Kampagne

Journalisten im Wahlkampf-Visier

Umstrittene Werbung der Regierungspartei Likud Foto: Flash 90

Die Farben sind grau und schwarz, die Stimmung ist düster. Auf dem Plakat neben einer der Hauptkreuzungen vor der Tel Aviver Autobahn sind vier Männer abgebildet, als kämen sie aus dem Dunkel. Vier Journalisten. Darüber steht in fetten Lettern: »Sie werden nicht entscheiden.«

Eines haben die Reporter gemeinsam: Sie alle haben über die Korruptionsvorwürfe gegen Premierminister Benjamin Netanjahu berichtet. Der Likud wirft Journalisten Einflussnahme in den Wahlkampf vor.

ANONYM Zunächst waren die Poster vor rund einer Woche völlig anonym aufgetaucht, kein Name, keine Partei war darauf zu entdecken. Doch nach der Kritik aus Oppositionskreisen, darunter von Itzik Schmuly von der Arbeitspartei und Zipi Livni (Hatnua), tauchen neue Plakate auf.

Der Likud wirft den Journalisten Einflussnahme in den Wahlkampf vor.

Dieses Mal mit dem Urheber: Likud. Die Regierungspartei übernahm die Verantwortung. Außer dem ursprünglichen Satz stand nun unter den Gesichtern von Guy Peleg, Raviv Drucker, Ben Caspit und Amnon Abramovich geschrieben: »Ihr entscheidet! Dafka Netanjahu. Likud.« Das Wort »Dafka« steht für »jetzt erst recht« oder »in jedem Fall«.

Zur selben Zeit wurde auch eine Facebook-Kampagne unter diesem Motto veröffentlicht. Auch sie ohne Angabe der Quelle. Hier stand neben den Bildern der Journalisten: »Wenn es nach ihnen ginge, wäre Jerusalem geteilt, und die US-Botschaft hätte sich in Ramallah niedergelassen.« Erst am Sonntag wurden die Seiten mit dem Zusatz »Likud« aktualisiert.

Eines haben die Reporter gemeinsam: Sie alle haben über die Korruptionsvorwürfe gegen Premier Netanjahu berichtet.

WAHLKAMPF Auch der Presserat in Israel sprach sich gegen die Aktionen aus: »Wir sehen die anonymen Poster, auf denen die Konterfeis von Journalisten gedruckt sind, als Beginn einer weiteren Hetzkampagne im Wahlkampf.« Die Linkspartei Meretz beschwerte sich beim Staatlichen Kontrolleur und forderte ihn auf, einzugreifen, denn die Werbung würden wegen der Anonymität das Wahlrecht verletzen.

Offenbar sollen die Wähler für die vorgezogenen Parlamentswahlen am 9. April aufgefordert werden, trotz der Ermittlungen gegen den Regierungschef wieder für ihn zu stimmen. Netanjahu hatte stets betont, dass er die Ermittlungen für eine »Hexenjagd der Linken und Medien« halte.

Die Polizei hatte vor einigen Wochen vorgeschlagen, Netanjahu in drei Fällen wegen Korruption anzuklagen. Die Entscheidung des Generalstaatsanwaltes steht noch aus.

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Funde in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  30.06.2026

Folgen des 7. Oktober

Israel tötet Peiniger von Rom Braslavski

Rund zwei Jahre lang wurde der Deutsch-Israeli von Terroristen des Islamischen Dschihad gequält. Als er von der Tötung »Abu Yusufs« hört, bricht er in Tränen

 30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Internationales Rotes Kreuz

Knesset lehnt Gesetz zum Besuchsverbot für Häftlinge ab

Sicherheitsminister Ben-Gvir wollte den Zugang zu palästinensischen Sicherheitsgefangenen verwehren, doch der Gesetzentwurf scheitert an Stimmen der eigenen Koalition

von Sabine Brandes  30.06.2026

Bnei Brak

Rabbiner verflucht Israels Armeechef Eyal Zamir

Ein israelischer Soldat wurde wegen eines religiösen Aufnähers inhaftiert. Das und die geplante Einberufung von Charedim sorgt für Verärgerung bei den Ultraorthodoxen

 30.06.2026

Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Fotos beweisen, dass in katarischen Regierungsmaschinen Militärtechnologie von Elbit verbaut wurde. Dabei pflegen Israel und Katar nicht einmal diplomatische Beziehungen

 29.06.2026

Reaktionen

»Erster Schritt zum Frieden«

Während Jerusalem und Beirut das Abkommen begrüßen, weist die Hisbollah es entschieden zurück

von Sabine Brandes  29.06.2026

Jerusalem

Israel erkennt den Völkermord an den Armeniern an

Die historische Entscheidung birgt diplomatische Sprengkraft. Außenminister Sa’ar bezeichnete die Anerkennung als »moralische Pflicht«

von Sabine Brandes  29.06.2026