktag auf den 27. Januar fest. An diesem Tag 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz.

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  03.05.2026

Essay

Beim Brandbeschleuniger Israelhass darf der Gesetzgeber nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Israel

Heimkehr nach Nir Oz

Zwischen ausgebrannten Häusern und neuen Plänen versucht ein kleiner Kibbuz nach dem Massaker der Hamas wieder in den Alltag zu finden. Ein Ortsbesuch

von Nils Kottmann  01.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Mittelmeer

Israel stoppt Gaza-Flottille auf hoher See

Die 175 Aktivisten an Bord der »Gaza Sumad Flotilla« wurden festgenommen und werden nun nach Israel gebracht

 30.04.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Washington D.C.

US-Regierung wirft PA fortgesetzte Zahlungen von Terror-Renten vor

Im vergangenen Jahr hat die Autonomiebehörde nach amerikanischen Angaben 156 Millionen Dollar (134 Millionen Euro) an Terroristen ausgezahlt

 30.04.2026