Atom-Deal

»Ich weiß nicht, mit wem er gesprochen hat«

Sieht im Atom-Abkommen mit dem Iran nach wie vor eine Gefahr für Israel: Benjamin Netanjahu Foto: Flash90

In klaren Worten hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die Aussage von US-Präsident Barack Obama zurückgewiesen, dass der jüdische Staat das Atom-Abkommen mit dem Iran inzwischen befürworte. »Israels Haltung zum Atom-Deal mit dem Iran hat sich nicht geändert«, widersprach Netanjahu am Freitag in Jerusalem.

Er sehe in der Vereinbarung mit der Regierung in Teheran ungebrochen einen Fehler, der den Weg Irans zur Atombombe ebnet und Israels Existenz bedroht. Sowohl Gegner als auch Befürworter des Abkommens müssten nun dafür eintreten, dass der Iran seine Vertragsverpflichtungen einhält und mit seiner Rolle als Exporteur von Terror in alle Welt konfrontiert wird, so Netanjahu weiter. Sein Minister Tzachi Hanegbi erklärte: »Ich weiß nicht, mit wem er (Obama) gesprochen hat. Aber die Position des Premierministers hat sich nicht geändert.«

Irrtum? US-Präsident Obama hatte zuvor am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Virginia gesagt: »Das Land, das gegen den Deal mit dem Iran am meisten protestierte, hat nun seine Meinung revidiert.« Die im Juli 2015 beschlossene Vereinbarung, die Irans Griff nach Atomwaffen verhindern soll, sei ein voller Erfolg und die darin festgehaltenen Verpflichtungen würden Schritt für Schritt umgesetzt. Vor diesem Hintergrund wünsche er sich, dass die Kritiker des Abkommens nun zugeben würden, dass sie sich geirrt haben, erklärte Obama.

Unterdessen bescheinigte der israelische Energieminister Juval Steinitz am Sonntag dem Iran die Einhaltung des vor einem Jahr geschlossenen Atomabkommens. »Es ist ein schlechtes Abkommen, doch stellt es eine Tatsache dar, und während seines ersten Jahres haben wir keinen bedeutenden Verstoß seitens der Iraner konstatiert«, so Steinitz im israelischen Rundfunk. Ob die auf zwölf Jahre angelegte Vereinbarung ein Erfolg sei, könne zu diesem Zeitpunkt indes noch nicht gesagt werden.

Zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman den Atom-Deal mit dem Münchner Abkommen von 1938 verglichen, in dem Frankreich und Großbritannien der Annexion des Sudentenlandes durch die Nationalsozialisten zugestimmt hatten. Premierminister Netanjahu distanzierte sich von diesem Vergleich und betonte, dass es für Israel keinen engeren Verbündeten als die Vereinigten Staaten gebe.

Hintergrund Das Atom-Abkommen zwischen der 5+1 Gruppe bestehend aus den fünf UN-Vetomächten und Deutschland mit dem Iran wurde im vergangenen Jahr beschlossen. In den Gesprächen einigten sich die Verhandlungspartner auf Eckpunkte für ein Abkommen zur Beilegung des Streits. Iran erklärte sich bereit, seine Urananreicherungsanlagen um zwei Drittel zu reduzieren.

Im Gegenzug hoben die USA, die EU und die UN Sanktionen auf. Auf den Straßen Teherans bejubelten die Menschen die Einigung. US-Präsident Barack Obama sprach von einer »historischen Vereinbarung«, Israel von einem »historischen Fehler«. ja

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  03.05.2026

Essay

Beim Brandbeschleuniger Israelhass darf der Gesetzgeber nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Israel

Heimkehr nach Nir Oz

Zwischen ausgebrannten Häusern und neuen Plänen versucht ein kleiner Kibbuz nach dem Massaker der Hamas wieder in den Alltag zu finden. Ein Ortsbesuch

von Nils Kottmann  01.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Mittelmeer

Israel stoppt Gaza-Flottille auf hoher See

Die 175 Aktivisten an Bord der »Gaza Sumad Flotilla« wurden festgenommen und werden nun nach Israel gebracht

 30.04.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Washington D.C.

US-Regierung wirft PA fortgesetzte Zahlungen von Terror-Renten vor

Im vergangenen Jahr hat die Autonomiebehörde nach amerikanischen Angaben 156 Millionen Dollar (134 Millionen Euro) an Terroristen ausgezahlt

 30.04.2026