Tel Aviv

Pulsierend und provokativ: 25 Jahre Pride Parade

Tel Aviv feiert wieder einmal unter dem Regenbogen. Foto: Flash 90

Man sah und hörte sie schon von Weitem: die Feierlustigen der LGBTQ+-Gemeinde in ihren schillernden Perücken und glitzernden Kostümen, die sich auf den Wagen rhythmisch zu donnernden Beats bewegten. Die Pride Parade war auf der Strandpromenade in Tel Aviv im Anmarsch – und sogar mit einem besonderen Jubiläum. In diesem Jahr wird der Pride Month zum 25. Mal begangen.

Zehntausende kamen, um die Regenbogenfahnen zu schwenken und gehörig zu feiern. Mit dabei auch Bürgermeister Ron Huldai und die stellvertretende Bürgermeisterin Meital Lehavi. Die beiden fuhren zu Beginn der Parade auf dem Gay-Center-Truck der Gemeinde mit.

botschaft »Das Pride-Wochenende beginnt mit einer klaren Botschaft für alle: Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen, und wir alle verdienen es, ohne Angst zu lieben, wen wir wollen. Frohe Pride für alle und jeden. Viel Spaß!«, rief der erste Mann der Stadt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu.

Seit den frühen Morgenstunden hatte die Polizei Hunderte von Sicherheitskräften entlang der Strecke der Parade eingesetzt. Der Tel Aviver Polizeichef Ami Eshed erklärte vor Journalisten sein Ziel: »Wir wollen sicherstellen, dass jeder Besucher sicher – und mit einem Lächeln auf dem Gesicht – zurückkehrt.«

Yair Cohen lief Hand in Hand mit seinem Partner Meir neben den Wagen her und sang lauthals zu einem Lied, das in Endlosschleife zu laufen schien: »Provocativit«. Die neue Hymne der LGBTQ-Gemeinde? »Auf jeden Fall«, schrie Cohen atemlos und tanzend.

»Wenn dir jemand nicht passt – halt einfach deinen Mund!«

noa kirel in »provocativit«

Der neueste Song von Noa Kirel passt perfekt zum Pride Month. In »Provocativit« singt die israelische Hitsensation: »Wenn dir jemand nicht passt - halt einfach deinen Mund!«

OUTFIT Kirel, die bei der Eurovision abräumte und auf dem dritten Platz landete, lässt sich von niemandem etwas sagen. Auch nicht von ultraorthodoxen Politikern, die ihre knappen Outfits kritisierten. »Du checkst meinen Look? Sag, hast du sie nicht mehr alle?«, singt sie – und tanzt dazu in noch kürzeren Hotpants.

Yair Cohen findet die Botschaft wunderbar. »Noa, dieser Schatz, hat genau den richtigen Ton getroffen. Das sind die Worte, die wir brauchen.« Für die gleichen Rechte auf die Straße zu gehen, ist für den Angestellten aus Haifa »ein absolutes Muss«. Eigentlich in jedem Jahr, meint er. »Aber besonders in diesem, wo die israelische Demokratie in Gefahr ist. Denn ohne Demokratie gibt es auch keine Freiheiten für die LGBTQ-Gemeinde.«

RECHTE Hila Peer, die Vorsitzende der Dachorganisation der LGBTQ+-Gemeinde, weiß, dass die diesjährige Parade die »politischste seit Jahren« ist. »Denn wir protestieren heute nicht nur für die Rechte, die wir noch nicht haben, sondern auch für die, die uns vielleicht genommen werden könnten.«

Die Auftaktveranstaltung hatte am Donnerstag um 17 Uhr entlang der Strandpromenade begonnen, dem ursprünglichen Veranstaltungsort. 2022 war sie in den Hayarkon-Park verlegt worden, doch fand sie wegen der großen Nachfrage schließlich wieder in Strandnähe statt. Die Feierlichkeiten werden am Freitagmittag mit einer Party im Park Hayarkon fortgesetzt, wo eine riesige Bühne aufgebaut ist – für Tel Aviv die größte aller Zeiten.

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