Proteste

Leuchtraketen in Netanjahus Garten gefeuert

Protest vor dem Privathaus des israelischen Premiers im September. Foto: Flash90

Seit Monaten stehen jeden Samstagabend Demonstranten vor dem Privathaus des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu in Caesarea. Die meisten verlangen einen Geiseldeal, Verantwortung für den 7. Oktober und Neuwahlen. Auch nach dem letzten Ende des Schabbats versammelten sich dort wieder Regierungsgegner. Dieses Mal seien von Demonstranten zwei Leuchtraketen gezündet worden, die in Netanjahus Garten landeten, gab die Polizei an.

Es wurde niemand dabei verletzt. Der Ministerpräsident und seine Familienmitglieder befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Residenz. Doch der Inlandsgeheimdienst Schin Bet spricht von einem »schwerwiegenden Vorfall und einer gefährlichen Eskalation«.  

Drei Israelis aus dem Norden des Landes wurden im Anschluss vorläufig festgenommen wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Vorfall. Alle gehören zur Protestbewegung gegen die Regierung Netanjahus, einer ist nach Angaben der Sicherheitskräfte ein Brigadegeneral in der Reserve der IDF. Ihnen wird vorgeworfen, Brandstiftung mit der Absicht der Körperverletzung begangen und mit einem Sprengsatz vorsätzlich Sachbeschädigung verursacht zu haben.

Justizminister will »Justizreform« wieder aktivieren

Der israelische Justizminister Yariv Levin verlangte nach dem Vorfall, dass die von ihm vorgeschlagene sogenannte »Justizreform« von der Koalition wieder aktiviert wird. Die angestrebte Umwälzung der Gerichtsbarkeit in Israel hatte vor dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober zu monatelangen Massenprotesten und einem Generalstreik im ganzen Land gesorgt.

»Ich lehne die Feststellung der Polizei und des Schin Bet, dass es sich um ‚einen schwerwiegenden Vorfall‘ handele, vollständig ab«, so Levin. Seiner Meinung nach sei dies stattdessen ein »Glied in einer Kette gewalttätiger und anarchistischer Taten, die darauf abzielen, den Premierminister zu ermorden und die gewählte Regierung durch einen gewaltsamen Putsch zu stürzen.«

Er persönlich kämpfe dafür, die Dinge von Grund auf zu ändern, so seine Worte. Dafür verlange er »eine Änderung der Zusammensetzung des Obersten Gerichtshofs, eine Reform des Rechtsberatungssystems der Regierung und ein Ende der selektiven Durchsetzung«, führte Levin aus.

Kritiker der sogenannten »Reform« hatten der rechtsreligiösen Koalition vorgeworfen, dass ihre geplante Schwächung der Justiz den Staat Israel in eine »Demokratie auf dem Papier« verwandeln würde.   

»Wir dürfen nicht zulassen, dass diese aufgeheizten Spannungen eskalieren.«

Am Sonntag verurteilte der israelische Präsident Isaac Herzog das Abfeuern der Leuchtraketen mit den Worten: »Wir dürfen nicht zulassen, dass diese aufgeheizten Spannungen eskalieren. Ich warne erneut vor einer Eskalation der Gewalt im öffentlichen Raum. Dies ist eine Frage von Leben und Tod.« Auch Oppositionsführer Yair Lapid forderte von der Polizei, die »Täter zu finden und vor Gericht zu bringen«. Der Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei, Benny Gantz, schloss sich der Verurteilung des Vorfalls ebenfalls an.  

Zur selben Zeit kritisierten Lapid und Gantz Levins Forderung scharf, das umstrittene Programm zur »Justizreform« wiederaufzunehmen. »Der von Yariv Levin angeführte Staatsstreich hat Israel eine Katastrophe beschert, uns von innen heraus zerrissen und war zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass wir den 7. Oktober erreicht haben«, schrieb Gantz auf der Plattform X.

»Die Tatsache, dass er die Idee einer Rückkehr zum Staatsstreich aufbringt, während die gesamte israelische Gesellschaft inmitten eines schwierigen Krieges mobilisiert ist, beweist nicht nur, dass er seine Lektion nicht gelernt hat – er ist auch eine verantwortungslose Person.«

Jerusalem

Netanjahu: »Wir schützen die ganze Welt«

Am 20. Tag des Krieges gegen den Iran äußerte sich Israels Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz ungewöhnlich ausführlich

von Imanuel Marcus  20.03.2026

Gefahr

Israel: Iran kann kein Uran mehr anreichern

Seit 20 Tagen attackieren Israel und die USA den Iran mit schweren Luftangriffen. Dem israelischen Ministerpräsidenten zufolge hat die gemeinsame militärische Operation bereits Ergebnisse gebracht

 19.03.2026

Alltag im Krieg

Mitgehört im Bunker ...

Schlaflos in Tel Aviv: Iranische Raketen halten in den Nächten die Israelis wach

von Sabine Brandes  19.03.2026 Aktualisiert

Krieg

Araghtschi droht mit Vergeltung für Angriffe auf Infrastruktur

Irans Außenminister droht mit massiver Vergeltung, sollte Israel erneut Öl- und Gasanlagen angreifen. Araghtschi stellt auch eine weitere Bedingung für ein Kriegsende

 19.03.2026

Westjordanland

Generalstabschef Zamir: »Bevor es zu spät ist«

Zwischen Warnung und Kontrollverlust: Israels Sicherheitselite schlägt Alarm wegen ausufernder Siedlergewalt

von Sabine Brandes  19.03.2026

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  19.03.2026

Nahost

Bericht: Israel setzt im Iran auf psychologischen Druck gegen Sicherheitskräfte

Drohanrufe an Angehörige der iranischen Polizei und paramilitärischer Einheiten gehören zu den Aktionen des israelischen Geheimdienstes

 19.03.2026

Israel

Raketentrümmer beschädigen Flugzeuge: Beschränkungen für Passagierflüge wieder eingeführt

El Al muss vielen gebuchten Passagieren absagen. Ausländische Airlines fliegen Israel weiterhin nicht an

 19.03.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Israelisches Gericht: Rasen bei Raketenalarm bleibt strafbar

Ein Autofahrer verteidigt sein Vergehen mit heulenden Sirenen bei einer Attacke. Seine Strategie scheitert

 19.03.2026