Tel Aviv

Messerattacke im Bus

Zwölf Menschen sind bei einem Anschlag auf einen Bus in Tel Aviv verletzt worden. Foto: Flash 90

Zwölf Menschen sind bei einem Anschlag auf einen Bus in Tel Aviv verletzt worden. Vier von ihnen befinden sich nach Angaben der Sicherheitskräfte in kritischem Zustand. Am frühen Mittwochmorgen gegen 7.15 Uhr hatte offenbar ein 23-jähriger Palästinenser Passagiere in der Linie 40 mit einem Messer angegriffen.

Nach ersten Angaben der Polizei hatte der Busfahrer Herzl Biton versucht, den Terroristen aufzuhalten, kämpfte mit ihm und wurde dabei selbst verletzt. Er wird derzeit in einem Tel Aviver Krankenhaus operiert.

Sicherheit Der Fahrer eines Wagens der Gefängnisaufsicht, der zufällig hinter dem Bus fuhr, sah dessen auffällige Fahrweise und eilte zu Hilfe. Zunächst gelang es dem Angreifer, per Fuß zu flüchten. Dann jedoch stoppten Sicherheitskräfte ihn mit einem gezielten Schuss ins Bein. Hamas bezeichnete den Anschlag des Mannes aus Tulkarem derweil im Internet als »heroisch und mutig«.

Premierminister Benjamin Netanjahu beschuldigte die Palästinensische Autonomiebehörde für den Anschlag: »Dies ist eine direkte Folge der giftigen Aufwiegelung geen Juden und ihren Staat. Derselbe Terror versucht, uns in Paris, Belgien und anderswo zu treffen«, sagte er.

Die Vorsitzende der Linkspartei Meretz, Zahava Gal-on verurteilte die Messerattacke ebenfalls. Sie fügte jedoch hinzu, dass man politische Aufwiegelung vermeiden solle. »Der einzige Weg, mit Terror umzugehen ist es, die Gründe und Motivationen anzugehen.«

Oppositionsführer Isaac Herzog machte klar, dass seine Arbeitspartei die Armee, Polizei und den Geheimdienst vollstens unterstützen werden, denn es werde nicht akzeptiert, dass Israelis Angst hätten, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. Er zeichnete gleichzeitig ein düsteres Bild: »Es gibt keinerlei Sicherheitsgefühl für Israelis. Nicht in Jerusalem, Gaza, Tel Aviv.«

Ein israelischer Augenzeuge berichtete im Morgenfernsehen von dem Horror: »Wir standen in einem Auto etwas hinter dem Bus. Plötzlich sehen wir Menschen rennen und hysterisch schreien und weinen. Es war so verwirrend. Und wir hatten Angst, dass der Terrorist auf uns zukommt. Dann rasten schon die Ambulanzfahrzeuge an und nahmen alle Verletzten mit.«

Zentrum Die gesamte Gegend, die sich im Zentrum der Stadt befindet, ist derzeit abgesperrt. Einzig Kranken- und Polizeiwagen werden durchgelassen. Die Polizei durchkämmt die Straßen auf der Suche nach etwaigen Komplizen. Lange Staus sind die Folge, Tausende kamen zu spät zur Arbeit.

Derweil schicken Israelis über die sozialen Netzwerke Genesungswünsche an die Verletzten und deren Angehörige. Auch der australische Botschafter Dave Sharma twitterte: »Ich bin erschüttert über die Nachrichten eines schwerwiegenden Messerangriffs auf einen Bus in Tel Aviv. Hoffe, dass alle Verletzten überleben.«

Erst im November wurde ein junger Soldat von einem palästinensischen Terroristen bei einer Messerattacke in der Nähe der Tel Aviver Hagana-Bahnstation so schwer verletzt, dass er kurz darauf starb.

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Westjordanland/Gaza

Umfrage: Große Mehrheit lehnt Hamas-Entwaffnung vor einem israelischen Rückzug ab

Die Hintergründe

von Sabine Brandes  15.10.2026

Bericht

Netanjahu soll Trump zu Iran-Angriff vor der Wahl gedrängt haben

Der israelische Premier hat angeblich den US-Präsidenten gebeten, den Krieg vor den Wahlen wieder aufzunehmen. In Washington sieht man dabei auch innenpolitisches Kalkül

von Sabine Brandes  15.10.2026

Israel

Vor Schicksalswahl: Eisenkot verspricht Ende der Hamas-Herrschaft in 18 Monaten

Ex-Generalstabschef Eisenkot wirft Benjamin Netanjahu vor, die Kriegsziele im Gazastreifen verfehlt zu haben. Sollte er Regierungschef werden, kündigt er einen klaren Zeitplan an

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Wirtschaft

Käsekrise

Was nach einem Lieferengpass im Supermarkt aussieht, steht für ein großes Problem. Weil ausländische Techniker Israel meiden, stehen immer häufiger Maschinen still

von Sabine Brandes  15.10.2026

Diplomatie

Kolumbien verlegt Botschaft nach Jerusalem

Unter dem linken Präsidenten Petro brach Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nun schlägt die neue Regierung einen anderen Kurs ein

 15.10.2026

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026