Armee

Mehrheit für die Gleichheit

Die Knesset hat am Mittwoch dem Gesetzesentwurf zugestimmt, der die Einberufung ultraorthodoxer Männer zum Wehrdienst vorsieht. 67 der 120 Abgeordneten stimmten für den Entwurf. Die Opposition hatte die Abstimmung boykottiert. Die einzige Nein-Stimme kam von dem Parlamentarier Yoni Chetboun, Mitglied der nationalreligiösen Partei Jüdisches Haus.

kooperativ Die Knesset-Abgeordnete Ayelet Shaked, ebenfalls vom Jüdischen Haus, begrüßte hingegen das Ergebnis: »Dies ist ein wichtiges, historisches Gesetz. 65 Jahre lang gab es eine Ausnahme für Jeschiwa-Studenten bezüglich der Wehrpflicht. Die Änderungen, die die Regierungskoalition nun vornimmt, sind ausgewogen und korrekt.«

An die Adresse der charedischen Bevölkerung gewandt, fügte Shaked hinzu: »Wenn die charedische Führung kooperativ ist, wird es keine Zwangseinberufungen geben.« Shaked war die Vorsitzende eines Knesset-Ausschusses, der bereits seit Monaten beriet, wie Änderungen bezüglich des Wehrdienstes umgesetzt werden können, des sogenannten Shaked-Komitees.

Wirtschaftsminister Naftali Bennett (Jüdisches Haus), ein vehementer Befürworter der Wehrpflicht für alle, twitterte gleich nach der Knesset-Entscheidung: »Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln und unsere charedischen Brüder ins Wirtschaftsleben und in die Armee bringen. Die Zeit ist reif für Einigkeit.« Gegner der Wehrpflicht für streng Religiöse haben bereits angekündigt, gegen das Gesetz beim Obersten Gericht Klage zu erheben.

Protest Schon vor fast zwei Jahren hatte das Oberste Gericht verkündet, dass das sogenannte Tal-Gesetz, das Charedim vom Wehrdienst befreite, nicht mit der Verfassung vereinbar sei, da es den Gleichbehandlungsgrundsatz missachte. Das Gericht befand, dass auch ultraorthodoxe Männer ihren Dienst leisten müssen. Bisher galt das jedoch lediglich auf dem Papier. Diese Anweisung wurde so gut wie nicht umgesetzt.

Die derzeitige Regierungskoalition hatte angekündigt, mit der Anweisung nun endlich ernst zu machen. Am ersten Märzwochenende legten Hunderttausende charedischer Demonstranten bei einem Protestmarsch gegen ihre Einberufung zur Armee ganz Jerusalem lahm.

Vor einigen Tagen demonstrierten etwa 50.000 Ultraorthodoxe in New York aus Solidarität mit ihren israelischen Glaubensbrüdern gegen die Wehrpflichtreform.

BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Eine spanische Gewerkschaft fordert von der Firma CAF, die Arbeiten an den Tel Aviver Wagen einzustellen. Doch die weigert sich standhaft

von Sabine Brandes  18.06.2026

Pride

»Wir verstecken uns nicht mehr«

In Tel Aviv erlebt die LGBTQ+-Szene Akzeptanz und Freiheit. Doch bis dahin war es ein langer Weg

von Sabine Brandes  18.06.2026

Libanon

Bericht: Israel führt »hartnäckige« Verhandlungen mit USA

Während Trump das Rahmenabkommen unterzeichnet, gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah weiter. Aus israelischen Kreisen heißt es, man werde nicht nicht von der Positionen abrücken, Truppen in der »Pufferzone« südlich des Litani-Flusses zu halten

von Sabine Brandes  18.06.2026

Diplomatie

Israel bricht Beziehungen zu EU-Außenbeauftragter Kallas ab

Außenminister Gideon Sa’ar will mit Kaja Kallas so lange nicht mehr reden, bis sie sich für ihren angeblichen Vorwurf, Israel praktiziere Apartheid, entschuldigt

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Essen

»Schakschuka ist der Favorit«

Der deutsch-israelische Koch Tom Franz hat ein Buch über das Frühstück geschrieben. Hier spricht er über geflochtenen Lachs, clevere Vorräte und die Frage, warum er die erste Mahlzeit des Tages auslässt

von Katrin Richter  18.06.2026

Krieg

Hisbollah-Sprengsatz tötet israelischen Soldaten, verletzt sieben weitere

Eigentlich soll das Rahmenabkommen der USA mit dem Iran auch die Front im Südlibanon umfassen. Vorerst setzen die vom Iran unterstützte Hisbollah und Israel ihre Angriffe hier aber fort

 18.06.2026

Jerusalem

Netanjahu unter Druck: Wird der Iran-Krieg zum Bumerang?

Der Ministerpräsident versprach einen Triumph, Kritiker sprechen von einer Niederlage. Wie der Iran-Krieg Israels Verhältnis zu den USA und Trumps Loyalität auf die Probe stellt

von Sara Lemel  18.06.2026

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026

Terror

Juden für Iran ausgespäht: Spionageprozess beginnt

Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt der Prozess gegen zwei Männer, die im Auftrag des Irans gezielt Juden und Israel-Freunde für Anschläge ausgespäht haben sollen

 17.06.2026