Israel

Iran und Hisbollah machen Jagd auf Attentatsverdächtige

Proteste in Jemen gegen die Tötung von Hamas-Politchef Ismail Hanijeh und Hisbollah-Kommandeur Fuad Shukr Foto: picture alliance / Anadolu

Nach den kurz aufeinander folgenden Tötungen des Hisbollah-Kommandeurs Fuad Shukr in Beirut und des Politchefs der Hamas Ismail Hanijeh in Teheran, wurden im Libanon und im Iran Dutzende Menschen verhaftet. Darunter hochrangige Geheimdienstoffiziere, Militärbeamte und Mitarbeiter eines vom Militär betriebenen Gästehauses in Teheran. Das berichtet die »New York Times«, die zwei Insider zitiert. Der Iran habe damit auf eine große und beschämende Sicherheitslücke reagiert, »die die Ermordung eines führenden Hamas-Führers ermöglichte«.

»Die Heftigkeit der Reaktion auf die Tötung von Hanijeh unterstreicht, was für ein verheerendes Versagen der iranischen Führung im Bereich der Sicherheit dies war, denn die Tötung ereignete sich auf einem schwer bewachten Gelände in der Hauptstadt des Landes«, heißt es weiter. »Die Wahrnehmung, dass der Iran weder sein Heimatland noch seine wichtigsten Verbündeten schützen kann, könnte für das iranische Regime fatal sein, denn es signalisiert seinen Feinden, dass sie die Islamische Republik zwar nicht stürzen, aber enthaupten können«, wird Ali Vaez, Iran-Direktor bei der International Crisis Group, zitiert.

»Die IDF weiß, wie man operiert«

Auch die Hisbollah sucht in ihren eigenen Reihen nach »Verrätern« und hat Mitglieder festgesetzt, um herauszufinden, wie Israel den Aufenthaltsort von Shukr herausfinden und den Kommandeur, der für den Raketen-Angriff auf Majdal Shams verantwortlich sein soll, bei dem zwölf Kinder und Jugendliche starben, ausschalten konnte.

»Die IDF weiß, wie man operiert, wie man ein bestimmtes Fenster in einem Viertel in Beirut erreicht. Sie weiß auch, wie man an einem bestimmten Punkt im Untergrund angreift, und wir wissen auch, wie man im Inneren stark manövriert«, zitiert die »Jerusalem Post« die drohenden Worte von IDF-Stabschef Herzi Halevi.

Lesen Sie auch

Laut dem Bericht gehe die Hisbollah davon aus, dass ein Mitglied der Terrormiliz Shukrs Aufenthaltsort verraten habe oder dass israelische Agenten die Gruppe infiltriert hätten. Deshalb wurde nun damit begonnen, eigene Funktionäre zu verhaften, die Shukrs Aufenthaltsort kannten. »Der Verdacht richtet sich gegen einen hochrangigen Sicherheitsbeamten der Hisbollah, der wusste, wo sich Shukr und sein Gast in dem anvisierten Gebäude aufhielten, da sie auf ein Signal für ein bevorstehendes Treffen mit Nasrallah warteten, kurz bevor das Attentat verübt wurde«, wird eine anonyme Quelle zitiert.

Jagd auf Verdächtige im Iran

Im Iran hat der Geheimdienst der Revolutionsgarden die Ermittlungen übernommen und macht Jagd auf Verdächtige, in der Hoffnung, dass sie zu den Mitgliedern des Attentäterteams führen, das den Mord geplant, unterstützt und ausgeführt habe, zitiert die »New York Times« zwei iranische Quellen.

Die Revolutionsgarden hätten bisher weder Einzelheiten zu den Verhaftungen noch zu den Ermittlungen über die Explosion, einschließlich der Ursache, veröffentlicht. Sie haben jedoch »Rache« geschworen, ebenso wie der Oberste Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, der einen »Vergeltungsschlag« gegen Israel angeordnet haben soll.

Die Intensität und der Umfang der Ermittlungen der Wächter zeige, wie sehr das Attentat die Führung des Landes schockiert und verunsichert hat. Denn die Attentäter wären auf hochsicheres Gelände eingedrungen, in ein Gebäude, das mit kugelsicheren Fenstern, Luftabwehr und Radar ausgestattet sei. Alle Mitarbeiter des Gästehauses stünden unter Hausarrest, so der Bericht weiter. Und alle elektronischen Geräte, einschließlich persönlicher Telefone, wurden konfisziert. ja

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026