Israel

Nachrichten

Jeremy an der Bar Foto: Sabine Brandes

Sitz
Zur Überraschung vieler hat Zehava Galon mitgeteilt, dass sie ihren Sitz in der Knesset aufgibt. Die meisten Parlamentarier und sogar Parteimitglieder hatten davon nichts geahnt. Galon ist die Vorsitzende der Linkspartei Meretz. »Meretz kann nicht als geschlossener Klub bestehen, der alle ignoriert, Wähler und Unterstützer«, erklärte sie. »Wir brauchen zusätzliche Kräfte, die dabei mitmachen, frisches Blut ins Parlament zu bringen. Ich liebe die Knesset, aber ich liebe Meretz mehr«, sagte sie. Sie wolle sich nun voll und ganz auf den Vorsitz ihrer Partei konzentrieren. Der Generalsekretär Mosche Raz wird ihren Sitz einnehmen. Galon ist vor Kurzem zu einer der 50 einflussreichsten Frauen Israels gewählt worden.

Futter
Das Landwirtschaftsministerium kündigte in der vergangenen Woche an, dass es auch weiterhin die Fütterung von Zugvögeln unterstützen wird. Vor allem geht es dabei um die Tausenden weißen Pelikane, die jedes Jahr zweimal über das Land fliegen. Bei diesem Projekt wird das Futter für die Vögel zentral verteilt, damit sie sich nicht auf den Feldern niederlassen und die Ernte zerstören. Zuvor hatte das Ministerium erklärt, es sei nicht zuständig für die Verpflegung von Tieren, die sich auf dem Weg von Europa nach Afrika und zurück befinden. Doch Bauern und Umweltschützer hatten massiv gegen die Einstellung protestiert. Die Naturparkbehörde des Landes begrüßte die Entscheidung.

LGBT
Microsoft Israel unterstützt LGBT. Gemeinsam mit der Personalagentur Gleam wird der Computergigant neun Stipendien für Transgender-Studenten vergeben. Bereits im vergangenen Jahr hatte Microsoft auf diese Weise junge Menschen unterstützt. Gleam helfe dabei, Unternehmenspolitik zu ändern und LGBT ins Bewusstsein von Firmen zu bringen, meint Microsoft. »Wir wollen damit die Gemeinschaft stärken und die Mitglieder mit denselben Möglichkeiten für Bildung, Beschäftigung und soziale Integration versorgen«, so der Geschäftsführer von Gleam, Kobi Maimon.

Brillen
Bar Refaeli mag offenbar schwere Jungs. Für die Herbst/Winter-Brillenkollektion der israelischen Marke »Carolina Lemke« stand sie mit Jeremy Meeks vor der Kamera. Der Amerikaner machte 2014 als »heißester Häftling« der USA Schlagzeilen. Meeks wurde damals wegen unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen, nach der Veröffentlichung seines Polizeifotos entdeckt und arbeitet seitdem als international gefragtes Model. Nun reiste der 33-Jährige zum ersten Mal nach Israel, und jetzt schauen seine stahlblauen Augen nicht mehr durch schwedische Gardinen, sondern durch die neuesten Brillengestelle.

Bitte
Der wegen Totschlags verurteilte ehemalige Soldat Elor Azaria hat Präsident Reuven Rivlin um seine Begnadigung gebeten. »Ich habe keinen fairen Prozess bekommen«, schrieb er in seinem Brief. »Das empfinde ich, und nichts kann das ändern. Ich bitte um Gerechtigkeit und Gnade.« Azaria ist wegen der Erschießung eines am Boden liegenden palästinensischen Terroristen zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Anschließend jedoch hatte der Chef der Streitkräfte, Gadi Eizenkot, die Haftstrafe um vier Monate verkürzt. Im August war Azaria vom Hausarrest in das Militärgefängnis verlegt worden.

Entscheidung
Die Knesset hat nicht die Befugnis, NGOs zu untersuchen. Zu diesem Schluss kam der rechtliche Berater des Parlaments, Eyal Yinon. Dies würde demokratischen Grundsätzen widersprechen. Zuvor hatte Premierminister Benjamin Netanjahu angekündigt, dass seine Regierung ein Komitee gründen wolle, um genau dies zu tun. »In einer Demokratie müssen derartige zivile Organisationen frei handeln können – vor allem, wenn sie eine Politik vertreten, die im Gegensatz zu der der Regierung steht«, erläuterte Yinon. »Die Einsetzung des Komitees wäre eine falsche Verwendung der parlamentarischen Mittel.«

Auszeichnung
Mit Mod (Mohammed) Helmy ist der erste Araber von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als »Gerechter unter den Völkern« ausgezeichnet worden. Der Ägypter war 1922 nach Berlin gekommen, um Medizin zu studieren, hatte als Arzt vier Juden während der gesamten Kriegszeit versteckt und ihnen damit das Leben gerettet. Die Auszeichnung ist Helmy bereits 2013 verliehen worden, doch Angehörige aus Kairo weigerten sich bislang, sie vom israelischen Staat entgegenzunehmen. Jetzt fand Yad Vashem einen Angehörigen, der sie akzeptiert. Nasser Kutbi ist Medizinprofessor aus Kairo, dessen Vater Helmys Neffe war und ihn noch persönlich kannte. Er wird nach Berlin reisen, um die Ehrung entgegenzunehmen. Helmy selbst war 1982 gestorben. Bis zu seinem Lebensende waren die von ihm Geretteten mit ihm in Kontakt geblieben. Der Journalist Igal Avidan hat soeben ein Buch über ihn veröffentlicht: Mod Helmy. Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete, erschienen bei dtv.

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Jerusalem

Israel-Libanon-Gespräche: Netanjahu kündigt Verbleib der Armee im Südlibanon an

»Die IDF wird weiterhin entschlossen handeln, um Bedrohungen für unsere Soldaten und Zivilisten abzuwehren«, sagt die israelische Regierung

 23.06.2026

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026