Israel

Nachlässigkeit des Personals

Der Tod des mutmaßlichen Mossad-Agenten Ben Zygier in einer israelischen Hochsicherheitszelle hatte Anfang März zu zahlreichen Spekulationen geführt. Der australischstämmige Mann saß in einem Gefängnis in Ramle bei Tel Aviv in Einzelhaft. Nicht einmal die Wärter wussten, wie er hieß, und nannten ihn »Gefangener X«. Nach wie vor ist auch nicht klar, warum er verurteilt wurde. Nachdem der Selbstmord des 34-Jährigen durch einen Bericht des australischen Fernsehsenders ABC bekannt geworden war, hatten sowohl Zygiers Familie wie auch politische Vertreter Australiens Aufklärung von Israel gefordert.

Seit vergangener Woche liegt der vollständige Untersuchungsbericht der Generalstaatsanwaltschaft vor. Demnach ist der Selbstmord des Mannes im Dezember 2010 auf Nachlässigkeit des Gefängnispersonals zurückzuführen. Zu diesem Schluss kommt die zuständige Richterin Daphna Blatman Kedrai: »Es gibt Beweise, dass Mitarbeiter der Gefängnisbehörde für Zygiers Tod verantwortlich sind.« Für eine strafrechtliche Verfolgung reichten diese jedoch nicht aus

Angststörung Auf den 30 Seiten des Berichts, der von der Zeitung Yedioth Ahronoth veröffentlicht wurde, sind der Ablauf des letzten Tages sowie Details über den Allgemeinzustand von Ben Zygier festgehalten. So galt er bereits zum Zeitpunkt seiner Inhaftierung als selbstmordgefährdet und wurde deshalb in die höchste Sicherheitsstufe eingeordnet. Er wurde von drei Kameras überwacht, alle halbe Stunde mussten die Wärter sein Verhalten protokollieren. Zudem stand er in Kontakt mit einem Psychiater und einer Sozialarbeiterin. Dabei habe Zygier berichtet, dass er bereits zweimal versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Ihm sei eine Angststörung diagnostiziert worden.

Am Tag seines Selbstmordes sei Zygier um 11 Uhr vormittags noch von seiner Ehefrau besucht worden. Sie habe ihm anscheinend »schlechte Nachrichten« überbracht, heißt es in dem Bericht – ohne genauere Erläuterungen. Ein Wächter habe bemerkt, dass Zygier »verweint, nervös und aufgewühlt« ausgesehen habe. Als die Familie die Zelle verließ, soll Zygier versucht haben, seiner Frau einen Zettel zuzustecken. Der Wärter habe dies bemerkt und verboten. Daraufhin habe Zygier den Zettel zerfetzt. Die Wärter informierten die Sozialarbeiterin über die Vorkommnisse. Da es jedoch nicht das erste Mal gewesen sei, dass Zygier wütend und aufgeregt war, habe sie dem Vorfall keine Bedeutung beigemessen.

Übung In den letzten Stunden seines Lebens wurde Zygier nicht mehr ordnungsgemäß überwacht, so die Richterin. Unter anderem lag das an einer Übung im Gefängnis: Der verantwortliche Wärter verließ den Trakt, die Kamera in Zygiers Duschraum funktionierte zudem nicht. Als der Wärter gegen acht Uhr zurückkehrte, fand er den Gefangenen an einem Laken erhängt.

Alle Wärter hätten an diesem Tag die beste Absicht gehabt, ihre Vorschriften zu erfüllen, schreibt die Richterin. Es sei ihnen jedoch nicht gelungen.

Debatte

Völkerrecht und Iran-Krieg: Merz spricht von einem Dilemma

Es sei nicht der Moment, »unsere Partner zu belehren«, sagt der Kanzler zu den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran. Verurteilungen und Sanktionen hätten gegen Teheran wenig ausgerichtet

 01.03.2026

Zusammenfassung

Israels Armee: Wir greifen Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass etliche hochrangige Militärs wie Generalstabschef getötet wurden

 01.03.2026

Iran

IDF: Chamenei war der Letzte auf der Terroranführer-Liste des 7. Oktober

Die israelische Armee hat bekannt gegeben, dass mit Chamenei der letzte der für die Massaker des 7. Oktober verantwortlichen Anführer eliminiert sei

 01.03.2026

Israel

Netanjahu kündigt Intensivierung von Angriffen auf Teheran an

In dieser Offensive setze Israel »wie nie zuvor« die gesamte Kraft der Armee ein, sagt der Premier

 01.03.2026

Iran-Krieg

Zwischen Jubel und Ungewissheit

Wie Israelis auf den Tod des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei reagieren

von Sabine Brandes  01.03.2026

Luftfahrt

Bericht: Israels Staatsflugzeug zum Berliner Flughafen gebracht

Wegen des Kriegs gegen den Iran: »Flügel Zions« parkt nun am Flughafen BER

 01.03.2026

Israel

Neun Tote bei Einschlag iranischer Rakete in Synagoge in Beit Schemesch

Ein Haus, bei dem es sich um eine Synagoge handeln soll, wurde direkt von einer iranischen Rakete getroffen. Sechs Menschen werden weiterhin vermisst

 01.03.2026 Aktualisiert

Schweiz

Drohung gegen koscheren Supermarkt

In Zürich ist es am Samstagabend zu einem Großaufgebot der Polizei vor jüdischen Einrichtungen gekommen

von Nicole Dreyfus  01.03.2026

Deutschland

Warnung vor Terror-Gefahr in Deutschland wegen Iran-Krieg

Wegen des Krieges in Nahost rechnet der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer »gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland«

 01.03.2026