Israel

Oberster Gerichtshof erkennt Konversionen an

Der Oberste Gerichtshof in Israel Foto: Flash90

Der israelische Oberste Gerichtshof hat am Montag ein wegweisendes Urteil in Sachen Übertritte zum Judentum gefällt: Ab sofort muss der Staat auch reformierte und konservative Konversionen anerkennen, die in Israel durchgeführt wurden, und den Betreffenden die Staatsangehörigkeit verleihen.

INNENMINISTERIUM Acht von neun Richtern stimmten für die Anerkennung. Ihre Entscheidung folgte nach zwei Petitionen aus den Jahren 2005 und 2006 von zwölf Menschen, die in Israel durch nicht-orthodoxe Strömungen zum Judentum übergetreten waren. Deren Antrag auf Staatsbürgerschaft wurde damals vom Innenministerium abgelehnt.

Über 15 Jahre lang hatte das Religious Action Center in Israel versucht, dies außergerichtlich zu ändern und eine Einigung mit dem Staat zu erreichen. Jedoch ohne Erfolg. Zu stark war die Ablehnung des Obersten Rabbinats.

EINBÜRGERUNG 2016 hatte der Oberste Gerichtshof bereits geurteilt, dass Bewohner Israels, die keine Staatsbürger sind und durch nichtstaatliche orthodoxe rabbinische Gerichte konvertiert waren, sehr wohl die Einbürgerung erhalten können.

Die Reform- und Konservativenbewegungen sind die stärksten Strömungen innerhalb des amerikanischen Judentums. Beide drückten ihre Freude über das Urteil aus. Der Präsident der Vereinigung Reform Judentum in den USA, Rabbiner Rick Jacobs, sagte: »Diese Entscheidung wurde über Jahre vorbereitet. Es zeigt die Verschiedenheit und die Lebendigkeit des jüdischen Lebens in Israel und der ganzen Welt.«

»Wir hoffen, dass das Urteil dabei hilft, unsere Bewegungen in Israel weiter anzuerkennen.«

Rabbiner Rick Jacobs

Das Gericht habe damit die Realität bestätigt, dass das jüdische Volk durch die Taten der Reform- und Konservativenbewegung stärker ist als ohne. »Wir hoffen, dass das Urteil dabei hilft, unsere Strömungen in Israel weiter anzuerkennen.«

RECHTE Die Rabbinische Versammlung der konservativen Bewegung in den USA erklärte, es handele sich um ein »Rüffel« gegen die jüngsten Versuche der Knesset, die religiöse Freiheit in Israel einzuschränken. »Dies hat lange gedauert. Es war keine schnelle Justiz, sie war gut und gerecht.« Die Versammlung ruft nun alle Parteien in Israel auf, den Gerichtsentscheid anzuerkennen und die religiösen Rechte der Menschen proaktiv zu respektieren.

Auch das ultraorthodoxe Oberrabbinat in Israel meldete sich zu Wort. Der sefardische Oberrabbiner Yitzhak Yosef sagte: »Was die Reformierten und Konservativen als ‚Konversion‘ bezeichnen, ist nichts als eine Fälschung des Judentums.« Er wolle von der Politik eine »Reparatur« dafür. Sein aschkenasischer Kollege David Lau nannte die Menschen, die durch reformierten oder konservative Rabbiner übergetreten sind, »keine Juden«.

Entsprechend des Rückkehrrechts ist es jedem Menschen, der im Ausland konvertiert ist, erlaubt, in Israel einzuwandern. Den Pass erhält derjenige in der Regel automatisch. Das Gesetz unterscheidet dabei nicht, innerhalb welcher Strömung des Judentums der Übertritt durchgeführt wurde. Es wird lediglich geprüft, ob die entsprechende Jüdische Gemeinde anerkannt ist.

MEHRZAHL Das jetzige Urteil bezieht sich somit lediglich auf jene Menschen, die in Israel konvertierten und denen im Anschluss die Staatsbürgerschaft verwehrt wurde. Bei der Mehrzahl handelt es sich um Partner von israelischen Bürgern.

Israelische Medien geben an, dass durch die reformierten und konservativen Bewegungen in Israel einige hundert Personen jährlich zum Judentum konvertieren. Die große Mehrheit von ihnen habe bereits die israelische Staatsbürgerschaft entsprechend des Rückkehrrechts. Das besagt, es reiche aus, dass eine Großmutter oder ein Großvater jüdisch ist oder war, um Alija zu machen.

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Nahost

Israelis verwirrt wegen Trumps Iran-Reden

Das Verteidigungsministerium in Jerusalem erhöht die Alarmbereitschaft der Armee

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gazastreifen

Hamas will angeblich die Waffen niederlegen

Berichten zufolge hat die Terrororganisation mit den USA eine Vereinbarung getroffen, dass sie eine »politische Partei« werden kann

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gaza

Konkurrenz für die UNO?

Der »Friedensrat« nimmt langsam Gestalt an. Russlands Präsident Wladimir Putin und Israels Premier Benjamin Netanjahu wurden zur Teilnahme eingeladen

von Sabine Brandes  22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026

Nevatim-Luftwaffenbasis

Eyal Zamir: Israels Armee auf Einsatz gegen jeden Gegner vorbereitet

Der Generalstabschef warnt vor »Mehrfrontenbedrohungen«. Die IDF seien jedoch »einsatzfähig, ausgebildet und in höchster Alarmbereitschaft«

 22.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026