Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Das Original: Korallenriff im Roten Meer Foto: imago

Gezüchtet
Ein wirklich repräsentatives Aquarium braucht ein eigenes Korallenriff. Das glauben – rund um den Globus – viele Firmen, Hotels, Restaurants und Geschäfte oder auch vermögende Privatbürger, die ihre Besucher beeindrucken möchten. Und wo Nachfrage herrscht, lässt das Angebot nicht lange auf sich warten: Israelische Wissenschaftler haben eine besonders ergiebige Methode für die Zucht farbenprächtiger Korallen entwickelt, die jetzt im Kibbuz Na’an wirtschaftlich verwertet werden soll. Die Initiatoren hoffen, dass sich ihre Produkte auf dem internationalen Markt zum Wohl der Natur wie zu ihrem eigenen Gewinn durchsetzen werden. Allerdings bauen die künstlichen Kolonien nicht auf einheimischen Korallen aus dem Roten Meer, sondern auf Importen aus Fernost auf.

gefeiert

In Deutschland wären Fotos von einer Veranstaltung zum »Führergeburtstag« aus dem Jahre 1936 keine Sensation. Jetzt aber sind historisch wertvolle Bilder einer von der Hitlerjugend im britischen Mandatsgebiet Paläs-tina zu Hitlers Ehren ausgerichteten Feier aufgetaucht. Die Festivität fand in der deutschen Templerkolonie Waldheim statt. Die Bilder – sie zeigen unter anderem vor einer Hakenkreuzfahne strammstehende Hitlerjungen – gelangten in den Besitz eines arabischen Arztes aus dem Dorf Jehudije, wurden während des israelischen Unabhängigkeitskrieges im Jahre 1948 von einem Kämpfer der Untergrundorganisation Irgun Tzwai Leumi gefunden, der sie aber 62 Jahre in seinem Haus unbeachtet liegen ließ. Erst jetzt gab der in die Jahre gekommene Veteran die Fotos zur Veröffentlichung frei. Die Bilder, deren Authentizität von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bestätigt wurde, erinnern an die unrühmliche Zeit, in der die deutsche Bevölkerung im Heiligen Lande in Scharen zu den Nazis überlief.

Gereist
In Israel sind ausgefallene Lebensläufe keine Seltenheit, doch ist der von Miri Wang auch nach israelischen Maßstäben außergewöhnlich. Die heute 21-Jährige wurde in China geboren. Der Wendepunkt ihres Lebens kam, als ihr Vater – ein chinesischer Bürger – Anfang der 90er-Jahre einen Rabbiner aus der Ukraine traf und sich für das Judentum zu interessieren begann. Vor 17 Jahren kam der Neugierige nach Israel, trat zum Judentum über, lernte an einer Jeschiwa und holte seine Frau und seine Tochter Miri nach. Zwei weitere Töchter wurden in Israel geboren. Miri wuchs als Israelin auf, diente in der Armee und arbeitete als Chinesisch-Lehrerin. Jetzt ist sie, wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichtete, erstmals wieder in ihr Geburtsland gereist: Bei der Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai ist die ebenso gut Chinesisch wie Hebräisch parlierende junge Frau als Hostess am israelischen Messestand tätig.

Gebaut
Die israelische Naturschutzbehörde bietet die ihr anvertrauten Gebiete als Investitionsstandorte an – und zwar für Kraftwerke. Allerdings sollen dort nicht fossile Energieträger verbrannt, sondern Windkraft genutzt werden. Die ökologisch gerechten Elektrizitätsanlagen werden, so der Plan, der Selbstversorgung der Naturschutzgebiete dienen. Überschüsse werden gegen staatlich festgelegten Tarif ins landesweite Stromnetz eingespeist. Dabei müssen potenzielle Investoren zwei Sonderkonditionen akzeptieren: Erstens sind die Turbinen an Plätzen aufzustellen, an denen sie die Landschaft nicht verschandeln. Zweitens müssen sich Rotoren horizontal drehen, damit die Gefährdung von Vögeln minimiert wird.

Geforscht
Jedes israelische Schulkind lernt die Namen der ersten Jerusalemer Stadtviertel, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts außerhalb der Altstadtmauern erbaut wurden, beispielsweise Mischkenot Scha’ananim, Mea Schearim oder Nachalat Schiw’a. Was die wenigsten wissen, ist, dass einige der damals gegründeten Stadtteile wieder verlassen wurden und verfielen. Jetzt legt die für archäologische Ausgrabungen zuständige Altertumsbehörde das älteste der vergessenen Wohnviertel wieder frei: Dschorat al-Anab, unweit des Jaffa-Tors und des unter osmanischer Herrschaft angelegten Jerusalemer Sultan-Staubeckens gelegen. Formal gesehen, verstößt die Behörde mit diesen Ausgrabungen gegen ihren gesetzlichen Auftrag: Als Altertümer gelten nämlich nur Stätten, die nicht jünger als zwei Jahrhunderte sind. Indessen glauben die Archäologen, dass die historische Bedeutung der vergessenen Viertel ihre Erforschung rechtfertigt.

Gefördert
Israels Regierung will den Fremdenverkehr in drusischen und tscherkessischen Dörfern des Landes fördern. Mit Hilfe einer Werbekampagne sollen jüdische Israelis zum Urlaub bei den Drusen und Tscherkessen animiert werden. Neben Ausflügen wird das anvisierte Besuchsprogramm auch die Teilnahme an örtlichen Festen und Veranstaltungen umfassen. Damit sollen die Gäste mit der Kultur der beiden Minderheiten vertraut gemacht werden. Mit der Förderaktion will das Kabinett nicht nur wirtschaftspolitisch nachhelfen, sondern – so kein Geringerer als Ministerpräsident Benjamin Netanjahu – auch seine Wertschätzung für die Drusen und Tscherkessen zum Ausdruck bringen. Bekanntlich dienen diese – anders als moslemische und christliche Araber – Seite an Seite mit den Juden in der israelischen Armee.

Geschieden
Vor vier Jahren meinte ein junger Israeli aus dem Landesnorden die Liebe seines Lebens gefunden zu haben und trug seiner neuen Freundin die Heirat an. Um die Seriosität seiner Gefühle zu beweisen, trug er in die Ketuba – die traditionelle Eheschließungsurkunde – einen mit 150.000 Schekel (30.000 Euro) besonders hohen, für den Scheidungsfall vorgesehenen Abfindungsbetrag ein. Indessen bekam er bereits am Tag nach der Trauung kalte Füße, verließ die frisch gebackene Ge-
mahlin und reichte die Scheidung ein. Die wurde vom Rabbinatsgericht jetzt auch gebilligt. Allerdings verpflichteten die Dajanim den wankelmütigen Gatten, der gedemütigten Frau den gesamten ihr damals zugesagten Abfindungsbetrag auszuzahlen. Schließlich, so die Richter, trage die junge Frau keine Schuld am Scheitern der kurzlebigen Ehe.

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der Podcaster schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ihn begleitet der Vorwurf, rechtsextreme Positionen Vorschub zu leisten. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026

Jerusalem

»Antisemitische Hetze« und »Aufruf zum Völkermord«: Streit zwischen Israel und Türkei eskaliert

Türkeis Außenminister hatte Israel als Problem für die Menschheit bezeichnet, das nicht länger ertragen werden könne

 07.07.2026

USA

Wie Ägyptens Nationaltrainer bei der Fußball-WM Lügen über Israel verbreitet

Politische Botschaften sind während des Turniers eigentlich verboten. Ägyptens Trainer lässt sich davon nicht beeindrucken

 07.07.2026 Aktualisiert

Hintergrund

UNRWA: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Israel-Lobby

Eine neue Studie der linksparteinahen Stiftung präsentiert jüdische und pro-israelische Organisationen in Deutschland pauschal als Sprachrohre der Regierung in Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  06.07.2026

Jerusalem

Erleichte Zulassung eingewanderter Psychologen

Im Ausland ausgebildete Psychologen sollen künftig schneller in Israel praktizieren können. Hintergrund ist auch die Krise der mentalen Gesundheit seit dem 7. Oktober

 06.07.2026

Unabhängige Medien

Angriff auf Israels größten Nachrichtensender

Ein maskierter Mann hat in der Nacht mit einem Backstein die Eingangstür des Kanals 12 zertrümmert. Journalisten warnen schon länger vor wachsender politischer Gewalt und zunehmender Hetze

von Sabine Brandes  06.07.2026

Jerusalem

Steht Israel vor einer Verfassungskrise?

Die Regierung will eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes nicht anerkennen. Kulturminister Zohar erwartet jedoch, dass sich der Premier dem Urteil beugen wird. Die Hintergründe

von Sabine Brandes  06.07.2026

Tel Aviv

Sasha Troufanov und Sapir Cohen: Emotionale Hochzeit zweier ehemaliger Geiseln in Israel

»Ihr wart die ganze Zeit an unserer Seite. Vielen Dank. Ich liebe euch«, sagte der Bräutigam unter der Chuppa. Unter den Gästen war auch Israels Präsident Isaac Herzog

 06.07.2026

New York

Adam Sandler traut Taylor Swift und Travis Kelce – Debatte über Israel-Haltung entfacht

Israelfeindliche Aktivisten werten die Mitwirkung des jüdischen Schauspielers als Hinweis auf eine mögliche Haltung der Sängerin im Nahostkonflikt

 06.07.2026