Pandemie

Israel, Corona und der Zick-Zack-Kurs

Israel meldete am Montag einen Rekord von 21.514 neuen Coronavirus-Infektionen.  Foto: Flash90

Coronavirus-Schnelltests kommen in Israel mittlerweile sogar per Kurier. Seit die Regierung vergangene Woche mehr Antigen-Tests für zu Hause zuließ, weil es vor Teststellen lange Schlangen gab, setzen viele Israelis auf Lieferdienste wie Wolt. Es gebe regelrechte Panik-Käufe, sagte der Motorradbote Aviran Jael. In Drogerien sind die Tests schnell weg.

Mittlerweile werden bei Lieferdiensten wie Wolt schon mehr Antigen-Tests bestellt als Essen. Alle drei Sekunden geht eine neue Bestellung ein. »Die Leute wollen zu Hause bleiben, die Leute wollen es nicht riskieren, sich anzustecken oder andere anzustecken«, sagte die Wolt-Chefin für Israel, Lior Eschkol. 

Gleichzeitig sind die Zustimmungswerte der israelischen Regierung in der Omikron-Welle weiter gesunken. 63 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit ihrer Corona-Politik, wie aus einer Erhebung für den Fernsehsender Kanal 12 hervorging. Im August lag dieser Wert bei 54 Prozent. 

Seit im November die Coronavirus-Variante Omikron in Südafrika aufgetaucht war, hat die israelische Regierung immer neue Maßnahmen angekündigt. Der Flughafen von Tel Aviv wurde geschlossen und wieder geöffnet, es gab neue Test-Vorgaben, die Quarantäne-Regeln wurden verschärft und wieder gelockert. Eltern wussten nicht genau, ob und wie sie ihre Kinder zur Schule schicken sollten. 

Bei einer Kabinettssitzung am Sonntag kritisierten selbst Regierungsmitglieder diesen Zick-Zack-Kurs. »Wir werden den ganzen Tag lang nach Klarstellungen gefragt«, sagte die Wirtschaftsministerin Orna Barbivai. »Die Bevölkerung hat das Gefühl, dass die Regierung den Kampf gegen das Coronavirus aufgegeben hat«, sagte sie.

Israel meldete am Montag einen Rekord von 21.514 neuen Coronavirus-Infektionen.  »Es ist hart, ein Virus zu kontrollieren, das sich vier Mal so schnell verbreitet, wie wir es in der Vergangenheit gewohnt waren«, sagte Sharon Alroy-Preis vom israelischen Gesundheitsministerium dem Kanal 13.

Das bislang ranghöchste Mitglied der israelischen Regierung, das mit dem Coronavirus infiziert ist, ist Außenminister Jair Lapid. Er gab am Montagabend bei Twitter bekannt, dass es bei ihm festgestellt worden sei. »Ich fühle mich exzellent, weil ich geimpft bin«, schrieb Lapid. Er rief zur Impfung und dem Tragen von Masken auf.

Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett äußerte Verständnis für die Frustration unter der Bevölkerung und rief gleichzeitig zum Impfen auf. Er begleitete am Montag mit Mikrofon ein neunjähriges Mädchen zur Impfung in einem Einkaufszentrum in der Stadt Modiin und war dabei live im Fernsehen zu sehen. Vor der Impfung hielt Bennett mit dem Kind und dessen Mutter in einem Süßwarengeschäft an, wo das Mädchen Schokolade bekam. Bennett stellte sicher, dass die Verkäuferinnen hinter der Theke geimpft waren. ap

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

Benjamin Netanjahu

Meinung

Nicht wegen des Krieges: Warum Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirklich zurücktreten sollte

von Roman Haller  07.08.2026

Thailand

Israelische Mutter und Tochter nach Angriff im Krankenhaus

Die Touristinnen wurden auf der Insel Koh Phangan von einem Mann attackiert, der zuvor Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisiert hatte. Eines der Opfer erlitt eine Gehirnblutung

 07.08.2026

Washington/Rom

USA: Annäherung bei Gesprächen zwischen Libanon und Israel

Man sei sich »nun deutlich näher« bei der Frage, was getan werden müsse, um die sogenannten Pilotzonen weiterzuführen und auszubauen, sagt ein Sprecher des US-Außenministeriums

 07.08.2026

Westjordanland

Mutter und Sohn entgehen Lynchversuch nach Irrfahrt in Dschenin

»Dutzende Araber versuchten, die Türen zu öffnen, warfen Steine auf uns und versuchten, uns anzuhalten«, sagt die Frau

 07.08.2026

Nahost

UNICEF-Erhebung: Kaum Mangelernährung bei Kindern in Gaza

»Im Gazastreifen herrscht keine Hungersnot«, heißt es im israelischen Außenministerium. Dies sei das eindeutige Ergebnis

 07.08.2026