Grenzregion

Kibbuz an der Front

Eine dicke Betondecke schützt die Kita. Foto: imago

Kaum 15 Sekunden bleiben den Einwohnern des Kibbuz Magen, um bei Alarm die schützenden Bunker aufzusuchen. Eine dicke Betondecke schützt die Kita. 4,7 Kilometer von der Grenze zu Gaza lebt es sich gefährlich in Magen, und dennoch war der Ort einst mustergültiges Ideal des sozialistischen Kibbuzgedankens. Noch heute halten die Bewohner an gleichem Lohn und Landwirtschaft fest, wenn auch manche Institutionen wie das Kinderhaus inzwischen Geschichte sind.

Als Saddam Hussein 1991 Scud-Raketen auf Israel feuerte, kamen die Kinder in ihre Familien und blieben dort – auch nach Ende des Golfkrieges.

Seit 1970 wohnt Martin Sessler im Kibbuz Magen. Er wurde 1947 in der Schweiz geboren und trat dort 1964 der sozialistisch-zionistischen Jugendbewegung Hashomer Hatzair bei. Nach seiner Lehrerausbildung und zwei Jahren beim Hashomer Hatzair in Paris setzte er sein Ideal vom sozialistischen Gemeinschaftswesen um und wurde Mitglied des Kibbuz Magen, der 1949 von rumänischen Schoa-Überlebenden in der unmittelbaren Nähe zum Gazastreifen gegründet worden war.

Experiment Sessler lebte seinen sozialistischen Traum, auch wenn er schon in den späten 70er-Jahren das Experiment, Kinder außerhalb der Familie zu besseren Menschen machen zu können, als gescheitert erkannte. Auch das Leben an der Grenze zu Gaza war zunächst kein Problem, erzählt Sessler. In den 70er-Jahren bestanden offizielle Kontakte zwischen dem Kibbuz und den nahe gelegenen palästinensischen Dörfern.

Palästinenser arbeiteten in Magen, und die Kibbuzniks fuhren nach Gaza zum Einkaufen und an den Strand. Jüdisch-palästinensische Bekanntschaften waren nicht ungewöhnlich. Mit dem Anwachsen der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen in den 80er-Jahren änderte sich die Situation und eskalierte während der ersten Intifada mit dem Entstehen der islamistischen Hamas.

Palästinenser, die in Magen arbeiteten, wurden bedroht und Opfer von Übergriffen. Die Beziehungen brachen ab. Die Situation verschlechterte sich in der zweiten Intifada weiter. Mit Israels Räumung aller Siedlungen und Abzug der Truppen aus dem Gazastreifen 2004 – was die Mehrheit der Israelis unterstützte – erhoffte man sich Besserung. Allerdings sollte der Rückzug unter dem Motto »Land für Frieden« geschehen.

Illusion Der Friede blieb Illusion, islamistische Terroristen übernahmen die Macht im Gazastreifen, und die umliegenden israelischen Siedlungen wurden zum Ziel von Raketenterror. Der Zionist Martin Sessler begann, die israelische Linke, die viel Schuld bei den Israelis und wenig bei den Palästinensern sucht, kritisch zu betrachten.

Nun ist auch der zweite Traum des Pädagogen, promovierten Philosophen und Dozenten an der renommierten militärischen Vorbereitungsakademie Lachisch im Kibbuz Nahal Oz geplatzt.
Der Sturm auf die Grenze am 14. Mai dieses Jahres sei eine ernsthafte Gefahr für Leib und Leben der Israelis in der Grenzregion gewesen, sagt Sessler.

Mit Dutzenden von toten Palästinensern sei dies der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014 gewesen, hieß es. Die Reaktion der israelischen Streitkräfte war seiner Meinung nach notwendig und angemessen. Denn »40.000 Grenzstürmer sind nicht durch Blumen aufzuhalten«.

Unterdessen gehen die Angriffe aus dem Gazastreifen weiter. In der blühenden Oase im Süden Israels kehrt keine Ruhe ein.

Berlin

Humboldt-Universität will weiter mit Israel kooperieren

Die Berliner Humboldt-Universität ist gegen einen Boykott israelischer Hochschulen. Das Studierendenparlament hatte zuletzt einen Abbruch der Beziehungen gefordert

 20.07.2026

7. Oktober

»Die Ärzte beschlossen, ihn zu erschießen«

Hanan Yablonka wurde von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen entführt und getötet. Nun hat erstmals seine Schwester Avivit Yablonka Abady über Hanans letzte Minuten gesprochen

 20.07.2026

Ben-Gurion-Flughafen

Randale an Bord: Drei Israelis in Lufthansa-Maschine festgenommen

Die Polizei muss Gewalt anwenden, da die Passagiere keine Einsicht zeigen und Beamte angreifen

 20.07.2026

Ulaanbaatar

Angriff auf israelische Touristen in der Mongolei

Während der Attacke riefen die Angreifer »Heil Hitler« und »Verschwindet von hier«

 20.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  19.07.2026 Aktualisiert

Hightech

Zu Besuch im Silicon Wadi

Israels größter Technologiepark will IT-Talente nach Haifa locken. Das ist gar nicht so einfach

von Valentin Suckut  18.07.2026

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

Jerusalem

Herzog im saudischen Fernsehen: »Mein Traum ist Frieden mit Saudi-Arabien«

Der israelische Präsident äußert sich auch zu den Themen Iran, Syrien, Libanon und Gaza: »Mein Herz schmerzt um jeden unschuldigen palästinensischen Zivilisten, der getötet wird.«

 17.07.2026

Jerusalem

Knesset verabschiedet umstrittene Medienreform – Opposition zieht vor Gericht

Das Gesetz erweitert den Einfluss der Regierung auf den Nachrichtenmarkt erheblich. Nach der Verabschiedung reichten mehrere Organisationen und Oppositionsparteien Klagen beim Obersten Gerichtshof ein

 17.07.2026