Coronavirus

Israel soll »grandiosen Durchbruch« erzielt haben

Weltweit forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Bislang vergeblich. Foto: imago images/localpic

Israel ist laut Verteidigungsminister Naftali Bennett der Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus gelungen. Am Montag sagte Bennett am Israel-Institut für biologische Forschung (IIBR) – eine Forschungseinrichtung, die direkt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstellt ist –, es seien sogenannte monoklonale neutralisierende Antikörper gewonnen worden. Mittels dieser könne man die Ausbreitung des Virus erfolgreich bekämpfen, betonte Bennett.

Ein Patent auf das Mittel werde gerade angemeldet, und man sei jetzt auf der Suche nach einem großen Pharmaunternehmen, um den Impfstoff in ausreichenden Mengen produzieren zu können, teilte der Leiter der Forschungseinrichtung, Shmuel Shapira, mit.

ANTIKÖRPER »Ich bin stolz auf die Mitarbeiter des Instituts, die diesen grandiosen Durchbruch erzielt haben. Ihre Kreativität und ihr jüdischer Geist sind der Grund für diese erstaunliche Leistung«, erklärte der Verteidigungsminister nach einem Besuch des Instituts. Unklar blieb zunächst, ob bereits Tests mit dem neuen Wirkstoff an Tieren oder gar Menschen durchgeführt worden sind.

Andernorts sind ähnliche Stoffe bislang an Zellkulturen getestet worden. Die Entwicklung von Antikörpern – Proteine im Blut, die darauf hindeuten, dass ein Immunsystem erfolgreich ein Virus abgewehrt hat – gilt für Wissenschaftler als die erfolgversprechendste Methode gegen Covid-19. Es gibt sowohl monoklonale als auch polyklonale Antikörper. Letztere werden aus verschiedenen genesenen Zellen gewonnen; ein monoklonaler Antikörper nur aus einer einzigen.

AUFTRAG Das IIBR wurde 1952 vom israelischen Militär gegründet, ist seit geraumer Zeit aber bereits eine zivile staatliche Forschungseinrichtung. Laut »Haaretz« arbeiten dort momentan rund 50 Wissenschaftler. Vor drei Monaten gab Benjamin Netanjahu Presseberichten zufolge dem Institut den Auftrag, sich gezielt der Suche nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zu widmen.

Laut eines Berichts des israelischen Nachrichtenportals Ynet wurden schon im Februar Stichproben mit dem Erreger aus verschiedenen Ländern nach Israel gebracht und im IIBR tiefgefroren.

Israel war eines der ersten Länder weltweit, das für seine Bevölkerung drastische Einschränkungen und eine Kontaktsperre verhängte. 237 Menschen sind dort an Covid-19 bislang gestorben, im Verhältnis zur Bevölkerung des jüdischen Staates sind das deutlich weniger als in anderen westlichen Industrieländern. Mittlerweile sind einige Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder gelockert worden.

ZEITSPANNE Auch andere israelische Einrichtungen forschen fieberhaft an einem Corona-Impfstoff. Vor einigen Wochen teilte eine Einrichtung in Galiläa mit, man werde bald ein effektives Mittel entwickelt haben.

Bislang rechneten Experten damit, dass die Entwicklung eines neuen Mittels bis zur Serienreife noch Monate, wenn nicht Jahre dauern wird. ja

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