Nahost

Hamas-Anführer Saleh al-Aruri bei Explosion getötet

Hamas-Anführer Saleh al-Aruri wurde in Beirut getötet. Foto: picture alliance / abaca

Die Tötung eines Chefs der islamistischen Hamas im Libanon könnte zu einer weiteren Eskalation des von der palästinensischen Terrororganisation Hamas begonnenen Krieges im Nahen Osten führen. Die laufenden Verhandlungen zur Freilassung der verbleibenden Geiseln im Gazastreifen wurde durch den Vorfall torpediert.

Während Israels Militär Berichte über eine gezielte Tötung von Saleh al-Aruri nicht kommentieren wollte, kündigte die Hisbollah-Miliz im Libanon Vergeltung an: »Dieses Verbrechen wird niemals ohne Antwort oder Strafe vorübergehen.« Fortschritte, um einen Geisel-Deal zu erreichen, seien nun nicht mehr möglich, meldete die israelische Zeitung »Haaretz« unter Berufung auf »arabische Diplomatenkreise«.

Der Vize-Leiter des Politbüros der Hamas war bei einer Explosion in Libanons Hauptstadt Beirut ums Leben gekommen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Hisbollah erfuhr. Insgesamt starben dabei laut der mit der Hisbollah verbündeten Hamas sieben Menschen, darunter auch zwei Anführer des bewaffneten Arms der Hamas. Die Terrororganisation gab umgehend Israel die Schuld.

Israel übernimmt keine Verantwortung für Angriff

Al-Aruri, den Israel als Drahtzieher von Anschlägen im Westjordanland sah, galt schon länger als mögliches Anschlagsziel. Er soll für die Aktivitäten des militärischen Hamas-Arms im Westjordanland zuständig gewesen sein. Israel übernahm aber keine Verantwortung für Al-Aruris Tötung, wie der Sicherheitsberater israelischen Regierung betonte.

»Wer auch immer das getan hat: Es muss klar sein, dass dies keine Attacke auf den libanesischen Staat war. Es war nicht einmal eine Attacke auf die Hisbollah«, sagte Mark Regev dem US-Fernsehsender MSNBC im offensichtlichen Bemühen um eine Entschärfung der explosiven Lage. Der mutmaßliche Angriff habe allein der Hamas gegolten.

Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte die israelische Regierung auf, »jedes eskalierende Verhalten, insbesondere im Libanon, zu vermeiden«. Das teilte der Élyséepalast in Paris am Dienstagabend nach einem Telefonat Macrons mit Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, Medienberichten zufolge mit. Frankreich werde diese Botschaften der Zurückhaltung weiterhin an alle direkt oder indirekt beteiligten Akteure in dem Gebiet weitergeben, hieß es.

Hisbollah-Chef plant Rede

Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober kommt es immer wieder zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und der Hisbollah in der israelisch-libanesischen Grenzregion. Es wird befürchtet, dass die Tötung von Al-Aruri den Konflikt nun empfindlich eskalieren lassen könnte. An diesem Mittwochabend will Hassan Nasrallah, Chef der Hisbollah, eine Rede geben.

Ihre Kämpfer seien »in höchster Stufe der Bereitschaft«, teilte die Hisbollah am Dienstag mit. Noch am Abend unternahm die Miliz nach eigenen Angaben einen ersten Angriff auf eine Gruppe israelischer Soldaten nahe der Grenze. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben. Israelischen Medienberichten zufolge rechnet die Armee nun auch mit Beschuss von Raketen größerer Reichweite. Die schiitische Hisbollah gilt als deutlich schlagkräftiger als die Hamas.

Wie die Hamas soll sie zudem über ein Tunnelsystem verfügen, das einem Medienbericht zufolge weit ausgefeilter sei als das der Hamas. Die unterirdischen Tunnel verliefen im Süden Libanons über Hunderte Kilometer bis zur Grenze und nach Israel hinein, zitierte die »Times of Israel« am Dienstag den Geheimdienstexperten Tal Beeri.

Verhandlungen über Geisel-Deal

Die Hamas nutzt ihr eigenes Tunnelnetz derzeit zum Schutz vor Israels Bombardierungen und um sich zu verstecken. Außerdem nutzen die Terroristen die Tunnel, um hinterrücks die heranrückenden israelischen Soldaten anzugreifen. Auch sollen die Terroristen darin Geiseln aus Israel gefangen halten.

Unter der Vermittlung Katars, Ägyptens und der USA hatten sich Israel und die Hamas Ende November auf eine mehrtägige Feuerpause geeinigt. Während dieser Zeit wurden einige Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freigelassen. Nach der mutmaßlichen gezielten Tötung von Al-Aruri sind die Verhandlungen über ein mögliches neues Geisel-Abkommen zwischen den Kriegsparteien laut »Haaretz« zum Stillstand gekommen.

Die Gespräche konzentrierten sich nun darauf, eine Eskalation zwischen Israel und dem Libanon zu verhindern, meldete die israelische Zeitung unter Berufung auf arabische Diplomatenkreise. Das »Attentat« habe die Situation verändert.

USA üben scharfe Kritik

Derweil kritisierte das US-Außenministerium Äußerungen aus Israels Regierung zu einer möglichen Vertreibung von Palästinensern aus dem Gazastreifen scharf. »Die Vereinigten Staaten weisen die jüngsten Äußerungen der israelischen Minister Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir zurück, die sich für die Umsiedlung von Palästinensern außerhalb des Gazastreifens aussprechen«, teilte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, am Dienstag mit.

»Diese Rhetorik ist aufrührerisch und unverantwortlich«, sagte er. Der rechtsextreme Polizeiminister Ben-Gvir verbat sich jegliche Kritik aus den USA in der Sache: »Ich schätze die Vereinigten Staaten von Amerika sehr, aber bei allem Respekt, Israel ist kein weiterer Stern auf der amerikanischen Flagge«, schrieb er auf X und fügte hinzu: »Die Vereinigten Staaten sind unser guter Freund, aber wir werden vor allem das tun, was für Israel das Beste ist.« dpa/ja

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