Shireen Abu Akleh

Klage in Den Haag eingereicht

Ein Plakat in der Stadt Betlehem, das »Gerechtigkeit für Shireen« fordert. Foto: Flash90

Der katarische Sender Al Jazeera hat eine Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen der Tötung der palästinensischen Journalistin Shireen Abu Akleh eingereicht. Es gebe angeblich neue Beweise, dass »israelische Soldaten absichtlich auf Abu Akleh geschossen« hätten.

Die Klage erfolgt nach einer Untersuchung des eigenen Rechtsteams von Al Jazeera, für den Abu Akleh gearbeitet hatte, als sie ums Leben kam. »Die Behauptung, Shireen sei versehentlich bei einem Schusswechsel getötet worden, ist nach der Analyse des Materials völlig unbegründet«, argumentiert der Sender. Es handle sich bei dem Material zum Beispiel um Augenzeugenberichte und Kameraaufnahmen.

untersuchung Abu Akleh war eine langjährige Reporterin, die für Al Jazeera aus Israel und den Palästinensergebieten berichtete. Sie wurde am 11. Mai während einer israelischen Militärrazzia in Jenin erschossen. Die israelische Armee führte anschließend eine eigene Untersuchung durch, die im September das Ergebnis veröffentlichte, es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Journalistin »versehentlich von IDF-Schüssen getroffen wurde, die auf Verdächtige abgefeuert wurden, die als bewaffnete palästinensische Schützen identifiziert wurden«.

Die israelische Armee und die Regierung in Jerusalem haben stets vehement bestritten, dass Abu Akleh oder andere Reporter und Reporterinnen jemals absichtlich von IDF-Soldaten ins Visier genommen worden seien.

»Vielleicht sollte Al Jazeera zuerst prüfen, was mit Journalisten im Iran passiert.«

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz

Das US-Außenministerium hatte im Juli mitgeteilt, dass eine Analyse der Kugel, die die Frau getötet hat, »keine endgültige Schlussfolgerung hinsichtlich ihres Ursprungs ziehen konnte«. Es hieß aber, dass sie wahrscheinlich von israelischen Soldaten stamme. Die USA haben sich gegen Al Jazeeras jetzige Klage ausgesprochen, da die Angelegenheit nicht in den Zuständigkeitsbereich des Strafgerichtshofes falle. Der solle sich auf seine »Kernaufgabe konzentrieren, lediglich als letztes Mittel bei der Bestrafung und als Abschreckung von Gräueltaten zu dienen«. Ned Price, Sprecher des US-Außenministeriums, fasste zusammen: »Wir sind dagegen.«

PERSONEN Die Al-Jazeera-Anwälte indes gaben an, derzeit daran zu arbeiten, herauszufinden, »wer für die Ermordung von Abu Akleh verantwortlich ist«. Der IStGH müsse die Personen identifizieren, die direkt an der Tötung beteiligt waren, so Rodney Dixon, einer der Anwälte des Senders, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Den Haag. Er behauptete auch, dass es Versuche gebe, Al Jazeera zum Schweigen zu bringen.

Premierminister Yair Lapid äußerte sich daraufhin mit dem Satz: »Niemand wird IDF-Soldaten untersuchen, und niemand wird uns über die Moral in der Kriegsführung predigen, schon gar nicht Al Jazeera.«

Verteidigungsminister Benny Gantz drückte wiederholt sein Bedauern über den Tod von Shireen Abu Akleh aus, machte jedoch klar, dass »der tragische Vorfall in einer eindeutigen Kampfsituation geschehen« sei. »Vielleicht sollte Al Jazeera zuerst prüfen, was mit Journalisten im Iran passiert«, fügte der Minister hinzu.

Jerusalem machte klar, dass man nicht mit den Ermittlungen kooperieren werde. Im Gegensatz zum Internationalen Gerichtshof, der Fälle zwischen Staaten behandelt, hat der IStGH die Befugnis, Einzelpersonen strafrechtlich zu verfolgen. Weder Israel noch die USA erkennen seine Gerichtsbarkeit an.

Palästinensische Gebiete

Abbas kündigt Präsidentschaftswahlen für 2027 an

Es wären die ersten seit 20 Jahren

 14.06.2026

Libanon

Israel beschießt Hisbollah in Beiruter Vororten

Nachdem die Terror-Miliz den Norden Israels mit Drohnen angegriffen hat, reagiert die israelische Armee

 14.06.2026

Nahost

Hisbollah beschießt Israel mit Sprengstoff-Drohnen

Nach Drohnenangriffen der Hisbollah auf Israels Norden fordert Finanzminister Smotrich eine härtere Reaktion. Wird Israel jetzt wieder die Vororte Beiruts angreifen?

 14.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

Seit 2024 dürfen auch Frauen in die geheimnisvolle Einheit aufgenommen werden. Nun hat erstmals eine Israelin die harte Aufnahmeprüfung bestanden

von Sabine Brandes  12.06.2026

Knesset

Armeedienst und Torastudium sollen gleichgestellt werden

Trotz des Widerstands der Opposition und einiger Koalitionsmitglieder geht der kontroverse Gesetzesvorschlag durch die erste Lesung

von Sabine Brandes  12.06.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Pride Parade findet trotz Sicherheitsbedenken statt

Erstmals seit den Zeiten vor den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023 kehrt das Großereignis zurück

 12.06.2026

Wehrpflicht

Massenproteste: Charedim legen Verkehr in Zentralisrael lahm

Die Demonstration richteten sich gegen die Festnahme von 19 Wehrdienstverweigerern nach Ausschreitungen vor dem Haus des stellvertretenden Präsidenten des Obersten Gerichts

 12.06.2026

Studie

KI-Modelle reproduzieren antisemitische Vorurteile

Zwei israelische Forscher sagen, ihre Analyse zeige, wie »ein uraltes Vorurteil durch komplexe Muster von Eigenschaftszuschreibungen und kultureller Codierung in modernen technologischen Systemen fortbesteht«

 12.06.2026