Corona-Krise

Rettung für EL AL?

Hebt so bald nicht wieder ab: Maschine von EL AL Foto: Verwendung weltweit

Am 3. Juli kam die Nachricht: EL AL stellt den Betrieb ein. Obwohl während der Corona-Krise erwartet, schockierte das die Nation. Denn der blaue Davidstern auf weißem Grund am Heck

steht in Israel für mehr als nur eine Fluggesellschaft, die von A nach B fliegt. EL AL ist eines der nationalen Symbole des jüdischen Staates. Durch die Pandemie steckt das Unternehmen in großen Finanznöten, mittlerweile sind alle Maschinen auf unbestimmte Zeit am Boden, die gesamte Belegschaft wurde in den unbezahlten Urlaub geschickt.

Seit Wochen gibt es immer wieder neue und teilweise widersprüchliche Informationen um Regierungsdarlehen, Pilotenstreiks und jetzt über einen möglichen Aufkauf der größten Fluggesellschaft des Landes. Die Wirtschaftszeitung »Globes« berichtet, dass ein Investor EL AL erwerben möchte.

Der Interessent ist gerade einmal 30 Jahre alt und vor einigen Jahren aus den USA nach Israel immigriert. Sein Name: Eli Rozenberg. Sein Vater ist der amerikanische Geschäftsmann Kenny (Naftali) Rozenberg, Eigentümer einer Kette von Seniorenheimen.

BÖRSE Der jüngere Rozenberg trat nach Angaben von »Globes« an die Behörde für Regierungsunternehmen heran und teilte sein Interesse mit. Die Behörde wies ihn an, sich direkt mit EL AL in Verbindung zu setzen. Jetzt geht es offenbar darum, dass die Muttergesellschaft von EL AL, Knafaim, Rozenbergs Angebot zustimmt. Das allerdings hat sie noch nicht getan. Rozenberg will einen Mehrheitsanteil der an der Börse gehandelten Linie kaufen und damit zum Chef des angeschlagenen Unternehmens werden.

Währenddessen stimmte der Vorstand von EL AL dafür, den Rettungsplan des Staates zu akzeptieren. Der umfasst Kredite in Höhe von 250 Millionen Dollar, für die der Staat zum großen Teil bürgt. Außerdem muss das Unternehmen Einsparungen umsetzen und Aktien an der Tel Aviver Börse (TASE) ausgeben. Die Regierung würde sämtliche Aktien übernehmen, die nicht von der Öffentlichkeit gekauft werden. Dies könnte sich auf insgesamt 61 Prozent summieren, was eine Verstaatlichung der Linie bedeuten würde. EL AL war erst Anfang 2005 privatisiert worden.

Skeptiker fragen, was die wahren Absichten des Investors sind.

Rozenberg jedoch wolle EL AL ohne die Ausgabe der Aktien erwerben, heißt es in dem Bericht von »Globes«. Das jedoch würde den Kaufpreis stark in die Höhe treiben, was bereits Skeptiker auf den Plan rief. Was sind die wahren Intentionen des Investors, fragen sie. Quellen um Rozenberg jedoch werden zitiert, wonach er gänzlich aus »zionistischen und patriotischen Motiven« handele. Er sei sich bewusst, dass er auf diesem Weg der Firma und ihren Angestellten helfen könne, und wisse, dass er in der nächsten Zukunft keine Profite sehen werde.

PLÄNE Während der Gespräche über Kaufinteressen hinter den Kulissen gehen die Verhandlungen mit der Regierung weiter. Am Wochenbeginn hatte sich die Leitung von EL AL mit Vertretern des Finanzministeriums in Jerusalem getroffen. Anschließend schrieb Geschäftsführer Gonen Usishkin an die Mitarbeiter: »Es ist klar, dass der Staat sich verpflichtet fühlt, EL AL nur dann zu helfen, wenn wir Schritte unternehmen, uns selbst zu helfen. Das bedeutet, dass wir schrittweise ein Programm umsetzen, das wir dem Finanzministerium vorgelegt haben.« Dazu gehört die Verschlankung der Firma mit Entlassungen von rund einem Drittel der gesamten Belegschaft und Gehaltskürzungen für weitere.

Derweil befindet sich EL AL auch mitten in Verhandlungen mit drei der vier Angestelltenvereinigungen des Unternehmens. Dabei geht es um Verschlankungen, die Einsparungen von 120 Millionen Dollar jährlich bringen sollen. Mit der Pilotenvereinigung gibt es bislang keine Übereinkunft. EL AL beschäftigt rund 6500 Mitarbeiter. Avi Edri, der Vorsitzende der Transportarbeiter, die im Gewerkschaftsverband Histadrut organisiert sind, macht klar: »Ohne das Regierungsgeld geht EL AL bankrott. Wir haben leider keine Wahl, als die Leute zu entlassen.« Um weitere Kosten zu sparen, heißt es in weiteren Medienberichten, wolle EL AL Teile der Flotte von Boeing-737-Maschinen abstoßen und wenig lukrative Routen streichen.

SCHULDEN Seit der Schließung der israelischen Grenzen im März wegen des Corona-Ausbruchs sind die meisten Maschinen dauerhaft am Boden. Zwischenzeitlich hatte EL AL einige Cargoflüge übernommen, darunter in die Türkei, jedoch lediglich sporadisch. Im ersten Halbjahr verlor das Unternehmen durch den Zusammenbruch des internationalen Flugverkehrs 140 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen etwa 350 Millionen US-Dollar Schulden an Kundenrückzahlungen für Flüge, die gebucht waren, jedoch nicht stattfanden. Auch vor der Corona-Krise war EL AL bereits in finanziellen Schwierigkeiten.

Ohne Regierungsgelder und Entlassungen ist die Firma am Ende.

Die Fluggesellschaft mit dem weiß-blauen Schriftzug wurde wie der Staat selbst im Jahr 1948 geboren. Damals wie heute fliegt sie mit der Landesflagge auf jeder Maschine und repräsentiert Israel in der ganzen Welt. EL AL verfügt über 77 internationale Reisebüros. Die internationale Lufttransportgesellschaft IATA hatte EL AL zu einer der effektivsten Linien in der ganzen Welt gekürt.

Viele Israelis sehen »ihre Fluglinie« als nationalen Schatz an, der zu Israel gehört wie Milch und Honig. »Egal, wohin ich fliege, ich buche immer EL AL«, beteuert Baruch Levin aus Herzlija. »Hier weiß ich, dass mein Essen koscher ist, hier schaut mich niemand komisch an, wenn ich sage, dass ich mich sorge, ob wir es bis zum Beginn des Schabbats nach Hause schaffen. Hier spricht man einfach meine Sprache.«

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