Krise

Prozess gegen Jewish Agency wird beginnen

Premier Yair Lapid (l.) mit Präsident Isaac Herzog Foto: Flash90

Die israelische Delegation erhielt schließlich doch noch die Erlaubnis aus Russland, nach Moskau zu reisen. Die von Premierminister Yair Lapid entsandte Gruppe will mit dortigen Behörden im Streit über die von Moskau angedrohte Schließung der Jewish Agency vermitteln.  

Die Delegation umfasst Vertreter des Büros des Premierministers, des Außenministeriums, des Justizministeriums und des Einwanderungsministeriums, die versuchen wollen, Russland davon zu überzeugen, der Agentur zu erlauben, ihre Arbeit im Land fortzusetzen.

rückschlag Doch einen Tag nach der Abreise bereits gab es einen Rückschlag für Israel. Ein russisches Gericht entschied, das der gegen die Jewish Agency in Russland angestrengte Fall nicht abgewiesen wird. Der Richter ebnete damit den Weg für einen Prozess. Eine Woche zuvor hatte das russische Justizministerium eine Petition beim Bezirksgericht in Moskau eingereicht, um die Quasi-Regierungsbehörde schließen zu lassen. Die Jewish Agency hilft bei der jüdischen Einwanderung nach Israel.

»Manche Dinge bleiben besser ungesagt.«

Präsident isaac herzog

Die Anklage lautet auf Verletzung von Persönlichkeitsrechten, da die Agentur angeblich Bürgerinformationen von Menschen gesammelt habe, die an einer Ausreise nach Israel interessiert sind. Beamte in Jerusalem gehen davon aus, dass die Entscheidung, den Prozess fortzusetzen, tatsächlich von höheren Ebenen der russischen Regierung und nicht vom vorsitzenden Richter getroffen wurde.

DAMOKLESSCHWERT Die erste Anhörung im Prozess ist für den 19. August angesetzt. Damit werden die politischen Spannungen zwischen Israel und Russland wahrscheinlich vorerst anhalten. Zurzeit ist die Jewish Agency zwar weiter in dem osteuropäischen Land tätig, doch über allen Aktivitäten hängt das Damoklesschwert des Verbots.

Moskau sendet unterdessen gemischte Botschaften, wobei der Kreml den Streit als eine rein juristische Angelegenheit bezeichnete, während das Außenministerium Jerusalem vorwarf, »unkonstruktiv« und »voreingenommen« gegenüber Moskau zu sein.

AGGRESSION Zu Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine hatte sich Israel strikt neutral verhalten und eine Verurteilung Russlands vermieden. Grund dafür sind vor allem die Verstrickungen und Anliegen Moskaus in Syrien und anderen Gebieten des Nahen Ostens. Später jedoch bezog Jerusalem Stellung. Lapid hatte als Außenminister die russischen Gräueltaten in Butscha, einem Vorort von Kiew, als »Kriegsverbrechen« bezeichnet und Moskau verurteilt.  

Präsident Isaac Herzog, von 2018 bis 2021 selbst Vorsitzender der Jewish Agency, ließ am Donnerstag wissen, Israel versuche, sich in diesem Eklat bedeckt zu halten. Auf einer Konferenz sagte er, dass ihm »das Thema zwar am Herzen liegt«, er es jedoch für besser halte, die Öffentlichmachung auf ein Minimum zu beschränken: »Manche Dinge bleiben besser ungesagt.«

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Jerusalem

Israeli soll für Iran Anschlag auf Naftali Bennett geplant haben

Ein 22-jähriger Israeli soll für den iranischen Geheimdienst einen Anschlag auf Ex-Premier Naftali Bennett geplant und Sprengstoff hergestellt haben. Die Polizei ermittelt gegen mehrere Verdächtige

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Iran-Krieg

Israel vermeldet insgesamt 31 Kriegstote und 7500 Verletzte

Nach der Waffenruhe zieht Israel eine erste Bilanz des Krieges mit dem Iran – die IDF spricht von einer erfolgreichen Kampagne

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert

Iran-Krieg

Europa darf Israel nicht im Stich lassen

Während die USA und Israel der Bedrohung durch das Mullah-Regime gewaltsam begegneten, standen die Europäer an der Seitenlinie und übten Kritik. Die nun herrschende Feuerpause gibt ihnen Gelegenheit, ihre Haltung zu überdenken

von Rafael Seligmann  10.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026