Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Viel besser als der Fernseher: ein Computer Foto: imago

Berieselt
Klagen über übermäßigen Fernsehkonsum israelischer Jugendlicher werden bald passé sein. Allerdings nicht etwa, weil die junge Generation aufs Lesen umgestiegen wäre. Vielmehr wird das gute alte »Televisja« zunehmend vom PC verdrängt. Sechs von zehn Jugendlichen gaben bei einer Befragung an, Fernsehsendungen lieber auf dem Computerbildschirm zu verfolgen. Im Zuge der Informations- und Kommunikationsrevolution sehen sich vier von zehn Jugendlichen mindestens eine Stunde lang pro Tag Videos am Computer an. Jeder siebte verbringt bei dieser geistreichen Tätigkeit mehr als drei Stunden pro Tag. Sagte jemand: »Volk des Buches«?

Beraten
Wenn Gerichte Rechte der Bürger durch die Regierung verletzt wähnen, können sie das Kabinett zu einem Kurswechsel zwingen. Allerdings wird das zuweilen teuer. So etwa errechnete das Finanzministerium, dass die vom Obersten Gericht im letzten Jahr verlangte Anerkennung des Kindermädchengehalts als steuermindernde Ausgabe der Staatskasse umgerechnet 1,2 Milliarden Euro pro Jahr entziehen würde. Das freilich würde eine Haushaltsumschichtung verlangen und letztendlich soziale Rechte anderer Bürger verletzen. Jetzt hat eine Gruppe von Knessetabgeordneten verlangt, die Gerichte zur Einstellung von Wirtschaftsberatern zu verpflichten. Diese sollen den Richtern vorrechnen, was ihre Urteile kosten würden. Erst danach könnten die Gerichtsherren die einschlägigen Beschlüsse fassen.

Benotet
Israels Polizei, nach eigener Auffassung hochprofessionell, nach Meinung vieler Israelis aber unzuverlässig, kommt jetzt auf einen objektiven Prüfstand. Im Auftrag der israelischen Regierung soll die angesehene kalifornische Forschungsfirma Rand Corporation die Arbeit und die Kommandostruktur bis in die letzte Ecke ausleuchten. Danach wird sich entscheiden, ob eine grundlegende Reform angesagt ist. Vorerst aber legte die Rand Corporation ihrerseits Effizienz an den Tag. Weil das Finanzministerium in Jerusalem den Preis der Studie – 1,6 Millionen Dollar – nicht tragen zu können glaubte, brachte Rand die Hälfte der veranschlagten Kosten als Spende von einem jüdisch-amerikanischen Philanthropen auf.

Begütert
Nach Angaben einer israelischen Marketingstudie verfügen höfliche Israelis über ein höheres Einkommen als ihre unhöflichen Landsleute. Die Teilnehmer wurden nach ihrem Verhalten gegenüber Senioren, Behinderten, ihrem Fahrstil, der lautstarken Nutzung von Handys in der Öffentlichkeit und anderen relevanten Parametern sowie nach ihrer Bildung und ihrem Einkommen gefragt. Die Schlussfolgerung der Marketingexperten: Es besteht keine Korrelation zwischen Bildungsstand und Höflichkeit. Dagegen seien höfliche Israelis vermögender. Natürlich könnte ein Laie auch die Frage stellen, ob der Kausalzusammenhang nicht andersrum gepolt ist: Wer mehr Geld hat, fühlt sich sicherer und kann sich deshalb mehr Höflichkeit erlauben.

Befähigt
Die israelische Busgesellschaft Connex, die eine Reihe von Verbindungen im öffentlichen Verkehr des Landes betreibt, bildet ihre Fahrer in der Zeichensprache aus. Damit sollen die Fahrzeuglenker zum Verständnis und zur Vermittlung grundlegender Botschaften an taube Fahrgäste befähigt werden: Guten Tag, Haltestelle, Aussteigen, Wechselgeld und anderes mehr. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit einer Hörgeschädigtenorganisation durchgeführt. Für den Fall, dass sich die neue Initiative als erfolgreich erweist, sollen andere Busgesellschaften zum Nachahmen ermuntert werden.

Belehrt
Die ultraorthodoxe Rettungs- und Bergungsorganisation ZAKA, die vor allem durch die Einsammlung von Leichenteilen nach Terroranschlägen weltweit bekannt wurde, errichtet Filialen auch im arabischen Sektor. Darauf hat sich die Organisation mit dem drusischen Vizeminister für Regionalentwicklung, Ajub Kara, geeinigt. Für den Fall, dass Todesopfer in nichtjüdischen Wohnorten zu bergen sind, sollen die arabischen Freiwilligen von Gelehrten ihrer jeweiligen Religion – Priester, Imame oder drusische Weise – in die erforderlichen Riten eingewiesen werden, nicht anders als es bei der Unterweisung jüdischer Freiwilliger durch ZAKA-Rabbiner der Fall ist.

Bestraft
Mit einem Preis von 60.000 Schekel (rund 12.000 Euro) hat eine Geschäftsführerin aus Jerusalem die wahrscheinlich teuerste Frisur des Jahres in Israel bekommen. Allerdings zahlt in diesem Fall der Friseur – und zwar als Schmerzensgeld. Was die Kundin beim Betreten des Salons nicht wusste: Der Friseur hatte mit Freunden gewettet, die Frau von einem kurz geschorenen Haarschnitt zu überzeugen. Als ihm das nicht gelang, verpasste der 52-Jährige dennoch seinem Opfer, unter Anwendung von Gewalt, die Igel-Haartracht. An die Konsequenzen hatte er wohl nicht gedacht. Jetzt wurde er vom Amtsgericht Jerusalem zur Entschädigung seines Opfers verurteilt.

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