Nahost

Kerrys Paartherapie

John Kerry Foto: Flash 90

John Kerry ist wieder da. »Zur Paartherapie«, wie Israels Medien die Versuche des amerikanischen Außenministers, die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern wieder anzukurbeln, beschreiben. Mehrfach war Kerry in den vergangenen Wochen bereits in Israel und den Palästinensergebieten bei diplomatischen Versuchen, die Parteien erneut an einen Tisch zu bekommen.

Zeitungsberichten zufolge schaffte er es bei seinem jüngsten Besuch am Wochenende, sowohl Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wie auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu Konzessionen zu bewegen.

Angeblich soll Netanjahu bereit sein, einem Baustopp in Teilen des Westjordanlandes zuzustimmen und 60 inhaftierte Palästinenser freizulassen. Außerhalb der großen Siedlungsblöcke will sich die israelische Seite offenbar sogar auf einen totalen Baustopp einlassen und einem langsameren Wohnungsbau im Osten Jerusalems zustimmen.

Sicherheit In der Tageszeitung Haaretz erklärte ein Likud-Minister, der anonym bleiben wollte, dass der Regierungschef im Rahmen eines Deals mit den Palästinensern überdies zu einem Rückzug aus großen Teilen des Westjordanlandes bereit sei. Allerdings müssten in diesem Fall die besonderen Sicherheitsbedürfnisse Israels berücksichtigt werden.

Zu den Angaben der Bautätigkeit in den jüdischen Siedlungen des Westjordanlands hätten sich die Palästinenser noch nicht geäußert, heißt es in der Zeitung Maariv. Abbas jedoch bestehe auf 123 Häftlingen, die israelische Gefängnisse verlassen sollen.

Kerrys Vermittler werden noch eine Weile ohne ihren Chef im Land bleiben, in der Hoffnung, den Graben zwischen den verfeindeten Seiten weiter schließen zu können. Die Friedensgespräche lagen seit 2008 auf Eis.

Obwohl es auch bei diesem jüngsten Besuch zu keinem wirklichen Durchbruch gekommen ist, gab sich Kerry optimistisch. Man habe die weit auseinandergehenden Meinungen »beträchtlich näherbringen« können. Sogar ein Anfang der Verhandlungen zum endgültigen Status zwischen Israelis und Palästinensern könnte kurz bevorstehen, sagte er vor seiner Abreise am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

26. Knesset

Nur noch ein Tag: Umfrage zu Israels Richtungswahl

Das Israel Democracy Institute befragte die Israelis zu ihren politischen Wünschen. Scheitert die Mehrheitsbildung, wollen die Israelis erneut wählen

von Sabine Brandes  26.10.2026

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Benjamin Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026