Gaza/Israel

Neuer Anlauf im Ringen um Feuerpause

Eine Maschine vom Typ C-130 der US-Luftwaffe mit Hilfsgütern startet in Richtung Gaza. Foto: picture alliance / Newscom

Während auch die USA mit dem Abwurf von Nahrungsmitteln aus der Luft für die Bevölkerung im Gazastreifen begonnen haben, laufen die gemeinsamen Vermittlungsbemühungen um eine Feuerpause mit Katar und Ägypten unter Hochdruck weiter. An diesem Sonntag sollen die Gespräche nach Informationen des ägyptischen Fernsehsenders Al Qahera News TV in Kairo weitergehen.

Es gebe noch Hindernisse, für die die israelische Seite verantwortlich sei, sagte ein Vertreter der palästinensischen Terrororganisation Hamas in Beirut, der namentlich nicht genannt werden wollte, in der Nacht zum Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Haupthindernis sei das Zeitlimit für eine mögliche Waffenruhe.

Dieselbe Terrorgruppe hatte den Krieg am 7. Oktober mit ihren Massakern in Israel begonnen und bisher jede Waffenruhe gebrochen. Weiterhin hat die Hamas mehr als 100 Geiseln in ihrer Gewalt.

Proteste gegen Netanjahu

Ranghohe Vertreter der US-Regierung hatten dagegen am Samstag gesagt, der Rahmen für eine mögliche Einigung stehe und die Israelis hätten diesen »mehr oder weniger akzeptiert«. Das Zustandekommen einer Einigung hänge nun allein an der Hamas.

Man sei mit den Vermittlern weiter in Kontakt und bestrebt, eine Lösung zu finden, »um die Aggression gegen unser Volk zu beenden«, sagte der Hamas-Vertreter, dessen Terrorgruppe seit Jahrzehnten Israel attackiert. Eine eigene Delegation wolle bei den weiteren Vermittlungsgesprächen über eine Waffenruhe in Kairo dabei sein.

Laut dem ägyptischen Fernsehsender werden auch Vertreter Israels vor Ort sein. Allerdings hatte das Nachrichtenportal »Axios« am Freitagabend noch berichtet, Israel wolle an keiner neuen Runde der von Ägypten, Katar und den USA vermittelten Gespräche teilnehmen, solange die Hamas keine Liste der noch lebenden Geiseln vorlege.

Einigung vor Ramadan?

Nachdem während einer einwöchigen Feuerpause im November 105 Entführte im Austausch gegen mehr als dreimal so viele palästinensische Häftlinge freigekommen waren, dürften sich nach israelischer Schätzung derzeit noch etwa 100 lebende Geiseln in der Gewalt der Hamas-Terroristen befinden.

Laut Medienberichten sollte einem Vorschlag der Vermittler zufolge möglichst noch vor dem muslimischen Fastenmonat Ramadan, der um den 10. März beginnt, eine sechswöchige Waffenruhe in Kraft treten. In der Zeit sollten 40 israelische Geiseln gegen rund 400 palästinensische Häftlinge ausgetauscht werden.

Morgen wird der israelische Minister Benny Gantz, Mitglied des Kriegskabinetts, zu Gesprächen mit US-Vizepräsidentin Kamala Harris im Weißen Haus erwartet, wie unter anderem die »New York Times« berichteten. Harris dürfte demnach mit Gantz über die Dringlichkeit eines Geisel-Abkommens sprechen, das eine vorübergehende Feuerpause ermöglichen würde, und über die Notwendigkeit von mehr Hilfsgütern für die Zivilisten in Gaza.

USA bereiten weitere Abwürfe vor

Die humanitäre Lage in dem abgeriegelten Küstenstreifen spitzt sich seit Wochen dramatisch zu. Transportflugzeuge des US-Militärs warfen am Samstag etwa 38.000 Mahlzeiten ab, wie das Regionalkommando des US-Militärs mitteilte. Es habe sich um eine gemeinsame Aktion mit der jordanischen Luftwaffe gehandelt. Es liefen Planungen für weitere solche Einsätze.

Die abgeworfene Hilfe mag die Not etwas lindern, vor allem in Gebieten, die wie der Norden Gazas mit Hilfslieferungen auf dem Landweg nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind. UN-Organisationen weisen allerdings darauf hin, dass die Mengen, die durch Abwürfe geliefert werden können, eher gering sind. Auch Israel ist an der Hilfe aus der Luft beteiligt.

Nach dem Tod Dutzender Palästinenser bei der Ankunft von Hilfslieferungen im nördlichen Gazastreifen kündigte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari eine gründliche Untersuchung des Vorfalls an. Die Armee werde die Ergebnisse vorlegen. »Die Behauptung, wir hätten den Konvoi vorsätzlich angegriffen und Menschen vorsätzlich Schaden zugefügt, entbehrt jeder Grundlage«, fügte er hinzu.

Angriffe auf Hisbollah-Stellungen

Das israelische Militär hat unterdessen im Süden Libanons nach eigenen Angaben erneut Stellungen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz angegriffen. Kampfflugzeuge hätten zwei Militäranlagen der Schiiten-Miliz in der Gegend von Labuneh und eine weitere Anlage in der Gegend von Ramyah getroffen, teilte die Armee am Samstagabend mit.

In den vergangenen 48 Stunden habe die Armee »insgesamt zehn Terroristen« getötet, darunter einen Kommandeur, teilte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Abend mit.

Am Morgen hatte Israels Luftwaffe nach Angaben des Militärs ein Auto mit Mitgliedern der Hisbollah im Südlibanon attackiert. In dem Fahrzeug seien »mehrere Terroristen« unterwegs gewesen, die Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert hätten.

Demonstrationen gegen Netanjahu

Tausende Menschen gingen indessen am Samstagabend in mehreren Städten Israels auf die Straße, um gegen die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu demonstrieren. Seit dem Terror-Überfall der Hamas ist seine Beliebtheit massiv gesunken. Schon zuvor war es wegen der Justizreform seiner rechten Koalition zu vielen Demonstrationen gekommen. dpa/ja

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