Vereinte Nationen

Oslo aufgekündigt

Mahmud Abbas während seiner Rede vor den Vereinten Nationen (Oktober 2018) Foto: Flash 90

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas will das Abkommen von Oslo nicht mehr einhalten. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen am Mittwoch erklärte er, dass Israel Besatzernation sei und dafür jetzt die volle Verantwortung übernehmen müsse. »Unsere Geduld ist am Ende«, sagte er. Der israelische Premier sagte nach der Ansprache, dass die Worte von Abbas hinterlistig seien.

»Solange Israel sich weigert, die Vereinbarungen, die es mit uns unterzeichnet hat, einzuhalten – Stopp des Siedlungsbaus und Freilassung von Gefangenen –, lässt es uns keine Wahl. Wir werden nicht die Einzigen sein, die dem Abkommen verpflichtet sind«, so Abbas.

implosion Auch warnte er davor, dass der politische Konflikt sich in einen religiösen wandeln könne, denn »israelische extremistische Gruppen besuchen unter dem Schutz der Sicherheitskräfte den Tempelberg und wollen eine neue Realität schaffen«. Er beschuldigte die »Besatzungsmächte«, die religiösen Rechte der Muslime in der und um die Al-Aksa-Moschee einzuschränken. »So eine Politik kann zu einer Implosion in der Region führen.«

Er gab sich weiter pessimistisch und meinte, dass es keinen Sinn habe, Zeit mit Verhandlungen zu verschwenden, nur um des Verhandelns willen. Stattdessen sollte man internationale Schritte einleiten, um ein Ende der Besatzung auf den Weg zu bringen. Abbas forderte von den Vereinten Nationen, Schutz für das palästinensische Volk in Übereinstimmung mit internationalem Menschenrecht zu gewährleisten. Im Gegensatz zu den Israelis seien die Palästinenser friedensliebende Menschen, wollte er glauben machen und forderte die Anerkennung eines eigenen Staates.

kritik Am Ende seiner Rede indes betonte der Palästinenserpräsident, dass er nach wie vor seine Hand im Zeichen des Friedens ausgestreckt lasse. Die Rede zog dennoch heftige Kritik von israelischen Politikern nach sich. Avigdor Lieberman (Israel Beiteinu) meinte, es seien nichts als leere Drohungen. Auch Oppositionsführer Isaac Herzog ist der Auffassung, dass die Rede nur den Extremisten auf beiden Seiten diene. »Israelis und Palästinenser verdienen ein normales Leben. Doch ihre beiden Anführer haben Angst, Entscheidungen zu treffen. Stattdessen maßregeln sie sich gegenseitig und lassen die Völker in eine ungewisse Zukunft laufen.«

Netanjahu, der am Donnerstag vor der Vollversammlung der UN sprechen wird, kritisierte, dass die Rede von Palästinenserpräsident Abbas die Wahrheit verzerre und zur Gewalt in Nahost aufwiegele. »Wir halten uns, anders als die Palästinenser, strikt an den Status quo auf dem Tempelberg«, machte der israelische Regierungschef wiederholt deutlich. Man erwarte von Abbas, dass er das Angebot von Netanjahu, direkte Gespräche ohne Vorbedingungen zu halten, annehme. Die Tatsache, dass er dies mehrfach abgelehnt habe, zeige, dass er »kein echtes Interesse an einem Frieden« habe.

Israel

Herzog setzt sich für Deal in Netanjahu-Prozess ein

US-Präsident Trump drängt darauf, dass der in einem Korruptionsverfahren angeklagte israelische Regierungschef Netanjahu begnadigt wird. Israels Präsident Herzog strebt eine Einigung an.

 28.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  28.04.2026 Aktualisiert

Israel

Gefängnis fürs Grillen

Mehr Strafen für Verstöße gegen »religiöse Disziplin«

von Sabine Brandes  28.04.2026

Nahost

Sa’ar: Israel hat »keine territorialen Ambitionen im Libanon«

Israels rechtsextremer Finanzminister Smotrich hat kürzlich gefordert, Israels neue Grenze im Norden müsse ein Fluss im Libanon sein. Israels Außenminister widerspricht.

 28.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026

Diplomatischer Konflikt

Streit um russisches Schiff in Haifa: Ukraine bestellt Israels Botschafter ein

Der ukrainische Außenminister Sybiha beschwert sich über »illegalen Handel mit gestohlenem ukrainischem Getreide«. Sein israelischer Kollege Sa’ar weist dies zurück, kündigt aber eine Prüfung an

 28.04.2026

Jerusalem

Neue Allianz von Lapid und Bennett knapp vor Likud

Trotz des Vorsprungs würde sich an den politischen Machtverhältnissen insgesamt kaum etwas ändern

 28.04.2026

Tel Aviv

Generalstabschef warnt vor Disziplinverlust in der Armee

Eyal Zamir spricht in Zusammenhang mit dem Fehlverhalten einiger Soldaten von einem »offenen Widerspruch zu den Grundsätzen der Streitkräfte«

 28.04.2026

Krieg

IDF greift Hisbollah-Ziele im Libanon an

Die Terror-Miliz hatte zuvor israelische Soldaten angegriffen

 27.04.2026