Jerusalem

Kompromiss in der Krise

Shakehands: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r.) und Meir Porush vom Vereinigten Tora-Judentum bei einer Knessetsitzung im Januar des Jahres Foto: Flash 90

Es war ein Kompromiss, der keiner war. Nach elf Stunden Beratungen hatten die ultraorthodoxen Parteien und Premier Benjamin Netanjahu gedacht, die Regierungskrise wäre beigelegt. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Koalitionspartner gemacht. Die Charedim fordern quasi eine Befreiung vom Armeedienst, die säkulare Partei Israel Beiteinu um Verteidigungsminister Avigdor Lieberman weigert sich jedoch, dies zu akzeptieren.

»Wir sind gegen das geänderte Einberufungsgesetz. Es darf keinen Kompromiss geben, der die gesamte Sicherheit Israels gefährdet, nur weil es nach Lust und Laune irgendeines Rabbiners geht«, wetterte Oded Forer von Israel Beiteinu im Israel-Radio. Er machte deutlich, dass seine Fraktion gegen jede Gesetzesänderung stimmen werde, die nicht vom Verteidigungsministerium unterstützt wird.

koalition Sollte Netanjahu die Regelung für die streng religiösen Parteien dennoch durchdrücken wollen, würde Israel Beiteinu aus der Koalition aussteigen.

Zwar hätte die Regierung dann noch immer die Mehrzahl der Knessetsitze mit 61 von 120, doch mit dieser »messerscharfen Mehrheit« wolle er nicht regieren, machte Netanjahu am Montagmorgen vor seinen Kabinettsministern deutlich. »61 ist keine Option. Wir haben schwierige Aufgaben vor uns, für die wir alle zusammenarbeiten müssen. Die israelische Bevölkerung will eine stabile Regierung, die ihre Zeit bis zum Ende durchzieht.«

Kommt der Kompromiss zum Armeedienst allerdings nicht zustande, weigert sich die charedische Partei Vereinigtes Tora-Judentum, den Haushalt für 2019 abzuzeichnen. Damit wäre die Regierung nicht mehr fähig, weiterzuarbeiten. Zudem drohte Finanzminister Mosche Kachlon damit, seinen Hut zu nehmen, sollte der Haushalt nicht in dieser Woche verabschiedet werden.

wahlen Neuwahlen wären die Folge. Die meisten der Koalitionspartner wollen dies nicht, machten sie klar. Doch die Partei von Bildungsminister Naftali Bennett (Jüdisches Haus) könnte in eine andere Richtung ziehen. Denn Bennett selbst hat den Posten des Regierungschefs im Visier. Vorgezogene Wahlen könnten dies zu einem realistischen Szenario machen.

Einem anderen kämen sie ebenfalls gelegen, munkelt man: dem Ministerpräsidenten persönlich. Denn der könnte auf diese Weise von den Korruptionsermittlungen gegen ihn ablenken. Allerdings ist nicht sicher, dass diese Taktik Erfolg haben wird. Denn Staatsanwalt Schai Nitzan hat bereits verkündet, dass Wahlen die Entscheidung, ob Netanjahu angeklagt wird oder nicht, in keiner Weise beeinflussen würden.

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Jerusalem

Israel-Libanon-Gespräche: Netanjahu kündigt Verbleib der Armee im Südlibanon an

»Die IDF wird weiterhin entschlossen handeln, um Bedrohungen für unsere Soldaten und Zivilisten abzuwehren«, sagt die israelische Regierung

 23.06.2026

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026