Deutschland

Politiker verurteilen Angriffe auf Synagogen

Foto: Uwe Steinert

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat Angriffe auf jüdische Synagogen und das Verbrennen von Israel-Flaggen in Deutschland scharf verurteilt. »Dieser antisemitische Hass ist eine Schande«, betonte die SPD-Politikerin am Mittwoch.

Während in Israel Menschen angesichts der Raketenangriffe Todesangst litten, zeigten diese Taten in Deutschland »nichts als schreckliche Menschenverachtung«. Synagogen und jüdische Einrichtungen müssten jetzt konsequent geschützt werden.

Flaggen Zuletzt waren vor Synagogen in Nordrhein-Westfalen israelische Flaggen angezündet worden. Außerdem wurde der Eingang einer Synagoge mit Steinen beschädigt. Der Staatsschutz ermittelt.

In Israel hat sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April zugespitzt. Inzwischen sind es die heftigsten Auseinandersetzungen seit mehreren Jahren. Nach Angaben des israelischen Militärs feuerten palästinensische Terroristen innerhalb eines Tages hunderte Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab.

Bombardement Am Dienstagabend wurden bei den bisher schwersten Raketenangriffen auf Israels Küstenmetropole Tel Aviv mindestens drei Menschen getötet. Israels Luftwaffe reagierte nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement des Gazastreifens seit dem Gaza-Krieg von 2014. Palästinensische Quellen sprachen von Dutzenden Toten in dem abgeschotteten Küstengebiet.

Lambrecht betonte: »Wir stehen fest an der Seite Israels.« Die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten müssten sofort beendet werden. »Israel hat das Recht sich zu verteidigen«, erklärte sie. Eine weitere Eskalation der Gewalt müsse unbedingt vermieden werden.

Gewalt Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die Angriffe auf jüdische Synagogen verurteilt. »Antisemitismus, Ausgrenzung und Diskriminierung haben in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen keinen Platz. Wir dulden weder antijüdische Polemik, wir dulden keine Gewalt, wir dulden keinen Antisemitismus - nicht auf unseren Straßen, nicht auf unseren Schulhöfen, nicht im Internet«, sagte der CDU-Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidat am Mittwoch in Düsseldorf.

»Wir haben den Schutz an allen herausragenden jüdischen Orten noch einmal erhöht.« Für alle anderen jüdischen Objekte werde auf Veranlassung von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) »eine aktuelle Beurteilung der Gefährdungslage durchgeführt«.

Laschet forderte ein sofortiges Ende der Gewalt im Nahen Osten. Die Hamas müsse ihre »abscheulichen Angriffe auf die Zivilbevölkerung« in Israel auf der Stelle stoppen. Deutschland stehe fest an der Seite Israels.

Gespräch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Menschen in Israel angesichts des andauernden Raketenbeschusses seine »uneingeschränkte Solidarität« ausgedrückt. Nichts rechtfertige die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf das Land, sagte er am Mittwoch bei einem Telefongespräch mit Israels Staatspräsidenten Reuven Rivlin nach Angaben des Bundespräsidialamts. Rivlin habe Steinmeier über die Angriffe und die zugespitzte Lage vor Ort informiert.

Steinmeier kondolierte Rivlin zum Tod israelischer Staatsbürger durch den massiven Raketenbeschuss. Er zeigte sich den Angaben zufolge tief besorgt über die Eskalation der Spannungen in Jerusalem und über die zunehmende Gewalt, die auf beiden Seiten unschuldige Opfer fordere. Steinmeier habe seiner dringenden Hoffnung Ausdruck gegeben, dass rasch Wege zur Deeskalation gefunden würden, erklärte eine Sprecherin.

Rechtstaat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die israelfeindlichen Vorfälle vor Synagogen in Nordrhein-Westfalen scharf verurteilt. »Wir werden nicht tolerieren, dass auf deutschem Boden israelische Flaggen brennen oder jüdische Einrichtungen angegriffen werden«, sagte er am Mittwoch nach Angaben seines Ministeriums. »Antisemitischen Hass werden wir mit allen Mitteln des Rechtsstaates bekämpfen.«

Jüdinnen und Juden müssten in Deutschland sicher leben können, betonte der Minister. »Das ist der Anspruch für uns alle, und dafür trete ich mit aller Vehemenz ein.« Die Sicherheitsbehörden müssten alles, was in ihrer Macht stehe, tun, um den Schutz jüdischer Einrichtungen zu gewährleisten. dpa

Wirtschaft

Israel hofft auf mehr Touristen

Kriege und Konflikte in der Region haben den Israel-Tourismus einbrechen lassen. Nun hofft das staatliche Tourismusbüro auf steigende Nachfrage. Es wertet aktuelle Zahlen als positiven Trend

 13.01.2026

Verkehr

Eine Stadt tritt auf die Bremse

Im Kampf gegen Staus führt Tel Aviv die 30er-Zone fast im gesamten Stadtgebiet ein

von Sabine Brandes  13.01.2026

Ehemalige Geiseln

»Es war ganz und gar unmenschlich«

David Cunio wusste zwei Jahre lang nicht, ob seine Brüder noch leben. In einem Interview erzählt er jetzt ausführlich über den Horror in Gaza

von Sabine Brandes  13.01.2026

Meinung

Die Hamas muss sich entscheiden: Deal or no deal?

Die Terrororganisation hält sich nicht an das Waffenstillstandsabkommen mit Israel und verzögert so dessen Umsetzung. Der Druck auf die Hamas muss nun unbedingt erhöht werden

von Sarah Cohen-Fantl  13.01.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel warnt: Die Hamas gibt nicht auf

»Sie sind regelrecht besessen von uns – das ist der Sinn ihres Lebens«, sagt Eitan Mor

 13.01.2026

Hintergrund

Hamas will angeblich Verwaltung in Gaza abgeben

Die Terrorgruppe signalisiert Bereitschaft zur Übergabe von zivilen Einrichtungen – doch weigert sich nach wie vor, die Waffen niederzulegen

von Sabine Brandes  12.01.2026

Beerscheba

Plünderer vom Nova-Festival zu Haftstrafen verurteilt

Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gab es viele Beispiele von Mut und Solidarität. Drei Männer dagegen plünderten am Schauplatz des Massakers. Nun gibt es ein Urteil

 12.01.2026

Kommentar

Wir müssen unsere Kinder schützen

In Israel wurde ein 14-jähriger Junge bei Protesten gegen die Wehrpflicht von einem Bus erfasst und getötet. Hier reflektiert ein orthodoxer Rabbiner aus Jerusalem, was sich ändern muss

von Rabbiner Raphael Evers  12.01.2026

Nahost

Rubio telefonierte mit Netanjahu über mögliche US-Intervention

Vor dem Hintergrund der Proteste wächst in Israel die Sorge vor einer regionalen Eskalation

von Sabine Brandes  12.01.2026