Israel

Regierung billigt Untersuchung von Spionagesoftware-Einsatz

Der israelische Justizminister Jariv Levin Foto: Copyright (c) Flash 90 2023

Israels Regierung hat die Bildung einer Untersuchungskommission gebilligt, die einen mutmaßlichen Missbrauch der Überwachungssoftware Pegasus durch die Polizei prüfen soll. Die Minister stimmten bei einer Sitzung am Sonntag in Jerusalem für den Vorschlag, obwohl israelische Sicherheitsvertreter diesen kritisiert hatten. Laut dem Vorschlag des Justizministers Jariv Levin soll die Kommission unter anderem das Verhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen.

Die Zeitung Calcalist hatte im vergangenen Jahr berichtet, die israelische Polizei habe mit der Überwachungssoftware jahrelang ohne richterliche Beschlüsse Regierungskritiker, Geschäftsleute, Kommunalpolitiker und einen der Söhne von Regierungschef Benjamin Netanjahu abgehört. Die NSO Group hatte die Zeitung daraufhin verklagt. Eine vom Justizministerium angeordnete erste Untersuchung hatte viele der Vorwürfe gegen die Polizei entkräftet.

Mögliche Einflussnahme Die Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara hatte sich gegen die Einrichtung der neuen Untersuchungskommission ausgesprochen. Sie warnte vor einer möglichen Einflussnahme auf den laufenden Korruptionsprozess gegen Netanjahu. Justizminister Levin warf ihr nach Medienberichten vor, sie sei sich in der Frage selbst in einem Interessenkonflikt. Netanjahu verließ während der Abstimmung über die Einrichtung der Kommission wegen möglicher Befangenheit den Raum.

Levin gilt als treibende Kraft hinter dem umstrittenen Justizumbau in Israel. In der Frage ist er mit Baharav-Miara, einer scharfen Kritikerin des Vorhabens, immer wieder in Konflikt geraten.

Im Jahre 2021 hatte ein internationales Journalistenkonsortium berichtet, dass mit Pegasus auch Oppositionelle und Reporter ausgespäht worden seien. Auf Dutzenden Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, deren Familienangehörigen sowie Geschäftsleuten seien Spuren von Angriffen entdeckt worden. NSO entgegnete, Pegasus werde »ausschließlich an Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste von geprüften Regierungen verkauft, mit dem alleinigen Ziel, durch Verhinderung von Verbrechen und Terrorakten Menschenleben zu retten«. dpa

Kurznachrichten

Preise, Geisel, Beben

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  05.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Jerusalem

Netanjahu weist Entwaffnungsplan für Hamas in vorliegender Form zurück

Der israelische Ministerpräsident: »Wir werden unsere derzeitigen Linien nicht verlassen, bis die Hamas vollständig entwaffnet ist.«

 05.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 05.08.2026

Tel Aviv/Gaza

Israel verschärft Regeln für Angriffe in Gaza

Der Friedensrat fordert das Ende aller Kampfhandlungen. Berichten zufolge ist die Zahl der israelischen Angriffe gegen den Terror wegen einer neuen IDF-Auflage nun zurückgegangen

 05.08.2026

Jerusalem

Bericht enthüllt Verbindungen zwischen Palästina-Aktivisten und Terroristen

Das israelische Diaspora-Ministerium hat eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigen soll, wie israelfeindliche Aktivisten aus den USA die Nähe zu Terrororganisationen suchen

 04.08.2026

Rom

Weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom

Die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah halten an. Doch gleichzeitig gehen direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon weiter. Worum geht es dabei?

 04.08.2026

Gaza

Israel lehnt Abzug vor Entwaffnung der Hamas ab

Der vorgesehene israelische Truppenabzug und die Entwaffnung der Hamas sollen offenbar doch nicht parallel erfolgen. Das Board of Peace verändert die Bedingungen

 04.08.2026

Jerusalem

Herzog empfängt neuen deutschen Botschafter

Alexander Graf Lambsdorff hat die Nachfolge von Steffen Seibert als Botschafter in Israel offiziell angetreten. Jetzt war der neue Vertreter Deutschlands beim Präsidenten - dieser sprach dabei auch von »besonderen Beziehungen«

 04.08.2026