Diplomatie

Israel schließt Botschaft in Paraguay

Erst vor wenigen Monaten hatte Paraguay seine Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt: Horacio Cartes und Benjamin Netanjahu (v.l.) bei einem Treffen im Mai in Jerusalem Foto: dpa

Premierminister Benjamin Netanjahu ist entrüstet. Der neue Präsident von Paraguay, Mario Abdo Benítez, hat entschieden, dass die Botschaft des Landes wieder nach Tel Aviv verlegt wird. Sein Vorgänger Horacio Cartes war dem Beispiel der USA gefolgt und hatte im Dezember 2017 die lateinamerikanische Vertretung in Jerusalem angekündigt.

Die israelische Regierung reagierte nun prompt – und ließ die eigene Botschaft in Paraguay schließen. Netanjahu erklärte: »Israel sieht diese außergewöhnliche Entscheidung Paraguays als eine sehr schwerwiegende an.« Der Vorsitzende der Partei Jesch Atid, Yair Lapid, pflichtete ihm bei und sagte, dass Israel »nur eine Hauptstadt und keine andere als ein vereintes Jerusalem hat«.

verteidigung Dieser Schritt Paraguays war lediglich wenige Monate nach der Entscheidung erfolgt, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Abdo Benítez verteidigte dies mit den Worten: »Es ist ein Teil der Anstrengungen, einen breiten und langfristigen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu unterstützen.«

Anschließend teilte Benítez auf Twitter mit: »Paraguay ist ein Land mit Prinzipien.« Der palästinensische Außenminister Riad Malki hatte nach eigenen Angaben den neuen Präsidenten in diese Richtung gelenkt.

Abgeordnete der Opposition kritisierten Netanjahu für seine drastische Reaktion. Die Abgeordnete Ayelet Nahmias-Verbin (Zionistische Union) meinte dazu: »Die Entscheidung von Paraguay ist unvorteilhaft, doch sie darf nicht dazu genutzt werden, diplomatische Beziehungen zu beenden.«

Paraguay hatte seine Botschaft im Mai dieses Jahres von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Netanjahu bewertete dies damals als »einen großartigen Tag für Israel und einen großartigen Tag für Paraguay und für unsere Freundschaft«. Einige Tage zuvor hatten die Vereinigten Staaten und unter anderem Guatemala ihre Vertretungen in Jerusalem eröffnet.

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026

Israel

Dafür stehen die arabischen Parteien in Israel

Die arabisch geprägten Parteien in Israel haben bei der Parlamentswahl überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Wofür setzen sie sich ein, was sind ihre Ziele?

 28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber wehren sich mit dem Stimmzettel gegen den Sicherheitsminister – und könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel steckt mal wieder im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026