Libanon

Nasrallah droht weiter

Hassan Nasrallahs Rede wird in Beirut ausgestrahlt. Er droht Israel. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah droht Israel weiter. »Jede Partei in der Widerstandsachse hat das Recht zu bestimmen, wann und wie sie reagiert. Nach der Reaktion der Hisbollah auf Israel werden auch der Iran und die Huthi reagieren«, tönte er am Sonntagabend in einer Fernsehansprache im Libanon.

Er behauptete auch, die Gruppe habe »sorgfältig darauf geachtet, keine Zivilisten anzugreifen, obwohl Israel bei seinem Angriff Zivilisten angegriffen hat«. Man habe entschieden, dass das Ziel militärischer Natur sein sollte, nicht ziviler oder infrastruktureller Natur, und dass es mit der Eliminierung von Fuad Shukr in Zusammenhang stehen und in der Nähe von Tel Aviv liegen sollte, so Nasrallah.

»Wir haben ein zentrales Ziel tief in Israel lokalisiert, eine Basis des israelischen Geheimdienstes, 110 km von der Grenze zum Libanon und 1,5 km von Tel Aviv entfernt«, behauptete er und sagte dann, dass es keine Pläne gebe, auf Ziele in Tel Aviv zu schießen, etwa den Ben-Gurion-Flughafen oder das israelische Verteidigungsministerium.

Präzisionsraketen könnten in naher Zukunft eingesetzt werden

Hisbollah habe 300 Katjuscha-Raketen abgefeuert, ließ er dann wissen und hob hervor, dass keine der Präzisions- oder strategischen Raketen der Gruppe bei israelischen Angriffen beschädigt worden seien. Es gebe keine Absicht, diese heute abzufeuern, fügte er hinzu. Allerdings könnten sie in naher Zukunft sehr wohl zum Einsatz kommen.

Nasrallah lies aus in seiner Ansprache wie erwartet gänzlich aus, dass es zu keinem Angriff auf das israelische Zentrum gekommen ist, weil die Luftwaffe der IDF in der Nacht zum Sonntag Dutzende Ziele, insbesondere Raketenabschussrampen, der schiitischen Terrorgruppe im Libanon zerstörte.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte dazu: »Wir haben heute den geplanten Angriff der Hisbollah vereitelt, jedoch ist das nicht das Ende der Geschichte.« Die israelischen Streitkräfte hätten Tausende Kurzstreckenraketen zerstört und alle Drohnen abgefangen. »Nasrallah in Beirut und Khamenei in Teheran sollten wissen, dass dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Veränderung der Situation im Norden ist.«

Verteidigungsminister Yoav Gallant erklärte am frühen Sonntagabend, dass man an einem strategischen Scheideweg stehe: »Wir müssen ihn nutzen, um einen Geisel-Deal und eine Lösung im Norden zu erreichen.«

»Kein Libanese wird betrügerischen Reden und Behauptungen imaginärer Siege Glauben schenken.«

Am Nachmittag wurde bekannt, dass ein israelischer Soldat, der 21-jährige David Moshe Ben Shitrit, bei einem Angriff der Hisbollah getötet wurde. Er diente in der israelischen Marine und befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs auf einem Schiff. Aus der vorläufigen Untersuchung des Vorfalls durch die Armee geht hervor, dass mindestens eine aus dem Libanon gestartete Drohne über Shitrits Schiff geflogen ist, das zur Flotte der Marine von Haifa gehört. Zwei weitere Soldaten wurden verletzt, einer mittelschwer, der andere leicht.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete später, dass Israel und die Hisbollah über Mittelsmänner Nachrichten ausgetauscht hätten, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Die wichtigste Botschaft war, dass beide Seiten den intensiven Schusswechsel vom Sonntag für »beendet« hielten und keiner einen umfassenden Krieg wolle, hieß es von einer diplomatischen Quelle.

Oppositionsführer im Libanon fordert Entwaffnung der Hisbollah

Noch vor Nasrallahs Rede hatte der libanesische Oppositionsführer Samy Gemayel gefordert, dass die Hisbollah entwaffnet und der libanesische Staat die Kontrolle über das Land zurückerlangen müsse. Er fordert dafür die Anwendung der Resolution 1559, eines UN-Beschlusses aus dem Jahr 2004, der die libanesische Regierung auffordert, ihre Souveränität über das gesamte Territorium zu etablieren und Milizen wie die Hisbollah zu entwaffnen.

Im Hinblick auf die Rede Nasrallahs schrieb Gemayel auf X: »Kein Libanese wird betrügerischen Reden und Behauptungen imaginärer Siege Glauben schenken.«

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026

Hintergrund

Terror über den Wolken

Wie Pilot und Passagiere im Flug von Dubai nach Tel Aviv eine Katastrophe verhinderten

von Sabine Brandes  08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

7. Oktober

»Erinnern heißt auch, nach der Wahrheit zu suchen«

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Hayarkon-Park standen die Opfer im Mittelpunkt – und die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskommission

von Sabine Brandes  08.10.2026

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026