Nahost

Katz fordert zur temporären Evakuierung von Westjordanland auf

Außenminister Israel Katz Foto: Flash90

Der israelische Außenminister Israel Katz hat am Mittwoch auf X geschrieben, Israel solle im Rahmen eines großen Anti-Terror-Einsatzes im nördlichen Westjordanland in Erwägung ziehen, Palästinenser vorübergehend aus ihren Häusern zu evakuieren. Katz, der für seine kontroversen Posts in den sozialen Medien bekannt ist, nannte die Militäroperation »in jeglicher Hinsicht einen Krieg«, den man gewinnen müsse.

»Wir müssen mit der Bedrohung genauso umgehen wie mit der Terror-Infrastruktur in Gaza, einschließlich der vorübergehenden Evakuierung palästinensischer Zivilisten und anderer erforderlichen Schritte«, schrieb er und führte aus, dass die israelische Armee daran arbeite, ein vom Iran unterstütztes Netzwerk zu zerschlagen, das im Westjordanland aufgebaut werde, um eine Terrorfront gegen Israel zu bilden.

Dem Iran warf er vor, dies nach dem Modell zu initiieren, das er im Libanon und im Gazastreifen verwendet habe. Dort würden Terroristen finanziert, bewaffnet und moderne Waffen aus Jordanien eingeschmuggelt.

Landwirtschaftsminister unterstützt Aussage von Katz

Laut der israelischen Tageszeitung »Israel Hayom« hatte Katz kürzlich bei einem Treffen hinter geschlossenen Türen mit Anführern von Siedlerverbänden bereits ähnliche Bemerkungen zu einer Evakuierung der palästinensischen Stadt Dschenin gemacht.

Landwirtschaftsminister Avi Dichter, ein ehemaliger Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, unterstützte die Aussage in einem Interview im Armeeradio, wo er sagte: »Wenn wir Menschen evakuieren müssen, um unsere Soldaten zu schützen, werden sie evakuiert. Sie werden nicht ins Ausland geschickt – sie werden evakuiert und danach kehren sie nach Hause zurück.«

Nach Darstellung der IDF sei das Ziel des umfassenden Einsatzes, jenes Terrornetzwerk vor allem in den Städten Dschenin und Tulkarem zu zerschlagen. Im palästinensischen Westjordanland ist die Gewalt seit Beginn des Gaza-Kriegs explodiert. Sowohl zwischen Palästinensischen Terroristen und israelischen Soldaten als auch durch Angriffe von extremistischen jüdischen Siedlern gegen die palästinensische Zivilbevölkerung.

»Von etwaigen Evakuierungsplänen ist mir nichts bekannt.«

Ein Sprecher der IDF gab an, Hintergrund des Großeinsatzes sei eine zuletzt deutlich gestiegene Anzahl von Terroranschlägen gegen Israelis durch Attentäter, die aus dieser Region stammten. Er verwies dabei auch auf die jüngste Explosion eines Sprengsatzes im Zentrum der Metropole Tel Aviv, bei dem der Attentäter getötet und ein Passant verletzt worden waren. Der Täter sei aus dem nördlichen Westjordanland gekommen.

Nach palästinensischen Angaben seien bei dem Einsatz bisher mindestens zehn Menschen getötet worden. Die IDF erklärte, bewaffnete Terroristen habe man aus der Luft und vom Boden aus ausgeschaltet, versteckte Sprengsätze demontiert und eine große Menge an Waffen konfisziert.

Auch sollen mehrere gesuchte Palästinenser festgenommen worden seien. Von etwaigen Evakuierungsplänen der Zivilbevölkerung im nördlichen Westjordanland sei ihm jedoch nichts bekannt, fügte der Armeesprecher noch hinzu.

Zur selben Zeit rief die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen die Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) dazu auf, sich gegen Israel zu erheben und »dem heiligen Kampf unseres Volkes anzuschließen«. Sie lobte die Palästinenser, die gegen die israelischen Soldaten kämpften. Ziel der Hamas sei die Ausweitung des Krieges in Gaza auf das Westjordanland, bestätigte die Gruppe.

Der bewaffnete Flügel der Fatah-Partei, der palästinensischen Fraktion unter der Führung von PA-Präsident Mahmoud Abbas, erklärte, dass er an den Kämpfen teilnehme und unter anderem Bomben gegen Israels Truppen feuere.

Israel betont, Maßnahmen seien zum Schutz von Zivilisten

Palästinensische Zivilisten in Gaza äußerten Befürchtungen, dass die Räumungen der Armee während des Krieges zwischen Israel und der Hamas dauerhaft sein könnten. Israel jedoch betont, die Maßnahmen seien notwendig, um Zivilisten zu schützen, die bei den Kämpfen ins Kreuzfeuer geraten könnten.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu sagte mehrfach, dass Israel nicht die Absicht habe, Gaza dauerhaft zu besetzen oder seine Zivilbevölkerung zu vertreiben. »Israel bekämpft Hamas-Terroristen, nicht die palästinensische Bevölkerung.« Auch die USA haben wiederholt klargemacht, dass sie keine dauerhafte israelische Besatzung des Gazastreifens dulden würden.

Der Krieg zwischen der Hamas und Israel war am 7. Oktober ausgebrochen, als die Hamas israelische Gemeinden im Süden des Landes überfiel, bei einem unvergleichlichen Massaker mehr als 1200 Menschen tötete und 253 Geiseln in den Gazastreifen verschleppte.

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