Sukkot

Regen auf die Laubhütte

Kinder in Jerusalem schleppen das S’chach für die Dächer der Laubhütten. Foto: Flash90

Man kann wieder einladen, mit Familie und Freunden gemeinsam in der Sukka sitzen. Deshalb geben sich viele Israelis in diesem Jahr besonders viel Mühe, ihre Laubhütte zu gestalten.

Schon kurz nach dem Jom-Kippur-Fastenbrechen packten die Leute Hammer und Nägel aus und begannen zu werkeln, Kinder bastelten Dekorationen. Ab Sonntag, den 9. Oktober, feiern die Israelis nun sieben Tage lang Sukkot in ihren Häusern und Synagogen.

Die Dächer der Buden werden mit Palmzweigen (S’chach) bedeckt, durch die man die Sterne leuchten sieht, wie die Vorfahren, als sie 40 Jahre lang durch die Wüste zogen. Auch die Arba Minim, die vier Sorten aus der Tora, dürfen in keiner Sukka fehlen.

SPASS Religiöse Israelis halten sich strikt daran, eine volle Woche lang alle Speisen in ihren Laubhütten einzunehmen und sogar darin zu schlafen. Doch selbst säkulare Israelis haben Spaß daran, ihre Sukkot bunt zu dekorieren und gemeinsam mit Familien und Freunden unter dem Blätterdach zu sitzen.

Charakteristisch für das Laubhüttenfest sind vier Arten von Pflanzen, die sogenannten Arba Minim. Sie bestehen aus einem noch geschlossenen Palmzweig (Lulaw), Weiden- (Arawa) und Myrtenzweigen (Haddasim). Dazu kommt die Zitrusfrucht Etrog. Die ersten drei Arten werden zu einem Bündel zusammengebunden und an jedem Tag der Festwoche in der Hütte geschüttelt, während ein Gebet gesprochen wird.

Für manch perfekten Etrog werden einige hundert Euro verlangt.

Viele Israelis kaufen die Arba Minim auf Märkten, die im ganzen Land kurz vor Sukkot eröffnet werden. Die Sträuße können von fünf bis 50 Euro kosten, für manch perfekten Etrog werden sogar einige hundert Euro verlangt. 

Früher habe es oft genau am ersten Abend des Laubhüttenfestes begonnen zu regnen. Ein Symbol, das der lange heiße Sommer nun wirklich zu Ende war. Vielleicht ist es aber nur eine Legende, die Eltern und Großeltern ihren Sprösslingen gern in der Sukka erzählen. Doch in diesem Jahr war es tatsächlich so. Am Sonntag zogen einige dicke Regenwolken durch das Land, die Schauer über die Sukkot prasseln ließen. In den nächsten Tagen sollen es jedoch trocken bleiben.

WACHSTUM Traditionell nutzen die Menschen die Sukkot-Ferien zu Ausflügen im Land. Präsident Isaac Herzog lädt die Bewohner in die Sukka im Garten seiner Residenz ein. Dort gibt es eine interaktive Show, eine Graffiti-Wand und Spiele. Die in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium organisierte Laubhütte wird das »israelische Wachstum« symbolisieren. Aktivitäten drehen sich um die Errungenschaften der israelischen Landwirtschaft, von ihren Anfängen bis hin zu futuristischen Innovationen.

Der Präsident und seine Frau Michal werden persönlich anwesend sein, um die Besucher zu begrüßen und ihnen »Sukkot Sameach« zu wünschen.

»Es gibt keine Worte, um ihren großen Verlust zu lindern.«

Premierminister Yair Lapid

Währenddessen bleibt die Alarmbereitschaft in Israel weiter hoch. Am Samstag war bei einem palästinensischen Terroranschlag die Soldatin Noa Lazar getötet worden. Die 18-Jährige aus Bat Hefer im Norden Israels sei Mitglied des Erez-Bataillons der Militärpolizei gewesen, so die IDF.

SCHUSSWECHSEL Lazar und ein ziviler Wachmann wurden getroffen, als ein Schütze am Samstagabend bei einem Schusswechsel an einem Kontrollpunkt in Ost-Jerusalem das Feuer eröffnete. Der Wachmann befindet sich in kritischem Zustand im Krankenhaus.

»Mit gebrochenem Herzen erhielt ich die Nachricht von Noas Tod«, erklärte Premierminister Yair Lapid anschließend. »In meinem Namen und im Namen der israelischen Regierung sende ich ihrer Familie und ihren Freunden mein Beileid. Es gibt keine Worte, um ihren großen Verlust zu lindern.«

Die israelische Regierung hat am Freitag beschlossen, das Westjordanland und den Gazastreifen für die ersten und letzten Tage von Sukkot zu schließen, aber nicht für die Zwischentage der Feiertage, wie es in den meisten Jahren der Fall ist – trotz zunehmender Spannungen im Palästinensergebiet.

Belgien

Außerhalb des Völkerrechts

Die belgische Regierung verweigert einer Staatsangehörigen die konsularische Betreuung, weil sie in einer von Brüssel nicht anerkannten israelischen Siedlung lebt

 09.01.2026

Westjordanland

Israelische Siedler attackieren Palästinenser bei Deir Scharaf

Die Randalierer schlugen unter anderem mit Knüppeln auf einen am Boden knieenden Mann ein

 09.01.2026

Interview

»Hoffnung nach der Katastrophe«

Ayman Fakhr al-Din über seine Tochter Alma, die 2024 von einer Rakete der Hisbollah auf den Golanhöhen getötet wurde

von Ayala Goldmann  09.01.2026

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Fußball

England als neue Chance? Daniel Peretz verlässt Hamburger SV

Nach der missglückten Leihe zum Hamburger SV geht es für Bayern-Torhüter Daniel Peretz in England weiter. Dort trifft er auf einen deutschen Trainer

 08.01.2026

Gesellschaft

»Habaita« – das Wort des Jahres in Israel

Ein simpler hebräischer Ausdruck aus drei Silben bezeichnet das Gefühl eines ganzen Landes

von Sabine Brandes  08.01.2026

Gesellschaft

Eine Milliarde für Schulen ohne Kernfächer

Der Oberste Gerichtshof in Israel kritisiert die Regierung scharf für den Transfer an ultraorthodoxe Schulen

von Sabine Brandes  08.01.2026

Nachrichten

Wetter, Katargate, Bevölkerung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  08.01.2026