Jerusalem

Mirjam Bolle ist älteste Holocaust-Überlebende

Mirjam Bolle im Jahr 2016 Foto: picture alliance / AP Photo

Nach dem Tod der US-Amerikanerin Rose Girone ist die 107 Jahre alte Mirjam Bolle, geborene Levie, die älteste Holocaust-Überlebende. Die Israelin, die am 20. März 108 Jahre alt wird, ist zudem letzte Überlebende des Amsterdamer »Judenrates«.

Als orthodoxe Jüdin und Zionistin wollte die gebürtige Niederländerin mit ihrem Verlobten Leo Bolle nach Palästina auswandern. Er ließ sich bereits 1939 dort nieder. Doch die deutsche Besetzung der Niederlande machte die gemeinsamen Pläne 1940 zunichte.

Als Mitglied des »Judenrates« war sie zunächst von der Deportation ausgenommen, wurde aber 1943 während einer Razzia erst ins Sammellager Westerbork, dann im Januar 1944 ins KZ Bergen-Belsen deportiert.

Sechs Monate später kam sie frei - im Rahmen des einzigen Gefangenenaustauschs in das britisch besetzte Palästina, wo sie sich mit ihrem Mann eine neue Existenz aufbaute.

»Andreaspenning« für Aufklärungsarbeit

Im September 2024 wurde Bolle für ihre Bemühungen, die Menschen über die deutsche Besatzung der Niederlande (1940-1945) aufzuklären, mit einer der höchsten Auszeichnungen der Stadt Amsterdam geehrt, dem »Andreaspenning«.

Lesen Sie auch

Die israelische Botschaft in Berlin bestätigte unterdessen den Tod von Rose Girone. »Ihr Leben war ein Zeugnis des Überlebens und der Stärke«, hieß es in einer Mitteilung. Die polnisch-amerikanische Zeitzeugin starb am Montag im Alter von 113 Jahren in New York.

1938 wurde sie in Breslau Zeugin der November-Pogrome und erlebte, wie die Nazis die Stadt zerstörten, die Synagoge niederbrannten und jüdische Bücher verbrannten. 1939 erhielten sie und ihr zwischenzeitlich verhafteter Mann ein chinesisches Visum und reisten nach Shanghai.

Strickgeschäfte und Erfahrungsberichte

1947 emigrierte die Familie in die USA. Bekannt wurde Girone - nach ihrer Scheidung im Jahr 1948 heiratete sie später Jack Girone - auch als strickende Immigrantin: Sie eröffnete Strickgeschäfte in den USA. Auch sprach sie öffentlich über ihre Erfahrungen in der NS-Zeit.

Weltweit schätzt die jüdische Claims Conference die Zahl der verbliebenen Holocaust-Überlebenden auf rund 220.000. In Deutschland zählen Margot Friedländer (103) und Albrecht Weinberg (99) zu den ältesten. kna

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026