Kurzmeldungen

Mail aus Jerus@lem

technologie
Israels Inlandssicherheitsdienst Schabak hat in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten eine technologische Revolution durchgemacht – nicht zuletzt, um der technisch versierten, jüngeren Generation von Terroristen gewachsen zu sein. Heute hat modernste Technologie einen nicht unerheblichen Anteil an den Erfolgen, die der Dienst bei der Terrorismusabwehr verbuchen kann. Das hat kein Geringerer als Schabak-Direktor Juwal Diskin bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte erklärt. Details über ihre Hightech-Rüstkammer behalten die Schlapphüte für sich, doch würde sicherlich auch Agent 007, alias Leinwandheld James Bond, bei ihrem Anblick neidisch werden.

Türme
Israel wächst. In die Höhe. Nachdem sich der Bau von Wohnhochhäusern lange Zeit hauptsächlich auf Tel Aviv konzentriert hat, sprießen jetzt auch im weiteren Umfeld Wohntürme in die Höhe. So etwa wurden in dem 15 Kilometer landeinwärts gelegenen Petach Tikva im vergangenen Jahr sechsmal so viel Gebäude mit 16 oder mehr Stockwerken als in dem an Bevölkerung doppelt so reichen Tel Aviv in Angriff genommen. Auch Netanya und einige andere Orte haben die erste hebräische Stadt der Moderne im Jahre 2010 in Sachen Turmbau überholt. Dabei leben keineswegs alle Israelis gern in Wolkenkratzern; die meisten träumen von einem Häuschen im Grünen. Die immer bedrückendere Bodenknappheit macht ein Umdenken jedoch unausweichlich. Wer es geräumiger haben möchte, braucht sehr viel Geld oder eine Adresse in entlegenen Landesteilen wie dem Negev beziehungsweise Galiläa.

Trennung
Dürfen israelische Seeleute Ausländerinnen heiraten? So absurd, wie diese Frage erscheint, ist sie vielleicht nicht. Ejal Harpas, zweiter Deckoffizier auf einem israelischen Handelsschiff, hat vor vier Jahren die philippinische Auserwählte seines Herzens, Joy, geheiratet. Seitdem lebt das Paar in Eilat. Kürzlich aber bekam die Ehefrau, die eigentlich auf ihre Einbürgerung wartet, eine Benachrichtigung über ihre bevorstehende Ausweisung aus Israel. Der Grund: Da Ejal einen Großteil seiner Zeit auf See verbringe, müsse das Paar als in Trennung lebend gelten. Daher sei die Ausweisung wegen Scheinehe angesagt. Erst nachdem die Eheleute gegen den Bescheid geklagt haben, räumte das Ministerium ein, der Fall sei »außergewöhnlich« und sagte immerhin eine Prüfung zu.

Transport
Die 27-jährige Schirin Muhammad Salamin lebt südlich von Jericho. Vor einigen Tagen setzten bei der hochschwangeren Frau die Geburtswehen ein. Da sich keine zivile Beförderungsmöglichkeit zum Krankenhaus finden ließ, wurde die werdende Mutter von einem israelischen Armeekrankenwagen Richtung Jerusalem abtransportiert – das Kind kam in dem Wagen auch zur Welt. Anschließend wurden die Mutter und der an Atmungsschwierigkeiten leidende Kleine ins Hadassa-Krankenhaus gebracht, wo der Junge wieder stabilisiert werden konnte. »Leben zu retten« erklärte der Sanitäter – und Geburtshelfer – Gilad Nescher, »ist ein großartiges Erlebnis«. Wie gut, dass es im israelisch-palästinensischen Verhältnis immer wieder Begebenheiten gibt, die Grund zur Hoffnung geben.

Trunk
Das Ehepaar Peri aus Jerusalem war froh, einen guten und verantwortungsvollen Anstreicher für ihre renovierungsbedürftige Wohnung gefunden zu haben. Bis die Eheleute eines Morgens nach dem Genuss des ihnen vom netten Handwerker zubereiteten Kaffees in Tiefschlaf fielen, aus dem sie erst am Abend erwachen konnten. Eine medizinische Untersuchung ergab, dass sie mit einem starken Schlafmittel traktiert worden waren, das die Polizei am Tage darauf im Besitz des Anstreichers fand. Wie sich herausstellte, hat der Anstreicher bereits früher auch einen Bekannten der Peris in den Schlaf befördert. Allerdings wurde bei den Peris nichts, bei ihrem Bekannten möglicherweise nur ein Bagatellbetrag gestohlen. Jetzt versucht die Polizei, etwaige weitere Opfer zu finden, vor allem aber, das zugrunde liegende Motiv des Täters zu ermitteln.

Tierwelt
Über die israelischen Erdgasfunde vor der Mittelmeerküste freuen sich nicht alle. Die internationale Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) hat gewarnt, die Gasförderung, 135 Kilometer vor Haifa, drohe, die Lebensumwelt zahlreicher Meerestiere, die in Bodennähe lebten, ernsthaft zu beeinträchtigen. Zu den betroffenen Arten gehören unter anderem Korallen, Weichtiere und Krebse. Daher müsse bei der Förderung eine Gefährdung der Meeresbewohner verhindert werden. Eine ähnliche Aufforderung haben die Naturschützer auch an Ägypten gerichtet, das eigene Offshore-Vorkommen erschließen will. Wie wirksam die ökologisch zweifelsohne gebotene Forderung sein wird, muss sich angesichts der milliardenschweren Wirtschaftsinteressen erst zeigen.

Tapferkeit
Eine tapfere Frau ist allemal besser als eine tölpelhafte Polizei. Bereits seit Monaten fahndeten israelische Ordnungshüter nach einer Diebesbande, die in der Gegend von Sderot Firmen und Geschäfte betrat und unbeaufsichtigte Handtaschen leerte. Jüngst betrat einer der Diebe einen Betrieb, in dem die 36-jährige Judith Bdolach tätig ist. Als die wachsame Mitarbeiterin ihn nach dem Grund für seinen »Besuch« fragte, ergriff der Gast die Flucht – mit Judiths Brieftasche in der Hand. Kurz entschlossen verfolgte sie ihn auf den Parkplatz. Als er sich zu seinen beiden Komplizen in einem Taxi gesellte, setzte sie die Verfolgungsjagd mit dem Pkw fort, versperrte dem Taxi den Weg – ganz wie in einem Polizeischulungsfilm – und verfolgte die Diebe zu Fuß weiter. Da einer von ihnen hinkte, konnte die Bestohlene ihn einholen und so lange festhalten, bis die von Passanten alarmierte Polizei eintraf. Den Polizisten erklärte sie resolut: »Ich lasse es nicht zu, dass jemand mich oder sonst irgendwen bestiehlt«.

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