Konflikt

»Operation Protective Edge«

Raketenabschuss in Gaza-Stadt in der Nacht zu Dienstag Foto: Flash 90

In der Nacht zum Dienstag feuerte der militante Arm der Hamas Raketen ab, die bis zu 40 Kilometer weit ins Landesinnere von Israel flogen. Zuletzt war das im November 2012 der Fall gewesen. Die Sirenen ertönten unter anderem in Rehovot, Yavne, Rischon LeZion. Dort waren auch die Explosionen zu hören, wenn das Abwehrsystem »Iron Dome« die Raketen abfing. Nach Angaben israelischer Medien waren es 16 insgesamt.

Nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts hat am gestrigen Montag die militärische Offensive mit Namen »Operation Protective Edge« begonnen. Damit reagiert Israel auf die seit Wochen anhaltenden Angriffe aus dem Gazastreifen, die bislang vor allem die Bevölkerung im Süden getroffen hatten: in Aschkelon, Beer Sheva und vor allem in Sderot. Allein am Montagabend sind rund 80 Raketen abgefeuert worden.

einsatz »Es ist unser Ziel, den Terror zu beenden«, sagte ein Sprecher der Armee. Klar ist bislang, dass es ein größerer und längerer Einsatz werden wird. Es gebe keine zeitliche Beschränkung der Operation. »Wir stellen uns auf den möglichen Einsatz von Bodentruppen ein«, sagte Armeesprecher Peter Lerner. »Aber ich denke nicht, dass das sofort passieren wird.« Inzwischen wurden zudem rund 1500 Reservisten mobilisiert.

In der Nacht zum Dienstag setzte die Armee ihre Luftangriffe auf strategische Ziele der Hamas im Gazastreifen fort. Rund 50 Einsätze wurden geflogen, hieß es. Dabei wurden laut Augenzeugenberichten am frühen Dienstagmorgen die Häuser von Mitgliedern der Al-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas, zerstört. Zuvor hatte die Armee die Bewohner offensichtlich angerufen und gewarnt. Sie konnten die Häuser unversehrt verlassen. Wie israelische Medien berichten, nennt die Armee diese Warnungen »Knocking on the Roof« – dabei sollen Menschenleben geschützt werden.

waffenstillstand Die Hamas setzt indes ihre Drohungen fort. So schrieben die Al-Kassam-Brigaden, die sich zu den Angriffen bekannt haben: Angriffe auf Wohnhäuser seien eine rote Linie. Sollte Israel damit nicht aufhören, »werden wir darauf mit einer überraschenden Ausweitung unserer Attacken reagieren«, hieß es in einer in Umlauf gebrachten E-Mail. Der Sprecher der Hamas, Moshir al-Masri, gab bekannt, dass man nicht bereit sei, über einen Waffenstillstand zu sprechen: »Für Deeskalation ist nicht die richtige Zeit.« Wie Innenminister Yitzhak Aharonovitch heute bekannt gab, habe Israel der Hamas einen Waffenstillstand angeboten, jedoch ohne Erfolg.

Inzwischen hat das Verteidigungsministerium Anweisungen für die Bevölkerung für die kommenden Tage verkündet. So sollen die Behörden in Städten in einem Radius von 40 Kilometern um Gaza die Schutzräume öffnen. Bewohner dieser Gebiete müssen nach dem Ertönen der Sirenen die Schutzräume innerhalb von 15 Sekunden aufsuchen. Ansammlungen von mehr als 300 Menschen sind untersagt. Alle Sommercamps, Kindergärten und Schulen bleiben geschlossen, es sei denn, die Kommunen können gesicherte Gebäude bereitstellen. Neugeborene in der Hafenstadt Aschkelon wurden in Schutzräume gebracht. Die Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva hat zunächst alle Examen abgesagt.

bündnis Auch innenpolitisch hat die Auseinandersetzung mit der Hamas Folgen. Aufgrund von grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten, wie man angesichts der Gewalt in Gaza vorgehe, hat Außenminister Avigdor Lieberman das Bündnis seiner Partei Beiteinu mit dem regierenden Likud am Montag aufgelöst. Lieberman hatte Netanjahus Vorgehen gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas stets als zu zögerlich kritisiert.

Den neu ausgebrochenen bewaffneten Konflikt bekamen auch Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes des Rostocker Unternehmens »Aida Cruises« zu spüren. Das Schiff war nach Angaben der ARD am Montagabend vom Hafen in Aschdod in Richtung Kreta ausgelaufen, als kleine Trümmerteile auf Deck niedergingen. Nach ersten Einschätzungen könnten diese von abgefeuerten Raketen stammen. Es bestand jedoch zu keiner Zeit Gefahr für die 2700 Gäste und Crew-Mitglieder, sagte das Unternehmen. Auch sei kein Schaden entstanden.

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