Krieg

Oberster Gerichtshof berät über Ukraine-Flüchtlinge

Jüdische Flüchtlinge kommen auf dem Ben-Gurion-Flughafen an. Foto: Flash90

Der Oberste Gerichtshof Israels wird eine dringende Anhörung gegen den Entwurf von Innenministerin Ayelet Shaked zur Einreise von Flüchtlingen aus der Ukraine einberufen. Innerhalb von sieben Tagen soll es eine Entscheidung geben.

Bis dahin soll der Himmel für die Menschen, die vor der russischen Invasion aus ihrer Heimat flüchten müssen, weiter offenbleiben. Die Obergrenze der Flüchtlingszahl sei noch nicht erreicht, so die Richter weiter. Kurz zuvor hatte die Innenministerin nach immer lauter werdender Kritik angekündigt, sie werde die Politik ändern. Einreisende, die Verwandte im Land haben, seien dann von der Gesamtzahl ausgenommen.

RÜCKKEHRGESETZ Shaked hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass Israel rund 20.000 Ukrainern, die sich illegal im Land aufhielten oder vor der Invasion ein Touristenvisum hatten, den Verbleib erlauben und gleichzeitig weitere 5000 nichtjüdische Flüchtlinge aufnehmen werde. Alle jüdischen Ukrainer dürfen im Rahmen des Rückkehrgesetzes einreisen und erhalten die israelische Staatsbürgerschaft.

Die Petition argumentiert, dass diese Obergrenze gegen internationale Vereinbarungen und internationale Konventionen verstoße, denen Israel beigetreten ist. Die ukrainische Botschaft in Israel unterstützt die Petition.

»Es ist beschämend und verursacht Chaos für uns in der Welt.«

Einwanderungsministerin Pnina Tamano-Shata

Shaked hatte nach dem Ende des Schabbats erklärt, dass die Obergrenze von 5000 Flüchtlingen nahezu erreicht sei. Kritiker innerhalb und außerhalb des Landes haben die Politik als »beklagenswert unzureichend« bezeichnet.

FLUGHAFEN Das israelische Fernsehen berichtete außerdem darüber, dass ankommende Flüchtlinge zum Teil stunden- oder sogar tagelang in der Ankunftshalle des Flughafens warten müssten, ohne ausreichende Verpflegung oder die Möglichkeit zu duschen. 200 Menschen wurde die Einreise untersagt. Dutzende andere seien in einem Hotel untergebracht worden, wo es verboten war, das Gebäude zu verlassen.

Einwanderungsministerin Pnina Tamano-Shata nannte die Situation am Flughafen »inakzeptabel«. Sie habe Shaked darauf angesprochen und geraten, die Teams zu verstärken, damit es Nahrung, Wasser, Windeln und alles andere zur Verfügung stehe, was die Flüchtlinge brauchen. »Es ist beschämend. Es verursacht Chaos für uns in der Welt«, wurde die Ministerin in Kanal zwölf zitiert.

PROTESTE Shaked erklärte die Lage am Flughafen mit vielen Maschinen, die gleichzeitig angekommen seien. Die Ministerin verteidigte ihre Flüchtlingspolitik, als Demonstranten vor dem Flughafen und ihrem Wohnhaus dagegen protestierten. Sie hielten Schilder wie: »Flüchtlinge sind hier willkommen« oder »Ein Jude weist keine Flüchtlinge ab« in die Höhe.

Auf Facebook schrieb die Ministerin: »Jeder vernünftige Mensch versteht, dass der winzige Nationalstaat des jüdischen Volkes kein Ersatz für die verschiedenen europäischen Länder sein kann, einschließlich der Nachbarn der Ukraine, die ihre Grenzen großzügig geöffnet haben«.

Währenddessen hat Israel eine Lieferung mit 100 Tonnen Hilfsgütern in die Ukraine geschickt und bereitet eine weitere vor. Auch wurde ein Feldlazarett mit 80 medizinischen Angestellten in der Ukraine eingerichtet.

Tel Aviv

Immer mehr Ärzte verlassen Israel – fast 1400 Mediziner gehen ins Ausland

Der sogenannte »brain drain« könnte langfristig erhebliche Folgen für das israelische Gesundheitssystem haben

 07.09.2026

Nahost

Iran soll Angriff mehrerer Terrorgruppen auf Israel planen

Nach israelischen Einschätzungen könnte das Mullah-Regime einen gleichzeitigen Einsatz an mehreren Fronten vorbereiten – mit Beteiligung der Hisbollah, der Hamas und der Huthi

 07.09.2026

Gesellschaft

Exodus der Ärzte

Studie: Seit 2023 haben rund 1370 Mediziner Israel verlassen, darunter zunehmend erfahrene Fachärzte

von Sabine Brandes  06.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  06.09.2026

Jerusalem

Israels Sicherheitsrat: Weltweite Reisewarnung für die jüdischen Feiertage

Die Behörde warnt vor gezielten Anschlägen durch extremistische Gruppen und Einzeltäter auf Juden und Israelis. Von Reisen in zahlreiche arabische und an den Iran grenzende Staaten wird dringend abgeraten

 06.09.2026

Jerusalem

Oberstes Gericht kippt Festnahmeverbot für ultraorthodoxe Wehrdienstverweigerer

Das im Sommer verabschiedete Moratorium verstößt nach Ansicht der Richter gegen den Gleichheitsgrundsatz. Der Staat dürfe bei der Strafverfolgung keine unzulässigen Ausnahmen machen

 06.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026