Israel

Mehr als 3000 Corona-Fälle an einem Tag

Passanten in der Allenby-STraße in Tel Aviv Foto: Flash 90

Erstmals seit Beginn der Pandemie sind in Israel an einem Tag mehr als 3000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus erfasst worden. Das Gesundheitsministerium teilte am Donnerstag mit, am Vortag seien 3074 neue Fälle registriert worden. Den dritten Tag in Folge wurde damit ein Rekordwert verzeichnet. Am Dienstag waren es 2183 Fälle gewesen.

Am Dienstag waren in Israel mit Ende der Sommerferien die Schulen und Kindergärten unter Corona-Beschränkungen wieder geöffnet worden - trotz der hohen Ansteckungsrate. Rund 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche lernen in Schulen oder gehen in Krippen. Eigentlich war es Ziel der Regierung gewesen, die Zahl der Neuinfektionen zuvor deutlich zu drücken.

CORONA-BEAUFTRAGTER Israels Corona-Beauftragter Ronni Gamzu steht in der Krise stark unter Druck. Er hat im Bemühen um Eindämmung der Seuche mit deutlichem Widerstand zu kämpfen. So hatte Chaim Kanievsky, ein führender Rabbiner innerhalb der charedischen (ultraorthodoxen) Gemeinschaft, jüdische Religionsstudenten dazu aufgerufen, sich nicht auf das Coronavirus testen zu lassen.

Der israelische Coronabeauftragte kritisierte die Aussagen von Rabbiner Chaim Kanievsky als »Gefahr für die ultraorthodoxe Öffentlichkeit«.

Die Tests drohten tausende von Studenten in Quarantäne zu bringen. Damit verschwendeten sie Zeit, die sie sonst mit dem Lernen der Thora verbrächten, sagte Kanievsky laut israelischen Medienberichten . Er forderte die Dekane an Jeschiwot dazu auf, keine Coronavirus-Tests durchzuführen.

Lehrpersonal aus Risikogruppen solle stattdessen Distanz zu den Studierenden halten, um zu verhindern, dass ein Covid-19-Ausbruch den Lehrbetrieb unterbreche. Ausgenommen seien religiöse Oberschulen, an denen nicht in Kleingruppen gelernt werde und deren Schüler durch die tägliche Rückkehr nach Hause ein Risiko für andere darstellten.

QUARANTÄNE Zuvor hatte Kanievsky laut Medien bereits dazu aufgerufen, Studierende nicht in Quarantäne zu schicken, wenn diese mit Covid-19-Infizierten in Kontakt gekommen seien. Der Direktor des Jeschiwot-Kontrollausschusses, Benjamin Cohen, gab laut Berichten an, dass rund 500 der insgesamt 25.000 Studierenden an 150 Jeschiwot positiv auf Covid-19 getestet wurden. Sie befänden sich in Quarantäne-Bereichen der Lehreinrichtungen.

Der israelische Corona-Beauftragte Gamzu kritisierte die Aussagen Kanievskys als »Gefahr für die ultraorthodoxe Öffentlichkeit«.

UMAN-REISEN In manchen strengreligiösen Kreisen gibt es unterdessen Kritik an Gamzu wegen eines Briefs, den der Corona-Beauftragte an den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, geschrieben hatte. Darin hatte er dazu aufgerufen, die Einreise von Israelis in die Ukraine zu verhindern, um Corona-Ansteckungen zu verhindern.

Tausende ultraorthodoxer Israelis besuchen normalerweise zum jüdischen Neujahrsfest den Pilgerort Uman in der Ukraine. Der israelische Koalitionsvorsitzende Micky Zohar warf Gamzu daraufhin vor, er ermutige zu antisemitischen Übergriffen in der Ukraine.

Die Pandemie war in Israel auch wegen eines strikten Kurses der Regierung zunächst glimpflich verlaufen. Nach raschen Lockerungen im Mai schnellten die Fallzahlen jedoch in die Höhe. Insgesamt wurden nach Ministeriumsangaben bislang 122 539 Fälle erfasst. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag bei 969. dpa/kna

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