Israel

Ohne Gesichtsmasken

Shoppen ohne Masken im Dizengoff Center in Tel Aviv (14. Juni 2021) Foto: Flash 90

In Deutschland beginnt der Streit über ihre Abschaffung gerade. In Israel dagegen verschwindet sie jetzt endgültig aus der Öffentlichkeit. Die Rede ist von der Gesichtsmaske, die seit Ausbruch der Pandemie vor nunmehr bald eineinhalb Jahren zwischen Jordan und Mittelmeer mindestens ebenso omnipräsent war wie hierzulande. Am 18. April bereits wurde die Pflicht zum Tragen im Freien aufgehoben.

Nun muss sie auch in geschlossenen Räumen nicht mehr aufgesetzt werden. Vor rund zwei Wochen verkündete das Gesundheitsministerium, dass dafür keine Notwendigkeit mehr bestehen würde, weshalb seit diesem Dienstag nun endgültig Schluss damit ist. Am Montagabend unterzeichnete denn auch Ministeriumsdirektor Professor Chezy Levy eine entsprechende Order. Wer in Israel jetzt einen Supermarkt betritt, eine Behörde besucht oder einfach nur ins Büro geht, braucht keine Maske mehr.

Über Wochen hinweg hatte man beobachtet, ob die Lockerungen vom April die Infektionszahlen beeinflussten oder nicht. Denn anders als nach der ersten Infektionswelle im Frühjahr 2020 – damals wurden alle Schutzmaßnahmen sehr schnell und ohne Konzept wieder aufgegeben – sollte es diesmal keine bösen Überraschungen geben.

IMPFUNGEN »Die Impfungen haben ihre Wirkung gezeigt,« hatte Noch-Gesundheitsminister Yuli Edelstein vom Likud dann am 6. Juni erklärt. »Nachdem wir fast alle Einschränkungen für das zivile Leben sukzessiv aufgehoben haben, wird jetzt auch die Vorschrift zum Tragen eines Mund- und Nasenschutz in geschlossenen Räumen entfallen – solange die Infektionsrate niedrig bleibt.«

Genau das ist am Dienstag geschehen. »Israel ist inzwischen das Land mit den meisten Impfungen in der Welt.« Und dies zeigen Wirkung. Als die Pandemie vor fünf Monaten ihren Höhepunkt hatte, zählte man an manchen Tagen fast 9000 Neuinfizierte. Am Sonntag waren es gerade einmal 19. Manchmal sind es auch nur vier. Gab es im Winter 88.000 aktive Coronafälle auf einmal, von denen über 1200 einen schweren Verlauf aufwiesen, so sind es aktuell nur noch 212. In einem kritischen Zustand befinden sich im Moment 29 Personen.

SCHULEN Einige Ausnahmen soll es allerdings noch geben, allen voran in den Schulen. Weil die Impfung von Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren am vergangenen Sonntag gerade erst begonnen hatte, muss in Klassenräumen der Mund- und Nasenschutz weiter getragen werden. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es aber bereits, dass die Pflicht dazu sofort entfällt, wenn die Infektionszahlen so niedrig bleiben wie bisher.

Andere Personengruppen, für die sie noch gelten soll, sind nicht geimpfte oder bereits von Covid-19 genesene Mitarbeiter und Besucher in Sozialstationen sowie das Personal in Langzeitpflegeeinrichtungen oder Altersheimen. Aber auch wer sich auf dem Weg in die Quarantäne befindet oder ein Flugzeug besteigt, muss die Maske weiter tragen.

Die Israelis freuen sich über die wiedergewonnene Freiheit. »Vor einigen Tagen war ich endlich mal wieder im Kino«, berichtet Dani Atoun. »Zwar galt zu diesem Zeitpunkt noch die Maskenpflicht, aber als das Licht ausging, habe ich sie einfach abgesetzt«, so der 57-Jährige aus Herzliya. »Ich bin wie die meisten anderen geimpft, weshalb ich darin kein Risiko sah.«

Seit Dienstag ist das nun kein Regelverstoß mehr. Trotzdem stellt sich manchmal ein mulmiges Gefühl ein. »Sobald Leute im Kino anfangen zu husten, beunruhigt mich das anders als in der Zeit vor der Pandemie. Ich weiss, es ist ein wenig irrational. Aber es geschieht ganz automatisch. Einen Mund- und Nasenschutz würde ich mir dennoch nicht wieder deshalb aufsetzen.«

VORSICHT Manche dagegen bleiben noch vorsichtig. »In Supermärkten behalte ich weiterhin die Maske auf«, sagt Zeev Prinz. »Keine Ahnung warum, aber ich fühle mich dann einfach sicherer«, so der Rechtsanwalt aus Tel Aviv. Viele andere Israelis sahen das gelassener. Schon seit Wochen wurde die Maskenpflicht in Geschäften sowieso eher  flexibel interpretiert.

Während in Israel mit seiner Impfquote von derzeit etwas über 63 Prozent der Mund- und Nasenschutz jetzt also weitestgehend Geschichte geworden ist, raten in Deutschland, wo erst rund 48 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten haben, Experten wie Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, noch zur Vorsicht.

Erst eine Impfquote von mindestens 70 Prozent erlaube seiner Meinung nach eine Lockerung der entsprechenden Vorschriften – vorausgesetzt, die Inzidenzwerte bleiben weiterhin auf niedrigem Niveau. Daran würde auch die aktuelle Entspannung der pandemischen Situation wenig ändern. Bis auch hierzulande wie in Israel alle sagen können »Schön, Sie wiederzusehen«, wird es wohl noch eine Weile länger dauern.

Nahost

Netanjahu: Es wird kein Wiederaufbau Gazas ohne Hamas-Entwaffnung geben

Ohne Entwaffnung der Hamas bleibt der Wiederaufbau im Gazastreifen blockiert. Israels Premierminister stellt klare Bedingungen – und droht mit einem konsequenten Vorgehen

 19.02.2026

Studie

Wachsen vegetarisch oder vegan ernährte Babys und Kleinkinder langsamer?

Müssen kleine Kinder Fleisch essen? Eine Untersuchung der Ben-Gurion-Universität wirft ein neues Licht auf weit verbreitete Vorstellungen

 19.02.2026

Nahost-Politik

Kanzler verteidigt Aussetzung von Waffenlieferungen an Israel

Im einem Interview sagte Friedrich Merz, seine Entscheidung vom Sommer 2025 sei im Nachhinein auch von der israelischen Regierung respektiert worden

 19.02.2026

Eurovision Song Contest

Israels ESC-Song angenommen

Der größte Gesangswettbewerb der Welt wird in diesem Mai in Wien stattfinden

von Sabine Brandes  19.02.2026

Nachrichten

Strafe, Mob, Kauf

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  19.02.2026

Verbrechen

Wut und Selbstverantwortung

Die Gewalt durch kriminelle Clans in arabischen Gemeinden Israels eskaliert. Der Polizeichef spricht von einem »nationalen Ausnahmezustand«

von Sabine Brandes  19.02.2026

Jerusalem

Israel führt neue Regeln für den Tempelberg ein

Die Entscheidungen der israelischen Behörden haben scharfe Kritik der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgelöst

 19.02.2026

Jerusalem

Isaac Herzog: Bete für Ende der Terrorherrschaft im Iran

Der israelische Präsident Herzog übermittelt dem iranischen Volk gleichzeitig »die besten Wünsche« zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan

 19.02.2026

Nahost

Hisbollah verstößt gegen Waffenruhe

Waffenlager, Raketenabschussrampen und weitere militärische Einrichtungen im Libanon wurden getroffen. Diese sollten nach Darstellung der Armee für Angriffe auf Israel genutzt werden

 19.02.2026