Den Haag

ICC-Sprecher: Urteil könnte aufgehoben werden

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in der Knesset Foto: Flash90

In einem Radiointerview mit dem israelischen Sender Kan erklärte Fadi El Abdallah, Sprecher des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag, dass die Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant aufgehoben werden könnten.

Voraussetzung dafür sei, dass der Gerichtshof von einer »gründlichen, glaubhaften Untersuchung« in Israel überzeugt werde.

Lesen Sie auch

El Abdallah fügte hinzu, dass Verdächtige das Recht hätten, gegen Haftbefehle Berufung einzulegen. Diese Kommentare kamen im Kontext der Ankündigung des Premierministers vom Mittwoch, dass Israel gegen die Haftbefehle gegen ihn und den ehemaligen Verteidigungsminister in jedem Fall Berufung einlegen werde.

Außenminister denkt, USA bestrafen den ICC in Den Haag

Am 21. November hatte der Gerichtshof in Den Haag entschieden, gegen Netanjahu und Gallant wegen angeblicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gaza-Konflikt vorzugehen.

Eine Woche darauf teilte das Büro des Premierministers dann mit, dass Israel bereits gegen die Entscheidung des IStGH Berufung eingelegt habe. In der Erklärung heißt es, Israels Berufungsantrag »zeige im Detail, wie absurd die Ausstellung von Haftbefehlen war und dass es ihr an jeder tatsächlichen oder rechtlichen Grundlage mangele«.

Weiter steht in der Erklärung geschrieben, »wenn der ICC die Berufung ablehnt, würde dies Israels Freunden in den USA und der ganzen Welt nur verdeutlichen, wie voreingenommen der Internationale Strafgerichtshof gegenüber Israel ist«.

»Frieden ist unvermeidlich, aber er kann nicht auf Illusionen beruhen.«

Am Donnerstag äußerte sich auch der neue israelische Außenminister Gideon Sa’ar zu dem Thema. Bei einem Besuch in der Tschechischen Republik sagte er, viele Länder seien über die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofes bestürzt, darunter die Vereinigten Staaten von Amerika. Er sei davon überzeugt, dass die USA den Gerichtshof dafür bestrafen werden, dass er Haftbefehle gegen den Premier und einen ehemaligen Minister eines demokratischen Staates erlassen habe.

»Ich neige dazu zu glauben, dass in Washington in Kürze Gesetze gegen den ICC und jeden, der mit ihm zusammenarbeitet, eingebracht werden«, sagte Sa’ar auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem tschechischen Außenminister Jan Lipavsky.

Sa’ar: »Krieg wird beendet, wenn Israel seine Ziele erreicht hat.«

Er fügte hinzu, Israel werde den mittlerweile 14 Monate andauernden Krieg in Gaza beenden, wenn es »seine Ziele erreicht« habe. Diese seien die Befreiung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln und die Sicherstellung, dass die Terrororganisation die palästinensische Enklave nicht mehr kontrolliert.

Die Hamas hatte am 7. Oktober 2023 südliche Gemeinden Israels überfallen und bei einem Blutbad mehr als 1200 Menschen ermordet sowie 251 als Geiseln nach Gaza verschleppt. 101 Geiseln sind noch immer in der Gewalt der Hamas.

»Israel hat nicht vor, das Leben der Zivilbevölkerung in Gaza zu kontrollieren«, fügte der israelische Außenminister noch hinzu. »Frieden ist unvermeidlich, aber er kann nicht auf Illusionen beruhen.«

Israel

Auf frischer Tat gerettet

Eine Raubgrabung fördert 2000 Jahre alte Geschichte zutage und führt zu einer antiken Steinwerkstatt

von Sabine Brandes  25.02.2026

Wirtschaft

»Tropfenwunder« zu verkaufen

Das Bewässerungsunternehmen »Netafim« ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Landes. Nun soll es offenbar von einem chinesischen Investor übernommen werden

von Sabine Brandes  25.02.2026

Analyse

Die Uhr tickt

Zwischen Abschreckung, Drohgebärden und Überlastung: Warum die Krise zwischen den USA und dem Iran für den jüdischen Staat brandgefährlich ist

von Sabine Brandes  25.02.2026

Kairo

PLO-Funktionär weist Forderung nach Entwaffnung der Hamas zurück

Scharf wandte sich der PLO-Politiker auch gegen Forderungen nach Reformen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Pay-for-Slay-Politik will er weiterführen

 25.02.2026

Tel Aviv

Wegen Eskalation mit Iran: Ishay Ribo streicht US-Tour

Der israelische Künstler war schon am Flughafen Ben-Gurion, als er sich zur Absage entschied

 25.02.2026

Botschafter in Tel Aviv

Auch Lambsdorff will in Israel Hebräisch lernen

Im Sommer soll der Diplomat Steffen Seibert als Deutschlands Botschafter in Tel Aviv ablösen. Jetzt verrät Alexander Graf Lambsdorff, warum er sich auf die neue Aufgabe freut

 25.02.2026

Tel Aviv

Klimawandel unter der Stadt: Kampf gegen steigende Grundwasserstände

»Das Problem ist nicht so akut wie eine iranische Rakete«, sagt ein Experte. »Wir haben Zeit, uns vorzubereiten. Wenn wir sie nicht nutzen, werden wir Schwierigkeiten bekommen.«

 25.02.2026

Staatsbesuch

Modi will strategische Partnerschaft in Israel verbessern

Modis dicht gedrängtes Programm führt den indischen Premier vom Flughafen direkt zu politischen und wirtschaftlichen Terminen in Jerusalem. Eine Rede vor der Knesset ist vorgesehen

 25.02.2026

Nahost

Deutschland warnt Bürger in Israel

Angesichts eines möglichen US-Angriffs auf den Iran mit Folgen auch für Israel hat das Auswärtige Amt Deutsche vor Ort zu Sicherheitsmaßnahmen aufgerufen

 24.02.2026