Israel

Kurz gemeldet

Tausende demonstrierten am Donnerstag in Tel Aviv für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare. Foto: Flash 90

Proteste
Tausende Menschen, darunter viele Mitglieder der LGBT-Community, sind am Donnerstag in Tel Aviv auf die Straße gegangen. Sie wollten damit ihren Unmut gegen die Regelung ausdrücken, dass gleichgeschlechtliche Paare in Israel keine Kinder adoptieren dürfen. Adoptionen aus dem Ausland aber sind erlaubt. Die Vorsitzende der LGBT-Vereinigung, Chen Arieli, machte klar, dass die Diskriminierung in der Politik des Landes endlich enden müsse, »denn alles andere widerspricht der Realität«. Der Sänger Harel Skat trat als Moderator auf. Er hatte vor einigen Tagen großen Zorn auf sich gezogen, als er dazu aufforderte, dass Schwule und Lesben sich weigern sollten, in die Armee einzutreten und Steuern zu zahlen, bis sie dieselben Rechte bei der Adoption haben wie Heterosexuelle.

Nachbarschaftshilfe
Zum ersten Mal hat die israelische Armee (IDF) den Umfang ihrer Nachbarschaftshilfe offengelegt. Die Operation »Guter Nachbar« bringt Hilfsgüter nach Syrien, das seit Jahren vom Bürgerkrieg geschüttelt und in vielen Teilen fast vollständig zerstört ist. Außerdem werden schon seit mehr als vier Jahren verletzte und kranke Syrer von Israel aufgenommen, in Krankenhäusern im ganzen Land behandelt und gesund gepflegt. »Guter Nachbar« begann im Juni 2016 ohne große Presse. Dabei wurden unter anderem Tonnen von Lebensmitteln, Kleidung und medizinischer Grundversorgung in die Dörfer an der Grenze geliefert, um die Menschen vor dem Verhungern zu retten. Außerdem arbeitet die israelische Armee mittlerweile am Bau von zwei Kliniken auf syrischem Gebiet. Darin sollen Menschen behandelt werden, die sonst keinen Zugang zu Krankenhäusern oder Ärzten haben. Die IDF bietet Baumaterial und Beratung für die Einrichtungen an. Die Hospitäler sollen von lokalen Kräften oder Mitgliedern von Hilfsorganisationen betrieben werden.

Kritik
Während seines Besuches in Ungarn hat sich der israelische Regierungschef über die Europäische Union echauffiert. Zwar hätte seine Aussage nicht öffentlich werden sollen, doch eines der Mikrofone war nicht abgeschaltet, und so hörten Journalisten über ihre Kopfhörer, was Netanjahu zu sagen hatte. Er hatte offenbar vor den Staatschefs von Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei das Verhalten der EU in Sachen Israel kritisiert. »Die Europäische Union ist die einzige Vereinigung von Ländern in der ganzen Welt, die politische Bedingungen für die Beziehung mit Israel stellt – bei der Technologie und in jedem anderen Bereich. Sie sind die einzigen. Niemand tut das. Das ist verrückt, wirklich verrückt.« Die Europäische Union antwortete mit einem Tweet: »Die EU hat tiefere und weitreichendere Beziehungen mit Israel als mit den meisten anderen Drittländern, und wir fahren fort, sie zu erweitern, wirtschaftlich und politisch.« Um sie auf das nächsthöhere Level zu bringen, müsse man allerdings die gleichen Werte vertreten, hieß es weiter. Dazu gehörten der Respekt für internationale Menschenrechte und konkrete Schritte in Richtung einer Zweistaatenlösung.

Diebstahl
Eine israelische Studentin wird verdächtigt, aus der Gedenkstätte Auschwitz Gegenstände gestohlen zu haben. Israelische Medien berichteten, dass Rotem Bides vom Beit Berl College einige Dinge während ihres Besuches entwendet habe, um daraus ein Kunstprojekt zu fertigen. Die 27-Jährige, deren Großvater in Auschwitz war, soll Glasscherben, kleine Schalen, eine Metallschraube, ein Schild und Erde mitgenommen haben. Das College wies die Berichte aber zurück und betonte, die Studentin habe sie außerhalb der Grenzen des Lagers gefunden. Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau fordert nun von Israel, dass die Gegenstände zurückgegeben werden. »Das ist schmerzlich, unfassbar und respektlos«, heißt es in einer Erklärung. Bides darf ihr Kunstprojekt trotzdem ausstellen – allerdings mit einem Schild, das die kontroverse Geschichte dazu erläutert. Sie entschuldigte sich für den Ärger und die Verletzungen, die sie dadurch hervorgerufen habe.

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Tel Aviv

Trump-Satz zu Ran Gvili sorgt für Hoffnung und Empörung

Ran Gvilis Mutter Talik sagt, es müsse endlich gehandelt werden. »Lasst uns das beenden und ihn nach Hause bringen«, fordert sie

 21.01.2026

Jerusalem

Zwei tote Babys und ein Riss in der israelischen Gesellschaft

Der Oberste Gerichtshof stoppt die Obduktionen der ultraorthodoxen Säuglinge nach gewalttätigen Protesten

von Sabine Brandes  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Jerusalem

Opposition könnte gemeinsam gegen Netanjahu antreten

Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot bringt eine gemeinsame Liste mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Oppositionsführer Yair Lapid ins Spiel

 21.01.2026

Jerusalem

Netanjahu nimmt Trumps Einladung zum »Friedensrat« an

Israels Premier hatte sich über die personelle Besetzung eines Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weiße Haus geärgert. Doch die Einladung zum »Friedensrat« schlägt er nicht ab

 21.01.2026

Knesset

Netanjahu schließt türkische und katarische Truppen in Gaza aus

Der Ministerpräsident räumt ein, es habe mit Washington »eine gewisse Auseinandersetzung« über Gaza gegeben. Die Opposition wirft ihm Versagen vor

 20.01.2026

Jerusalem

Zwei Säuglinge sterben in illegaler ultraorthodoxer Krippe

Erschütternde Zustände in der überfüllten Einrichtung in dem ultraorthodoxen Stadtteil Romema kommen ans Licht

von Sabine Brandes  20.01.2026