Israel

Proteste gegen große Koalition

Proteste am Samstag vor dem Haus von Benny Gantz Foto: Flash 90

Nach Berichten über die geplante Bildung einer großen Koalition in Israel haben am Samstag Dutzende Menschen in der Nähe des Hauses von Ex-Militärchef Benny Gantz demonstriert.

Sie hätten gegen ein Bündnis des 60-Jährigen mit seinem Rivalen protestiert, dem rechtskonservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu, berichteten israelische Medien. Gantz‘ Mitte-Bündnis Blau-Weiß war am Donnerstag angesichts der neuen Entwicklung auseinandergebrochen. Nur die Partei von Gantz soll den Berichten zufolge in die künftige Regierung mit Netanjahus Likud eintreten.

Strassensperren Die »Times of Israel« berichtete, die Polizei habe am Samstag Straßensperren errichtet, um die Demonstranten von Gantz‘ Haus in der Ortschaft Rosch Haajin östlich von Tel Aviv fernzuhalten.

Diese hätten schwarze Flaggen geschwenkt und gerufen, Gantz habe kein Mandat, sich einer Regierung mit einem korrupten Ministerpräsidenten anzuschließen. Einige hätten sich demonstrativ auf die Straße gelegt. Die Demonstranten hatten vorher auch vor den Häusern anderer Mitglieder der Partei protestiert.

Israelis demonstrieren seit Wochen mit schwarzen Flaggen, um vor einer Gefährdung der Demokratie im Land zu warnen. Dabei sind sie meistens in Fahrzeugen unterwegs, um die Vorschriften einzuhalten, die eine Verbreitung des Coronavirus verhindern sollen.

Übergangsregierung Israel wird seit Ende 2018 von einer Übergangsregierung unter Netanjahu verwaltet. Am 2. März hatten die Bürger zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ein neues Parlament gewählt. Dabei gab es erneut keinen klaren Sieger, Gantz erhielt aber den Auftrag zur Regierungsbildung. Netanjahu rief unter Hinweis auf die Coronavirus-Krise mehrfach zur Bildung einer Notstandsregierung auf.

Gantz hatte bislang eine große Koalition mit der Likud-Partei mit Netanjahu an der Spitze abgelehnt, weil dieser wegen Korruption in drei Fällen angeklagt ist.

Am Donnerstag sagte Gantz jedoch bei einer Ansprache im Parlament, er werde sich mit aller Macht für die Bildung einer großen Koalition einsetzen. »Dies ist nicht die Zeit für Streit und Spaltung«, sagte er unter Hinweis auf die Corona-Krise. Kritiker werfen ihm nun vor, er habe sein zentrales Wahlkampfversprechen gebrochen.  dpa

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026