Vereinte Nationen

Mehrheit gegen Trump

128 Staaten, darunter Deutschland, stimmten für die Resolution und nur neun dagegen. Foto: dpa

Am Donnerstagabend nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit überwältigender Mehrheit eine Resolution an, die die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA für »null und nichtig« erklärt.

128 Staaten, darunter Deutschland, stimmten dafür und nur neun dagegen. 35 Nationen enthielten sich, 21 traten nicht zur Abstimmung an. Ein dramatischer Verlust für US-Präsident Donald Trump. Der hatte zuvor vor finanziellen Konsequenzen für jene Staaten gewarnt, die der Resolution zustimmen. »Wir werden viel sparen. Uns ist es egal«, sagte er anschließend lapidar.

Dennoch schlugen die meisten Nationen diese Warnungen in den Wind und sprachen sich gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel aus. Darunter alle Weltmächte außer den USA, die wichtigsten Länder Europas und, wie zu erwarten, sämtliche arabischen Staaten. Die Europäische Union hatte zuvor deutlich gemacht, dass eine Änderung des Status von Jerusalem lediglich in einem Abkommen zwischen Israel und den Palästinensern erfolgen dürfe.

Botschaft Mehr noch als eine Absage an Israels Regierung war das Geschehen auf dem Parkett der UN indes eine deutliche Botschaft des Großteils der Welt, dass man Trump und seinen Regierungsstil ablehnt. Dieser hatte vor der Abstimmung gedroht, man werde »genau hinschauen, wer sich gegen die USA stellt«, und angekündigt, die finanziellen Hilfen für all jene zu kürzen, die Washington nicht unterstützen. Experten gehen jedoch davon aus, dass dies eine leere Drohung war. Verschiedene amerikanische Offizielle haben bereits begonnen, die Erklärung zu relativieren.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verkündete nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses in einem Video auf Facebook, dass seine Regierung diese »groteske Resolution« komplett ablehne, und bezeichnete die UN als ein »Lügenkonstrukt«. »Jerusalem ist unsere Hauptstadt, sie war es immer und wird es immer sein.«

Gleichzeitig versuchte er, der Abstimmung etwas Positives abzugewinnen: »Ich erkenne die wachsende Zahl der Länder an, die sich weigern, bei diesem absurden Theater mitzuspielen, und möchte vor allem Präsident Trump und Botschafterin Haley danken, dass sie Israel und damit die Wahrheit eisern verteidigen.«

Beleidigung Nikki Haley, die amerikanische Vertreterin bei den Vereinten Nationen, wiederholte Trumps Androhung von Konsequenzen. Viele Staaten bezeichneten dies als diplomatischen Fauxpas. Am Montag zuvor hatte Haley bei einer ähnlichen Resolution im Sicherheitsrat von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht. Dazu erläuterte Haley, die Resolution sei eine »Beleidigung, die nicht vergessen wird. Die USA haben schließlich das Recht, zu entscheiden, wohin sie ihre Botschaft verlegen«.

Dieses Veto war es, das die Palästinenser dazu gebracht hatte, die Generalversammlung anzurufen, denn darin gibt es kein Vetorecht. Dafür ist eine Entscheidung auch nicht rechtlich bindend. Oft jedoch spiegelt sie die Stimmung zu Kernfragen in der Welt wider.

Nachrichten

Lied, Entschuldigung, Ersparnisse

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  04.03.2026

Reportage

19-mal Alarm am Schabbat

Wenn sich iranische Raketen nähern und die Sirenen schrillen, rennen die Menschen um ihr Leben. Israels Bevölkerung im Alltag eines neuen Krieges

von Sabine Brandes  04.03.2026

Gespräch

»Wir können damit umgehen«

Brigadegeneral Ilan Biton, ehemaliger Chef der israelischen Luftabwehr, über die iranischen Angriffe, Drohnen der Hisbollah und die Effektivität der israelischen Verteidigung

von Detlef David Kauschke  04.03.2026

Lod

Israelischer Luftraum und Ben-Gurion-Flughafen werden für Rückholaktion geöffnet

Reguläre Flüge von und nach Israel starten zunächst bis Donnerstagfrüh nicht. Gestrandete Passagiere nach Hause zu fliegen, hat Vorrang

 04.03.2026

Israel

Masal tow im Bunker

Ein israelisches Brautpaar aus Tel Aviv heiratete im unterirdischen Bunker, während oben die Sirenen heulten

von Nicole Dreyfus  04.03.2026

Iran

Anatomie eines Konflikts

Der gemeinsame Krieg Israels und der USA gegen das Mullah-Regime ist eine historische Zäsur in Nahost

von Sabine Brandes  04.03.2026

Interview

»Es ist ein gerechter Krieg«

Oppositionsführer Yair Lapid unterstützt die Präventivschläge Israels und der USA gegen den Iran

von Sabine Brandes  04.03.2026

Nahost

Israel startet Angriffswelle im Iran - Raketen auf Tel Aviv

Die israelischen Streitkräfte (IDF) greifen erneut Ziele in Teheran an. Im Visier: Ziele der iranischen Führung

 04.03.2026

Jerusalem

Schriftrollen im Schutzraum

Wertvolle Kunstschätze des Israel Museums sind vor Raketenangriffen in Sicherheit gebracht worden

von Detlef David Kauschke  04.03.2026