Galei Zahal

Radiomacher in Uniform

Fast alle in olivgrün: Redaktionsmitarbeiter von Galei Zahal verfolgen wichtige und nicht ganz so wichtige Fernsehprogramme. Foto: JA

Mit der »Hatikwa« der israelischen Nationalhymne, ging am 24. September 1950, am morgigen Freitag vor genau 60 Jahren, Galei Zahal auf Sendung. Das von David Ben-Gurion initiierte zweite staatliche Radio nach »Kol Israel«, das bereits zwei Jahre zuvor seinen Betrieb aufgenommen hatte, sollte eine Art Info- und Grußkanal für Soldaten sein, sowie der Bildung der Neueinwanderer dienen.

Wortprogramm und Musik haben sich geändert, die Macher größtenteils gewechselt – aber die Popularität ist geblieben. »Keiner hat je geglaubt, dass wir noch nach 60 Jahren so erfolgreich sein werden«, sagt Tali Tenenbaum, Pressesprecherin von Galei Zahal. 40 Prozent der 18- bis 40-Jährigen Israelis hören den Sender.

Wer das Funkhaus im Tel Aviver Stadtteil Jaffa betritt, merkt sofort, dass die Mitarbeiter so jung sind wie die Hauptzielgruppe: Bereits im Eingangsbereich empfangen junge Soldaten den Besucher. Sie stellen die Mehrheit der Mitarbeiter des Senders und sind sein großes Potenzial. Alljährlich verjüngen gut zwei Dutzend Rekruten Israels einzigen Armeesender.

Mitarbeiter »Einiges hier sieht noch fast so aus wie vor 60 Jahren«, lacht Tenenbaum. Anders als viele ihrer Kollegen trägt sie keine Uniform. Sie arbeitet als Zivilistin, die ebenso zum Armeesender gehören wie Reporter in Armeegrün. »Wir sitzen nicht im Zentrum der Stadt, sind technisch nicht gerade auf dem neuesten Stand und schon lange wurde hier nicht renoviert«, erklärt sie mit Blick auf eine Wand, deren Farbe über die Jahre von Weiß zu Grau wurde. »Aber das hat seinen ganz eigenen Charme.«

In der Tat vermutet man mehr hinter dem größten und einflussreichsten israelischen Radiosender als eine technische Ausstattung, die vor 30 Jahren als modern galt. Das Budget für den Sender, das wesentlich geringer ist als beispielweise das seiner Konkurrenten, kommt hauptsächlich aus dem Verteidigungsministerium, doch auch die Werbung hielt über die Jahre Einzug bei Galei Zahal.

Viele Mitarbeiter, von den Redakteuren, Technikern bis hin zu Produzenten und Sprechern sind Soldaten, die ihren Armeedienst bei Galei Zahal ableisten. Die Nachfrage nach den wenigen freien Plätzen ist jedes Jahr groß, nur 30 Rekruten erhalten die Chance und tragen somit zur regelmäßigen Verjüngung des Senders bei. Sie müssen ein aufwendiges Bewerbungsverfahren überstehen und zählen anschließend zu den bestausgebildeten Journalisten mit exzellenten Jobaussichten. »Galei Zahal ist zu einer Art Kaderschmiede für die israelischen Medien geworden«, sagt Eldad Beck, Deutschland-Korrespondent der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth, der selbst beim Armeesender sein Handwerk lernte.

Junges team Während die Rekruten oft nach der dreijährigen Wehrzeit den Sender verlassen, bleiben die Zivilisten dem Sender im Schnitt 35 oder 40 Jahre erhalten. »Die beiden ältesten Mitarbeiter sind über 60 und eine Frau aus der Musikabteilung sogar über 80 Jahre alt«, erklärt Tenenbaum. Vor allem jetzt, wo man im Hinblick auf das Jubiläum begonnen habe, das Material des Senders aus 60 Jahren aufzubereiten, seien deren Erinnerungen an die ersten Tage und Jahre hilfreich. Leider hat man nicht alle Sendungen archiviert, nicht alle Sendepläne von einst für die Nachwelt erhalten.

Programm Eigentlich entspricht der Aufbau des Senders mit Musik-, Nachrichten- und Verkehrsredaktion jedem anderen in der Welt. Seit 1993 gibt es noch eine zweite Welle, den Sender Galgalatz (Radio auf Rädern), dessen Programm einzig aus Musik und Verkehrsinformationen besteht. Besonders ist jedoch die sogenannte Armeeredaktion. Wollen andere Sender aus der Armee heraus berichten, benötigen sie wie überall auf der Welt eine Sondergenehmigung der Armee. Bei Galei Zahal regelt man das sozusagen hausintern.

Wenngleich einem Sender, finanziert aus Verteidigungsmitteln der Geruch der Staatsnähe anhaftet, gilt Galei Zahal als eine der kritischsten Stimmen des Landes. Wie auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland, ist die Station unabhängig und staatlich finanziert zugleich. Dass vor allem im Ausland Vorurteile gegenüber einem Sender mit Reportern in Uniform bestehen, weiß Tenenbaum. »An vielen Stellen sind wir kritischer als andere«, sagt sie. Auch Dubi Lenz, seit über 30 Jahren in der Musikredaktion des Senders tätig, unterstreicht das. Seit vielen Jahren ist arabische Musik regelmäßiger Bestandteil seiner wöchentlichen Musiksendung. »Diese Musik«, so sagt er, »wird von anderen Sendern nicht gespielt«.

Informationen Natürlich ändere sich alle Normalität, wenn es zu einem Konflikt oder gar einem Krieg komme. Allerdings trifft das auf alle Medien in Israel zu. »Da unsere Hörer zu großen Teilen Soldaten oder Angehörige sind, berichten wir dann viel über die aktuellen Ereignisse. Aber auch sonst haben wir stündlich Nachrichten und das ändert sich im Kriegsfall nicht.« Allerdings so fügt sie an, kämen viele Live- und Talksendungen hinzu. »Dabei«, so unterstreicht die Sprecherin, »haben wir als Armeesender nicht mehr Informationen als andere Journalisten, oder können Informationen verschweigen.«

An vielen Stellen sei man ein Radiosender wie viele andere eben auch, fügt sie noch schnell hinzu ehe laute Bohrgeräusche den Satz beenden. So einiges soll scheinbar bis zum Jubiläum doch noch schnell auf Glanz gebracht werden. »Wir werden einen Tag lang zusammen mit Ehemaligen Programm machen und viele Musiker einladen«, sagt Tenenbaum. Auch eine große Party für die Mitarbeiter und alle Ehemaligen ist geplant. Was genau alles gesendet wird, wird sich wahrscheinlich erst am Tage selbst ergeben. Nur eines ist klar: Das Programm beginnt am Morgen mit der Hatikwa – wie vor 60 Jahren.

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