Museum

Klimakämpfer in Tel Aviv

Gleich am Eingang demonstrieren Aktivisten. Zwar nur auf einer Fotografie, aber doch unübersehbar. Die weltweit erste Ausstellung ihrer Art hat ihre Pforten im städtischen Tel Aviv Museum of Art (TAMA) eröffnet. Solar Guerilla stellt bis zum 15. Dezember konstruktive Lösungen für eines der größten Probleme unserer Zeit per Kunst und Architektur vor: den Klimawandel.

Design »Ein Museum sollte sich dieses überaus wichtigen Themas unbedingt annehmen«, sagt Direktorin Tania Coen-Uzzielli, und ihrer Meinung nach sind die Bereiche Kunst, Design und Architektur die korrekte Linse, um es abzubilden. »Wir wollen die Menschen einladen zu reflektieren.«

Orli Ronen, die Leiterin des Bereichs für städtische Innovation und Nachhaltigkeit an der Tel-Aviv-Universität, findet, es sei an der Zeit, dass sich die Bereiche Kunst, Umwelt und Klimabewusstsein zusammentun. »Wir sind sehr besorgt und werden immer besorgter.« Während der Klimawandel in verschiedenen anderen Ländern in aller Munde ist, spricht man in Israel noch immer wenig darüber.

STÄDTE Die Ausstellung mit dem begleitenden Katalog auf Hebräisch und Englisch will dazu beitragen, dies zu ändern. Im Vordergrund stehen dabei Städte, die als Werkzeuge dienen, um eine Veränderung herbeizuführen. Interdisziplinare Projekte von öffentlichen und privaten Institutionen, Unternehmen und Experten aus der ganzen Welt werden gezeigt, darunter aus Tel Aviv, New York, Chicago, Kopenhagen, Hongkong und Masdar.

In einem neuen Viertel in Tel Aviv werden Bäume in Wohngebäude integriert.

Den Anfang machen Erläuterungen und Hintergründe zum Klimawandel. Was ist der Unterschied zwischen den natürlichen Klimaveränderungen, die über Millionen von Jahren geschehen, und jenen, die vom Menschen seit der industriellen Revolution gemacht sind? Kuratorin Maya Vinitsky von der Abteilung Design und Architektur hat die kritischen Informationen im Bereich »1.5 to 2 degrees celsius« organisiert und übersichtlich gemacht.

Vorschläge Wirkungsvolle Vorschläge können auf lokaler Ebene gefunden werden, wo das Engagement der städtischen Kommunen sehr effektiv sein kann, erläutert die Kuratorin. Städte dienten als regelrechte Laboratorien, um mit Lösungen zu experimentieren, und bieten einen »Nährboden für neue Ideen, Kooperationen und Initiativen«.

Eine dieser Städte liegt in Abu Dhabi. Obwohl die Wirtschaft des gesamten Landes auf fossilen Brennstoffen basiert, wurde hier eine ökologische Siedlung gebaut: Masdar. »Und sie funktioniert, obwohl sie mitten in der Wüste liegt«, erklärt Vinitsky. »Masdar hat keinerlei negative Auswirkungen auf die Umwelt und ist trotzdem ganz und gar bewohnbar.«

Jeder Bereich der Ausstellung Solar Guerilla präsentiert einen professionellen Ansatz.

WASSER Auch die immer knapper werdende Ressource Wasser steht in der Ausstellung im Vordergrund. Nicht hübsch, aber wirkungsvoll sind die dicken Maschinen von Watergen. Die »atmosphärischen Wassergeneratoren« gewinnen frisches Trinkwasser aus Luftfeuchtigkeit. 2017 wurde der erste Apparat im indischen Neu-Delhi aufgestellt. Kopenhagen sammelt das kostbare Nass mithilfe eines speziellen Belags auf den Fußwegen. Diese »climate tiles« (Klimafliesen) sorgen für »Regenwasser-Management« und führen gleichzeitig zu einem neuen Erlebnis in der Stadt. »Denn wer möchte nicht gerne auf Wasser gehen können?«, fragen die Erfinder von der Firma »Tredje Natur – Third Nature«.

Wasser spielt auch in Tel Aviv eine Rolle. Allerdings wird es nicht aufgefangen, sondern zur Stromgewinnung genutzt. Das israelische Start-up »Ecowave« hat am südlichen Ende von Jaffa seine Erfindung installiert, die aus Wellenbewegungen Strom generiert. In den kommenden Monaten soll die Vorrichtung an die Elektrizitätswerke angeschlossen werden.

Jeder Bereich der Ausstellung Solar Guerilla präsentiert einen professionellen Ansatz – ob sozial, politisch, ökologisch oder technologisch –, der eine neue Art der Verbindung mit unserer Umwelt propagiert. Dazu gehört auch die »SolarPunk«-Bewegung, die neue Ideen für grüne und erneuerbare Energien für urbane Gemeinden entwickelt. Einer ihrer Vertreter ist der belgische Architekt Luc Shuiten, der für eine »vegetative Stadt« eintritt, in der man Natur und städtisches Leben miteinander verbindet und beides respektiert. Bäume etwa sind dabei Teile von Gebäuden und gleichzeitig weiterhin lebende Organismen.

PFLANZEN »Man muss sich fragen, wie man eine Stadt benutzen, wie man in ihr umdenken und das Bewusstsein ändern kann«, erklärt Ronen von der Tel-Aviv-Universität, als sie das Konzept von Anti-Smog vorstellt. Dabei wird ein vertikaler Wald in Wohngebäude integriert, der die Luftqualität verbessert. Der Mechanismus des Unternehmens integriert nicht nur die Pflanzen in die Häuser, sondern kümmert sich auch ein Leben lang um sie. Das Motto von Anti-Smog ist es, Gärten in der Höhe anzulegen, indem man Wände und Dächer nutzt.

Außerdem entsteht in Tel Aviv derzeit ein neues Viertel, das auf einem neuen Energiekonzept basiert. Dabei wird die benötigte Energie für Strom, Heizung und Klimaanlage in den Wohnungen so eingesetzt, dass der »ökologische Fußabdruck« so klein wie möglich ist. Die Initiatoren der Ausstellung sind sicher: Auch wenn der Klimawandel in Israel heute noch nicht ganz oben auf der Regierungsagenda steht und Aktivisten selten demonstrieren – auch hier hat bereits ein Umdenken begonnen.

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